Interviews

THE VOICE – Interview

von jfk, aus MP #9, 11.19

Die dazugehörige THE VOICE BANDSTORY findest du hier:
http://www.moloko-plus.de/the-voice-bandstory/529

(Ersma Prost – die erste Runde)

Als ich anrief, um Dir, Teddy, evtl. noch das eine oder andere Foto für den Moloko Plus-Artikel aus’m Ärmel zu leiern, sagtest du mir, daß THE VOICE evtl. ein Comeback planen. Wie kommt’s?

Teddy (Schlagzeug): Für uns war Musik schon imma dit wichtigste – auch die ganzen letzten Jahre ham wa Mucke gemacht.

Quicker (Gitarre/Sänger): In den letzten Jahren ist unsere Musik stabiler geworden, auch wenn wir in der jetzigen Combo ganz andere Musik machen, spielen Teddy und ich doch auch immer noch unsere alten Songs, und das macht Spaß!
Wir dachten jetzt halt dran, mal wieder härteren Stoff zu machen, und deswegen überlegen wir, ob wir gleich mit ’ner dritten Platte und dem Namen THE VOICE ein Comeback wagen sollten.

Teddy: Uns haben in letzter Zeit ’n Haufen Leute angequatscht auf THE VOICE und da dachten wir, es ist ein Versuch wert. Zumal wir ooch jetzt ’n richtiges kleines Studio haben, wo wir’n Band mit super Qualität aufnehmen könnten, sodass ’ne CD gar keen Problem wär.

Wenn ich mir euch so angucke, denke ich mir, daß ihr nichts mehr mit der Skinszene zu tun habt – oder sind da noch Kontakte zu einigen Leuten von damals?

Teddy: Nee, mit der Szene haben wir nüscht mehr zu tun. Klar gibt es aber noch Kontakte zu ’n paar Leuten von früher, ist doch klar. Wir sind ja auch schon damals nicht nur mit den Leuten zusammengewesen, weil dit Skins waren, sondern weil dit unsere Kumpels waren. Und dit sind se – zum Teil jedenfalls – noch heute, egal wie sie aussehen. Einige gehören auch heute noch zur Szene (nicht zu den Faschos!) und andere sehen mittlerweile halt ganz anders aus und machen ooch was ganz anderes.

Quicker: Wir sind ja auch damals nicht aus politischen Gründen Skins geworden. Das war einfach ’ne Lebenseinstellung und dit kann sich doch ooch ändern.

Politisch hattet ihr damals immer versucht klar zu machen, daß ihr keiner Seite zugerechnet werden wollt. Für die einen ward ihr Faschos und für die anderen Linke. Wie steht ihr heute dazu?

Quicker: Mir war dit damals schon zu blöde, und ich habe auch heute keinen Bock auf so’n Scheiß. Für uns zählt die Musik und nicht was einer denkt.

Ihr habt euch doch aber ständig als „unpolitisch“ bezeichnet.

Quicker: Ja, nee, unpolitisch stimmt nicht. Unpolitisch is’n doofer. Wir waren nicht politisch radikal. Natürlich hatten und haben wir alle unsere Meinungen, auch zur Politik, aber eben in einem vertretbaren Sektor und nicht radikal.

Teddy: Dit hat doch nichts mit der Mucke zu tun.

In Westdeutschland scheint es in Bezug auf THE VOICE auch keine Probleme zu geben, aber hier in Berlin habt ihr doch einen eher schlechten, rechtsverzerrten Ruf, und das hat was mit dem Konzert zusammen mit MAD SIN im Blockschock und mit eurem selbstveranstalteten Konzert mit den Upstarts zu tun. Könnt ihr dazu mal was sagen?

Quicker: Nun, bei dem Konzert mit MAD SIN, als die Faschos da so reinstürmten, hätte es genausogut auch unser Equipment treffen können. War ’ne völlig beschissene Aktion, aber wir können nichts dafür.

Aber daß dann beim UPSTARTS- Konzert genau die gleichen Idioten wieder reingelassen wurden, dafür könnt ihr als Veranstalter doch schon was.

Quicker: Wir standen ja nicht selbst an der Kasse, sondern wir hatten Ordner, die vielleicht auch nicht so bekannt waren in der Szene und sich selbst eben auch nicht so auskannten…

Nee – Moment, einige von den damaligen Ordnern kenne ich.

Quicker: Ja gut, aber es steht nun mal nicht jedem mit Leuchtfarbe auf der Stirn geschrieben „Ich bin ein Faschist“ oder „Ich bin ein Linksradikaler“, und somit sind diese Leute eben reingekommen.

Aber einige dieser Stressmacher vom MAD SIN-Gig waren euch doch bekannt.

Quicker: Nun gut, vielleicht sind wir wirklich damals zu blauäugig mit diesem politischen Problem umgegangen. Ich weiß es nicht, wir haben das alles einfach nicht so ernst genommen, und wir haben uns auch nicht mit all‘ dem auseinandergesetzt. Für uns war immer nur die Musik wichtig. Was den UPSTARTS-Gig betrifft, so haben wir damals Anweisungen gegeben, bei irgendwelchem Ärger zweimal zu warnen und danach hatten die Ordner Verfügungsgewalt – haben die Leute also dann rausgeschmissen.

Ist aber nur zweimal vorgekommen, und zwar nicht aus politischen Gründen, sondern die haben Stress gemacht, weil sie Bock drauf hatten. Na, und dann kam die Antifa von draußen, was wir nicht verstanden haben.
Das ganze Ding lief ja unter dem Titel „lf the Kids are united“. Wir haben die UPSTARTS dafür rübergeholt und gesagt, los, spielen wir mal zusammen – einfach um damit was klar zu stellen und auch um den Leuten beizubringen, mal wieder was zusammen zu machen. Einfach um zusammen Spaß zu haben, aber das schaffen die ja alle bis heute nicht.

Teddy: Is ja auch so, daß die Sache uns tausende von Mark gekostet hat, wa. Ich war damals 18/19 Jahre alt, gerade aus der Lehre raus, und wir ham‘ unsere ersten Gelder verdient als Geselle oder sowat, und die ham‘ uns jetzt alles zerkloppt, da ham wa monatelang dran geknabbert.
Dit hat uns echt tausende gekostet, und dann is nämlich scheiße mit dem Idealismus gewesen. Deswegen konnten die mich auch alle mal. Da wird immer geredet – Skinhead hier und Szene da und united und so – dit is doch alles Stuss, wat die so erzählen. Mit Spaß war da nichts. Das Ding hat uns tausende gekostet! Von wegen „united“!

(ersma prost – die zweite Runde)

Aber zu den UPSTARTS hattet ihr doch auch hinterher noch gute Kontakte.

Quicker: Na klar. Wir haben da auch noch super Fotos…

Oh, schau an, werden gerne entgegen genommen.

Teddy: Am Wochenende geben wir sie dir und wat wa noch so finden. Hab‘ aber keene Negative – will ich also zurück, ok?

Ok, zurück zu den UPSTARTS. Die hatten doch auch nach diesem besagten Gig und dem ganzen Stress keine Probleme mit Euch – oder?

Quicker: Natürlich nicht. Wir sind Kumpels.

Teddy: Paß‘ auf: Die Jungs sitzen in London, spielen Gitarre, sind betrunken – sind eben Mucker, verstehste? Die kümmern sich doch ooch nich‘ um so’n Scheiß, was hier gelaufen ist – ist denen doch egal. Bei den UPSTARTS is das eben genauso.

Quicker: Ja, der einzige, der politisch ist, ist Mensi, der macht da so’n bißchen Proklamierung und so wat.

Teddy: Ich hab‘ keene Ahnung, wie dit jetzte so looft, hab‘ die ja ooch schon ’ne lange Zeit nich mehr gesehen, aber da wird sich nich ville geändert haben. Für Ronny Rocker war die Musik immer das wichtigste. Der hat dann ja ooch bei den GODFATHERS mitgespielt und so wat. Für den ist es einfach nur wichtig, an seiner Gitarre zu stehen.
Und genauso sieht das für uns auch aus – wir sind Mucker, und ob da nu‘ was is – rechts oder links – is mir wurscht, solange se nich wat von mir wollen.

Quicker: Jawoll.

Teddy: Weil, entweder biste Mucker oder du bist Politiker, beedes biste nie ganz.

Anderer Zündstoff war ja uch die Tatsache, daß ihr eure Platte bei Halloween rausgebracht habt. Die hatten ja zur selben Zeit u.a. auch SKREWDRIVER. Ward ihr da auch zu „blauäugig“ oder weshalb seid ihr da gelandet?

Quicker: Ach, Mann, ja. Wir kannten die Jungs – Hannes und Kutte – eben einfach und haben das dann mit denen gemacht – weil wir die kannten. Wir haben da nicht drüber nachgedacht. Wir kannten die Jungs, und das ist doch jetzt genauso, als wenn wir hier jetzt zusammen am Tisch sitzen – und wir sitzen hier ja ooch schon ’ne Weile, und ich hab‘ dich bis jetzt noch nicht nach deiner politischen Einstellung gefragt, und ich werde das ooch in 10 Tagen oder wat nicht tun.
In diesem Zusammenhang ist das doch vollkommen unwichtig, weil ich jetzt mit Dir hier bei diesem Interview sitze, Biere trinke und einfach auch ein bißchen Spaß dabei haben will. Und genauso kann ich hier doch aus anderen Gründen mit den Leuten sitzen, und mir ist dann deren politische Einstellung ooch egal.
Und die Leute vom Halloween kannten wir eben auch, und damals haben wir uns ja noch weniger um Politik gekümmert. Auch in dem Laden selber. Klar hingen da SKREWDRIVER-Shirts rum, aber eben auch welche von COCK SPARRER, BUSINESS oder den PISTOLS. Du glaubst doch eh‘ nicht, dass dieser Laden von den linken Punx gemieden wurde. Die ham da genauso eingekauft. Wir ham diese ganze Problematik irgendwie überhaupt nicht geschnallt.

Teddy: Wir wollten doch bloß Musik machen und Spaß haben, scheiß was auf die Politik…

Gibt es denn jetzt auch irgendein Label, das sich für euch interessiert, und wie sieht das dann mit konkreten Tourplanungen aus?

Teddy: Nee, was richtig konkretes gibt’s noch nicht. Aber in letzter Zeit häufen sich eben die Anfragen zu THE VOICE derart, daß wir schon echt dachten, da will uns einer verarschen.

Quicker: Ja, echt. Das kam alles so plötzlich in diesem Jahr und gehäuft in den letzten Wochen, daß wir ernsthaft dachten, da will uns einer auffe Rolle nehmen. Auch als du angerufen hast gestern, dachten wir, das gehört mit zur Verarsche.

Teddy: Letztes Jahr ham wa Urlaub in Griechenland gemacht, und da ham wa jemanden getroffen, der THE VOICE kannte. Als wir ihm dann sagten, daß wir THE VOICE gewesen sind, sagte er „nee, das war so‘ ne Skin Band“. Wir erklärten ihm, daß wir nicht immer so lange Haare hatten und quatschten mit ihm.

Quicker: Ja, und er war so angetan, daß er mit uns ein Interview machen wollte für‘ n Zine, das auch hier in Deutschland vertrieben wird (zu Teddy: „Wie hieß dit noch?“) – na, egal. Jedenfalls tranken wir und machten dieses Interview. Als wir dann das Heft mit diesem Interview von ihm bekamen, waren wir voll von den Socken. Unser Interview war ok., aber totale Scheiße hat er da ansonsten geschrieben, so nievaulos und asselig, das gibt’s gar nicht – kannste dir nich vorstellen.

Teddy: Ja, da ham wa uns ganz schön geärgert, aber nich zu ändern.

Dieses Interview dürft ihr gerne vorher durchlesen, ok?

Quicker: Nee, so war dit nich gemeint. Das ist schon ok.

(Ersma prost – die dritte Runde)

Kommen wir nun zu eurer Musik. Von euren Platten kenne ich ja nun einen sehr abwechslungsreichen Stil, der sich nicht leicht zuordnen läßt. Vom harten Oi über z.B. melodischen Punk bis hin zu anfänglich sogar Ska war alles drin. Ihr habt ihn damals ja wohl mit „Clockwork Stil“ umschrieben. Wird das auch in Zukunft so bleiben oder geht ihr jetzt doch mehr auf die Oi!-Schiene?

Quicker: Wir werden da weitermachen, wo wir aufgehört haben – nur sind inzwischen sieben Jahre vergangen und unsere Musik ist ausgereifter geworden.

Teddy: Einfach besser eben. Man lernt eben mit der Zeit, immer besser mit seinem Instrument umzugehen, und es macht auch immer mehr Spaß.

Ihr habt also definitives Interesse, wieder loszulegen. Werdet ihr denn nun ein, mit Sicherheit gefordertes, politisches Statement abgeben oder wartet ihr einfach ab, was passier?

Quicker: Nee, wie gesagt, das war uns damals zu blöde und das ist es uns heute auch noch. Uns geht’s um die Musik. Das kann doch nicht sein, daß eine Band nur dann akzeptiert wird, wenn sie sich eindeutig als links oder wat bekennt.

Teddy: Dit hat doch nüscht mehr mit Mucke zu tun, dit is doch alles voll krank. Die Leute scheinen echte Probleme zu haben – wahrscheinlich ist ihr Schwanz zu klein.

(dreckiges Gelächter)

Kann gut sein, ändert aber nichts daran, daß ich gerne wissen möchte, wie ihr reagieren wollt. Habt ihr darüber schon mal nachgedacht?

Quicker: Ja, das is‘ n Problem – is mir während unseres Gesprächs auch aufgefallen. (Mit Blick zu Teddy) Mann, das gibt’s doch alles gar nicht. Sind wir wirklich so blauäugig, daß wir das alles nicht kapieren?. Ich versteh‘ diesen ganzen Streß überhaupt nicht – ich will doch nur Musik machen und (Blick wieder zu mir) wenn’s dann noch ein paar Leute gibt, denen unsere Musik gefällt, dann ist das gut – Spaß eben.
Wir machen ja auch keine politische Musik, sondern Texte halt so aus’m Leben. Was uns so durch’n Kopf geht und was wir so erleben.

Ihr habt damals ja sogar ’nen Song gemacht, der hieß South Africa, wolltet ihr damit politisch was über THE VOICE ausdrücken?

Quicker: Nee, das war eben auch nur was, was uns beschäftigt hat in der Zeit, und deshalb ham wir ’nen Song drüber geschrieben.

Teddy: Dit sollte ooch wirklich keene Rechtfertigung sein, der Text entstand eben einfach so.

Quicker: Ja, und selbst danach ham uns einige Dorfdeppen noch als Nazis beschimpft.

Teddy: lck versteh‘ dit ooch alles nich. Wat soll dit? Sind doch alle krank.

Quicker: Andererseits habe ich aber auch absolut keine Lust, mir dafür die Fresse einhauen zu lassen – egal von wem. Wenn ich mitbekommen würde, dass es Ärger gibt, würde ich sofort meine Sachen packen und gehen. Auf sowat habe ich keinen Bock – wozu?

Teddy: Nee, wenn das so ausarten würde, dann lassen wir es lieber und spielen weiterhin nur mit unserer jetzigen Combo – da ham‘ wa wenigstens noch Spaß.

Quicker: Ich weiß wirklich nicht – ich sah uns ja schon im Wild at Heart bei unserer Release Party. Was sollen wir tun?

Ich kann euch doch nicht sagen, was ihr tun sollt…

Quicker: Habe vor einiger Zeit mit Beki Bondage telefoniert, Die kommen ja nun auch wieder. Das wär’s doch, mit denen aufzutreten. Weißt du, wer die Tour für VICE SQUAD macht?

Die Tour macht M.A.D.

Quicker: Ach, Marc. Den kenne ich doch auch gut.

Ihr könnt euch dazu ja noch in nächster Zeit ’n Kopf machen. Vielleicht kommen nach diesem Interview ja auch schon einige Angebote, wer weiß?

Quicker: Wär‘ schon geil, wieder aufzutreten mit THE VOICE. (Teddy nickt krältig)

(Ersma prost – die vierte Runde)

Wer wird denn jetzt bei euch den Bass übernehmen? Jemand aus eurer jetzigen Band? Und wie sieht euer Repertoire aus – die ganzen alten Songs?

Quicker: Nee, wir haben auch schon einige neue Sachen gemacht. Die sind im Laufe der Zeit eben so entstanden und für unsere jetzige Band einfach ’n Zacken zu hart. Die Sachen würden wir dann gerne spielen, natürlich auch die alten Songs – klar!
Was den neuen Basser betrifft: nun, Gregor wird’s nicht sein. So leid es uns tut, aber der hat jetzt Familie und auch schon jahrelang keinen Bass mehr in der Hand gehabt. Für ihn war’s damals ’n kosequenter Schnitt.

Teddy: Er hat sich halt gesagt: Ok, das war die Zeit, da ham wir Mucke gemacht, und jetzt machen wir eben keine Mucke mehr. So – zack – vorbei.

Quicker: THE VOICE sind ja sowieso Teddy und ich, und jetzt haben wir zwei Leute im Gespräch und da wird sich schon herauskristallisieren, wer es nun wird. Und Gregor wir uns da auch nicht böse sein, wir ham gerne mit ihm Musik gemacht.

(Hier stoppte dann das Aufnahmegerät, die Kassette war voll und wir auch so langsam. Da das Interview auch lang genug war, beschlossen wir, es hier zu beenden und widmeten uns der letzten Runde.)

Bleibt mir nur noch, den Jungs viel Spaß ohne Streß zu wünschen, und dann warten wir mal alle gespannt auf die Platte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.