Historisches & Biographien

SINGEN & TANZEN Fanzinestory

von Collaps, aus MP #9 von 11.1997

Der Herr Ritzki war also der Meinung, es sei eine gute Idee, daß ich hier mal die Geschichte der von mir verbrochenen Fanzines breitrete. Und wer bin ich, ihm zu widersprechen, hm (ah ja, ich bin übrigens der Collaps!).
Wer meine Zines kennt, erinnert sich sicher an meinen, ähem, »leicht überzüchteten« und ausufernden Schreibstil …

Also, here we go:

Vorgeschichte oder: Bravo, Pistols und Mama tun es passend und Collaps findet das voll okay!

(Ich vermute, Euch ist eine Schilderung der damaligen Umstände lieber, als eine bloße Aufzählung von Daten und Fakten, darum werde ich hier desöfteren »weiter« [hehe] ausholen.)
Als ORIGINAL ’68er war mir spätestens 1980/mit 12 Jahren klar, daß es SO ganz bestimmt NICHT weitergehen konnte…

Inspiriert durch Bravo, Pop-Rocky und die 1. SEX PISTOLS LP beschloß ich also, nunmehr PUNKER ZU WERDEN! Das hatte in einer verpennten Kleinstadt wie Rheinberg/Niederrhein, in der ich damals noch wohnen mußte (hat außer Claudia Schiffer, irgendwelchen begnadeten Reiterschicksen und natürlich mir sonst nie was erwähnenswertes hervorgebracht), erst mal harmlose bis niedliche Folgen…

Das sollte sich ändern im März 1981, als sich meine Mutter endlich erbarmte, sich von meinem Vater scheiden ließ, mich unter den Arm klemmte und von jetzt auf gleich das Weite suchte, Richtung DUISBURG!!!

Andere Kinder kriegen von sowas Depressionen oder entwickeln Neurosen, unter denen die Umwelt noch in 40 Jahren leiden muß; ich allerdings kriegte mich nicht mehr ein vor Freude! Erst an zweiter Stelle kam der Gedanke »wow, nie mehr mucksmäuschenstill die scheiß Streitereien der Alten ertragen«, nö, der erste Gedanke war: »WOW! Endlich nie mehr Kleinstadt!! Endlich GROSSTADT!!!«

Und dann auch noch DUISBURG!!!

Hatte ich doch erst Wochen vorher Michael Brauns Film »Punk Im Pott« im Fernsehen verfolgt, in dem ein gewisser Willi Wucher mich durch Duisburgs Punk-Szene geleitete!
Fassungslose Freude!
Unendliche Weiten, die noch nie ein Collaps zuvor gesehen hat, große, weite Welt.

Mein Leben konnte beginnen! (Tatsächlich blieb es bis heute im Ruhrpott, aber das gehört wohl net hierher.)

Passenderweise probierte meine alte Lady an mir dann noch irgendwelche laissez-faire-Erziehungsmethoden aus, die letztlich dazu führten, daß ich im Prinzip tun und lassen konnte, was ich wollte und meine Erziehung in erster Linie mir selbst überlassen blieb, was dann klarerweise bedeutete: Ficken, saufen, nicht zur Schule gehn; weggehn bis in den Morgen; übernachten irgendwo: Punks, Hippies, Bahnhof, besetzte Häuser, Straße, Freier (oder auch zu Hause); Konzerte; Demos (das hatte man damals); Drogen; Pattexschnüffeln; die ersten Verhaftungen…

Also lauter Zeug, daß ich meinen Balgen (hätte ich denn welche) eher nicht erlauben würde, hehe!

Bei alledem waren mir zwei Sachen immer klar:

  • Ich wollte meine eigene Band!
  • Ich wollte mein eigenes FANZINE!

Punkrock, eben. Erste Erfahrungen mit dem Schreiben – live war ich eher Stillen sein Sohn – hatte ich back in Rheinberg mit einer selbst gemachten »Schülerzeitung« gemacht, welche dann natürlich prompt verboten wurde.

Ansonsten war, um hier noch etwas weiter abzuschweifen, aber ihr habt ja Zeit, gell, das Leben alles in allem recht anstrengend für einen 13jährigen Nachwuchspunk mit Iro: Punk und Punks waren in D immer noch ungewöhnlich, die älteren Punx schauten natürlich meist ziemlich arrogant herunter, gleichaltrige gab es kaum und für »die Gesellschaft« war das alles wohl eine echte Beleidigung: Selbst als minderjährigen Stoppen war man vor verbalen wie auch physischen Attacken, bis hin zu sexuellen Übergriffen, der »braven Bürger« zu keiner Zeit sicher; eine Erfahrung, die mich noch heute jeder scheinbar angepassten Fassade mißtrauen läßt (na gut, da hammas: vielleicht hab‘ ich mir doch ’ne Neurose zugelegt [das hat man heute!]).

So viel dazu…

Ich kam also zurecht und war meist gut drauf und fing dann 1982 an, für das UNGEWOLLT (Wuchers Fanzine mit heute unfaßbarem Kultstatus und Einfluß) irgendwelchen Kleinkram zu schreiben. Warum man gerade hier Wert auf den Blödsinn irgendeines 14jährigen Kidpunx legte, weiß ich bis heute nicht.

Skinhead = Punk, nur net gar so assich?!?

Ende 1982, also Ewigkeiten später (für mich), kam – wie bei so vielen – der Iro ab, die Hosenbeine nach oben, und ich wurde »Skinhead«.
Als völlig bewußten Entschluß konnte man das kaum beschreiben. Es war so, daß zu dieser Zeit unzählige Punks zu Skinheads wurden. Die Älteren waren von den Nachzüglern (wie mir) genervt, unsereins war die arroganten alten Säcke leid, und alle störten sich an den Hippie-/Öko-/Latzhosen- und besonders auch den Polit-»Punks«, die begannen, allen »Abweichlern« (sprich: »normalen Punx«) mit ihren Einlässen den letzten Nerv und Credibility zu rauben.

So wie Hardcore einige Jahre später, war dieses Punk-zu-Skin-Phänomen also eine Reaktion auf die veränderten Verhältnisse.

Die ersten Skinheads hatte ich während eines der legendären, von Karl Nagel (mit)inszenierten, Punk-/Skin-Treffen 1982 in Wuppertal kennengelernt, wo man mir wegen eines BUSINESS-Schriftzuges auf meiner Lederjacke auch prompt was auf die Backen geben wollte. Sehr beeindruckend…
Auf dem Back-Cover des bis heute umwerfenden Albums der ALLIIERTEN finden sich die entsprechenden Photos.

Bei mir spielte der Gedanke eine Rolle, hier bei etwas dabei zu sein, daß WIRKLICH neu war. Schließlich war ich ein Punk der 4. Generation – Skinheads aber gab es in D zuvor kaum.

Darüber hinaus sah ich keine großen Unterschiede, denn wie alle anderen hatte ich von Skinheadtum eigentlich herzlich wenig Ahnung. Für mich war das wie Punk, nur nicht gar so assig und auf keinen Fall hippiemäßig.
Ich wechselte auch gelegentlich das Outfit, da ich (eigentlich bis heute) ständig zwischen den Polen »Punk« und »Skinhead« pendelte.

Ansonsten änderte sich für mich wenig. Ich hing weiter mit den selben Leuten ab (inzwischen war die Kidpank-Gemeinde enorm angewachsen) und machte das selbe Zeug: Im Park oder City rumlungern, saufen, fummeln und Konzerte besuchen. Nur, dass da nunmehr eben nicht 20 Lederjacken unterwegs waren, sondern auch Harringtons. Die Polizei jagte uns sowieso alle gleichermaßen.

Der United-Gedanke spielte erstmal gar keine Rolle, weil uns solche Fragen gar nicht in den Sinn kamen. Das war selbstverständlich.

Auf meine ersten Doc’s musste ich 1983 übrigens sechs Wochen warten, nachdem ich den Punk-Boutiquelern erstmal erklären musste, was das überhaupt sein sollte…
Die Teile waren kaum zu bekommen, so daß der Rest der Crew zumeist Springerstiefel tragen mußte.

In dieser Atmosphäre war es auch möglich. daß man noch heute im eher lahmen »Punk Im Pott«-Nachfolger »Allet United« (WDR, 1983) z.B. den BODY CHECKS-Vorläufer STARKBIER im Ü-Raum vor Punks und Nachwuchsglatzen bewundern kann (und mich übrigens auch; glücklicherweise gab ich kein Interview).

Diese Harmonie hatte spätestens 1984/85 ein Ende, zum einen bedingt durch die 2. Hannoveraner Chaos-Tage, auf denen es erstmals zu größeren) Punk-Skin-Clashes kam (1983 war man noch »united«), zum anderen durch die wachsende Anzahl rechtstendenziöser und gewaltbereiter Skinheads. Diese versuchten, das neue Ding Skinhead durch Prügelaktionen gegen alles und besonders Punks zu etablieren und sich, wie alle neuen Subkulturen, stärker von ihren Vorgängern abzunabeln.

Viele Punks fielen auch auf die Medienpropaganda, die sich Skinheads als letztes Skandalthema ausgesucht hatte, herein und begegneten mir plötzlich mit Mißtrauen oder schierer Blödheit.
Besagte Propaganda züchtete nur noch mehr Rechte heran, und so war ich 1985 in der Situation, daß mit United nicht mehr viel gebacken war, manche Punks mich plötzlich nicht mehr sehen wollten, viele der anderen Skinheads mir aber nicht gefielen.
Skinhead wollte ich aber bleiben (und hatte mittlerweile auch etwas mehr Plan), also versuchte ich den aussichtslosen Spagat zwischen meiner Punk-Sozialisation und dem Kontakt zu oft höchst merkwürdigen, manchmal auch schlichtweg kriminellen, anderen Skinheads andererseits.

Ich nahm das Skinheadsein inzwischen ernst.

Ernst nehmen aber mußte ich auch die sehr realistische Gefahr, von anderen Skins wegen »abweichlerischer Tendenzen« (ah…ja!) ständig was auf die Mappe zu kriegen.
Ich brachte einfach nicht die Courage auf, mich eindeutig von »eher rechten« Tendenzen/Skinheads abzugrenzen – ein Versäumnis, das meine Fanzines bis zum Ende der 80er begleitete.

Die Borniertheit der »Öffentlichkeit« mir als Skinhead gegenüber nahm mir allerdings auch noch den letzten guten Willen, so daß mir irgendwelche Glatzen immer noch lieber waren, als die kleinste Anbiederung an Gesellschaftskonformität.

So war ich also für Punks und Gesellschaft meist ein Nazi, für viele anderen Skins aber »der rote Collaps« und fühlte mich in dieser Schizophrenie äußerst unwohl, versuchte jedoch, mich in/mit ihr einzurichten.

Irgendwann begann ich mir, unterschwellige Propaganda und gesellschaftliche Zurückweisung machten’s möglich, sogar einzureden, daß ich vielleicht doch auch irgendwie rechts sei, genau so, wie ich vorher gedacht hatte, ich wäre bestimmt Anarchist oder für die RAF. Und Mr. Public war mir sowieso scheißegal…

1985, ich wohnte mittlerweile in DU-Rheinhausen und war mit einem der spärlichen Renees aus Oberhausen liiert, vervielfältigte ich per Fotokopie die Story »Oigen Oinick gegen die Blitzer-Bande«, eine Jahre alte, nicht ganz ernst zu nehmende Persiflage auf Science Fiction-Stories, in dem statt irgendwelcher futuristischer Helden eben ein junger Oinick (den Begriff hatte ich auf einem CLOX-Konzert aufgeschnappt) die Welt vor dem Übel (hier: New Wave-Anhänger) rettete – mittels Oi!-Samplern und Doctor Marten’s!
Das Geschichtchen wurde 1991 im SHOCK TROOPS #12 neu abgedruckt.

Die eigene Band war mangels »Verfügbarkeit der Produktionsmittel« (tja, das böse, alte Kapital war eben weiterhin feindselig, tz!) für’s erste weiterhin nur ein Traum.

Fanzines aber waren realisierbar, und so erschien Anfang 1986, in einer Auflage von vielleicht 50 Exemplaren, die Nr. 1 des »SINGEN UND TANZEN«, Der Name war natürlich dem ONKELZ-Song entsprechend, welche damals noch ganz groß für mich waren und noch keinen Deutschrock spielten.

Die Nr. 1 kann man getrost inne Tonne kloppen. Außer halbgaren Kommentaren zum Weltgeschehen, bei dessen Lesen es mich heute schaudert, und ein paar Reviews, gab es rein gar nix zu lesen. Trotzdem landete mein Name auf skinheadweiten Mailinglisten, was meinem geschundenen und profilierungssüchtigen Ego sehr entgegen kam.
Es gab halt sonst kaum was und die Szene wiegte sich in »United Skins«-Träumereien…

Die Nr. 2 vom Mai 1986 war da schon besser und erschien sogar als englische Übersetzung (!), die ich aber heute keinem mehr zumuten möchte (gröhl).

Mittlerweile erhielt ich sogar coole Drohanrufe! Na gut, meine Mutter fand sie nicht gar so cool und reagierte immer wieder recht verschreckt.

Ich war auch fast nur noch mit Skinheads zusammen – »Wechselbeziehungen« erlaubte die äußerst verspannte interne Situation damals, in dem jede noch so unwichtige Kleinigkeit zum Popanz aufgeblasen wurde, kaum, und das höchst feindselige Klima, das sich in D mittlerweile gegenüber Skinheads breitgemacht hatte, stand dem auch im Weg.

Wer damals dabei war, wird mir zustimmen, daß es quasi unmöglich war, als Skinhead auch nur irgendwas »richtig« zu machen. Die CDU wollte Skinheads gar verbieten, eine Idiotie, die sich 1995 mit Verbotsforderungen von Techno-Musik (!) wiederholen sollte.

Zum anderen war es faktisch eine Illusion, irgendwo die Straße betreten zu können, ohne von irgend jemandem blöd angemacht zu werden, was zu ständigen Auseinandersetzungen und Prügeleien führte. Die »Schuldfrage« wurde von Presse und Polizei dann mittels der Haarlänge geklärt.

Die Heuchelei (Skinheads als Prügelknaben der »liberalen« Gesellschaft [Punks waren plötzlich gehätschelte Objekte soziologischer Betrachtung]) war groß.

Nicht vergessen sollte man hier die türkischen Gangs, die in ihrer Wut – oder auch Stumpfheit – auf alles einschlugen, was kurze Haare hatte. Noch heute schleppe ich den unangenehmen Automatismus mit mir herum, ständig auf der Hut zu sein, vor allem dann, wenn ich zwei Türken beieinander sehe; ein Reflex, der niemanden mehr ärgert, als mich, weil ich es zum einen heute besser weiß und zum anderen versuche, möglichst vorurteilsfrei durch’s Leben zu gehen.

Zurück zum S&T # 2.
Aufgemacht wurde mit den Krefelder BRACES, einer Ska-Band, der ich eher zufällig mittels eines Konzerthinweises in einem Wochenblatt über den Weg lief. Sie waren damals noch völlig unbekannt (remember, where you read it first, höhö!) und wurden von mir äußerst geschätzt.

Ska und Reggae stellten für mich schon zu diesem Zeitpunkt DEN Weg dar, mich von allzu beschränkten, faschistoiden Skinhead-Fraktionen abzugrenzen, ohne mich komplett zu verabschieden oder mich bei der Sozialarbeiterriege einzuschleimen.

Aus diesem Grund lancierte ich auch einen Bericht im damals groß werdenden, kontroversen Düsseldorfer Zine »Force Of Hate« (»Wo sind sie jetzt?«, kann man da nur fragen).

Dann waren da die heute völlig zu Recht vergessenen Dorf-Kapellen VOM FEINSTEN und NOIE EINHEIT und ein Bericht über die hoffnungsvollen VANDALEN aus Hildesheim, bei dessen Schlagzeuger Peter (welcher auch das »Oi – The Fanzine« herausbrachte) ich auch einmal zu Besuch war.
Er meldete sich hinterher aber aus mir bis heute unbekannten Gründen nie mehr bei mir und reagierte auch nicht mehr.

Auch SPRINGTOIFEL und SKAOS waren wohl eher moderate Bands, und genau meine Kragenweite, aber als Ausgleich finden sich teils hirnrissige Einlässe zu gesellschaftspolitischen Themen. Naja, wo wart Ihr mit 18 und in nineteeneightyfuckingsix…?
Alles wurde eben durch die »Skinhead-Brille« betrachtet und entsprechend bewertet, ganz gleich, wem das Ergebnis zu Gute kam. MöhMöhMöh + Rostock-Liechtenhagen war ja auch noch weit weg

Als Ausgleich begann ich mit wachsender Begeisterung DAVID RODIGANS zweistündige Reggae-Show auf dem Soldatensender BFBS zu tapen, sehr zum Mißfallen meines Mädels, die das wohl net so standesgemäß fand, tz!

1987 hatte sich die Skinhead-Szene als feste Größe etabliert, und so auch das S&T. Die Kontakte gingen rund um die Welt und das Geschehen im Fanzine Nr. 3 (vom Januar ’87) spielte sich zwischen Haßtiraden auf Durchschnittsbürger, den Onkelz, Skinheadtreffen (die immer wieder für fette Schlagzeilen sorgten, was uns natürlich sehr gefiel und woran auch hart gearbeitet wurde), wie auch den ersten Auslandsberichten (Italien, USA) ab.

Meine heimliche Lieblingsband THE REDSKINS, die tatsächlich einen bis heute unerreichten Mix von Soul und Punk spielten, holte sich ihre (verdienten) Dissings wegen nicht skingemäßer Äußerungen ab, wofür die Supernazis von EVIL SKINS (die auch ein Ska(!)-Stück auf ihrer EP hatten) sich darstellen durften und ich mich ob meiner Punk-Kontakte verteidigte.

Unangehm in Erinnerung geblieben ist mir der Brief von BRACES-Jockel, der darum bat, nicht mehr in meinem Zine erwähnt zu werden, wegen der bösen Nazis. Vielleicht waren VAC und DIRTY JOY doch nicht die richtige Umgebung…
Das Ganze muß man aber wohl sehen unter Berücksichtigung der gnadenlosen Paranoia, die damals herrschte.

Die Nr. 4 vom Mai ’87 hatte SHAM 69 auf dem Cover, was dadurch zustande kam, daß diese damals unerreichbaren Helden aller Skins (außer den ANGELIC UPSTARTS [geniales Konzert im legendären OKIE DOKIE -oder war das später {‚kopfkratz‘}?] hatte noch keine relevante Band in Deutschland gespielt) ein Konzert in der Zeche Bochum geben sollte.

Dieser Laden zeichnete sich schon damals durch einen unerreichbaren Kackigkeitsfaktor aus, und hat diesen – man denke an das Canceln des PÖBEL & GESOCKS-Gigs 1996 ff. -bis heute nicht abgelegt.
Allerdings war es auch zu sehr bösen Punkhatzen bei TOY DOLLS– und P&TTB-Konzerten gekommen.

Skinheads waren also nicht willkommen, aber immerhin durfte ich mich kurz mit Jimmy Pursey unterhalten, der letztlich auch versuchte, uns hineinzuschleusen, allerdings vergeblich.

Thema des Sommers war aber das definitiv mißratene Skinheadtreffen am 2. Mai 1987 in Oberhausen (wo ich ständig abhing), welches von einem gewissen Stefan Spiller mit meiner herzlichsten Unterstützung anberaumt wurde.

Die Hysterie, die dieses Ereignis begleitete, läßt mich bis heute am Schlauen im Menschen zweifeln und zerstörte meinen Glauben an die reine Vernunft unwiderruflich. Angeheizt durch sensationslüsterne Presseberichte, offensichtlich von nutznießender Seite aus gefälschte (!) Flyer und Aufrufe solcher verschiedenen, aber vielleicht einander gar nicht so wesensfremden, Organisationen wie dem DGB, der ANTIFA und der GRAUEN WÖLFE, versammelten sich an diesem denkwürdigen Tag 2000 Gegendemonstranten, um der Invasion des Bösen in Gestalt von 200 Skinheads entschlossen entgegenzutreten.

Das Ergebnis betitelte selbst die »geliebte« BILD-Zeitung als »Menschenjagd am Hauptbahnhof«, aber die BILD ist ja immer schnell dabei, die von ihr mit verursachten Katastrophen auf das energischste zu verurteilen (s. auch Migrantlnnengesetz/ Asyldebatte zu Anfang der 90er)…

Ich jedenfalls bin seither, ungeachtet aller Nachteile oder auch Sympathien, nie irgendeiner Gewerkschaft beigetreten und bis heute gilt für mich die ganze Geschichte als Lehrstück in Sachen HYSTERIE, VERFOLGUNGSWAHN, HETZJAGD, KESSELTREIBEN und MASSENPSYCHOSE.

S&T 5 vom Juli 1987 featured Acts wie BRITISH STANDARD, CONDEMNED, KRUPPSTAHL, DAILY TERROR, D.S.T, LAUREL AITKEN und gibt ein paar Kommentare zu den üblichen Ausbrüchen von Schwachsinnigkeit auf Parties und Konzerten.

Zum erstenmal findet sich auch der TROJAN Rec.-Kopf.

Es war, glaube ich, diese Ausgabe, bei der die gesamte Auflage, die per Post verschickt wurde (und das waren so gut wie 100%, denn per Hand verkaufte ich das Teil seltenst), zurück in meinem Briefkasten landete, weil sich wohl irgendein Pillemann in einem übergeschnappten, selbstgerechten Anflug von dem, was er/sie wohl unter »Zivilcourage« verstand, weigerte, sie zu transportieren.
Das Porto war natürlich schon abgestempelt, wohlgemerkt! Und das mir, der ich immer noch von Taschengeld lebte (so sparsam wie damals möchte ich mal wieder sein können, hehe!)…
Daß immer wieder Hefte bei der Post verschwanden, versteht sich von selbst.

Spätestens ab der Nr. 6 vom August 1987 wurde die ganze Sache sehr routiniert, d.h. ich spulte das Programm ohne große Überlegung immer wieder ab. Das Zinemachen war inzwischen zu DEM bestimmenden Faktor in meinem Leben geworden, hinter dem alles andere zurückstecken mußte.

Viel Punk: REFUGEES (unverdient verschollen), MAGNIFICENT (beide Bands landeten per Artikel von mir auch im erstaunlicherweise wieder auferstandenen UNGEWOLLT, oder war’s da schon das SCUMFUCK?!?), VORTEX, aber auch ein geklauter CLUB SKA-Bericht, sowie eine weitere, verdiente Abrechnung mit den Gegendemonstan-ten des Oberhausener Treffens.

Sätze wie »Der Faschismus verbirgt sich überall dort, wo das Recht auf Entscheidung, Meinungsäußerung, auf Wahl/Entscheidung niedergewalzt wird, und um so hartnäckiger dort, wo er vorgibt, gerechte Ziele zu verfolgen!« klingen zwar etwas ausgebreitet, würde ich heute aber noch bedenkenlos unterschreiben.

Das Ganze garniert mit einem Artikel aus dem schon damals endlangweiligen Whimpy-Samenbeutelfachblatt »TRUST«

Der SPD-nahe Rheinhauser Copyshop, bei dem ich diese und die vorherige Nummer kopieren ließ, weigerte sich übrigens nach dieser Ausgabe, das Heft weiter anzunehmen, da es angeblich Beschwerden seitens der sozialdemokratischen Klientel gegeben hatte… (Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten! Hehe und tz!)

Die Nummern 5 und 6 waren meiner Meinung nach die Höhepunkte der ganzen Serie.

Aus kalkulierter Provokation heraus auf dem Cover der Nr. 7 ein Keltenkreuz auf Jeansjacke und der Totalabsturz im Inneren: Ein paar Konzertreviews. dazu ein Feature der Faschokapelle VIT AGGRESSION neben Huldigungen an Ska-Festivals (24.10.87 OKIE DOKIE: SKAOS, BLUE BEAT, BRACES und der Beginn einer neuen Ära!), dazu in megaschlechter Qualität (von Willi W. [nun mit Iro] handnachgezeichnet und auf seinem Thyssen-Kopierer gefertigt), kennzeichneten die Misere, in der ich mich befand: Hatte ich bislang Schwachmaten á la LEGION 88 und VIT A. aus dem Gefühl heraus abgefertigt, die ganze Bandbreite skinheadrelevanten Tuns darstellen zu müssen, kam ich nun nicht mehr umhin, mir einzugestehen, daß weniger endbescheuerte Leute, und vor allem die Neo-Neo-Ska-Szene, viel mehr Reiz auf mich ausübten, und es nun Zeit wurde, den anderen Dreck hinter mir zu lassen.

Also veröffentlichte ich nebenher ein rein Ska-/Reggae-orientiertes Heft namens »54-46« (nach dem anbetungswürdigen Song der MAYTALS), ließ dieses Projekt jedoch dann wieder 2 Jahre ruhen.

Dazu kamen persönliche Veränderungen: Ich war seit längerem mit einer Oberhausener Punkette zusammen und immer weniger willens, mir die dummen Kommentare dazu anhören zu müssen.
Ich spielte mit eben dieser Punkette in einer gemeinsamen Band (CREATIVE PARANOIA, aus denen später die SMURFTORKS hervorgingen; ich spielte, meiner Veranlagung seit seligen ’81er BECK S Pl-STOLS-/PIGSTY– und späteren PILSKÖPFE-Zeiten gemäß, Schlagzeug).

Nazis wurden immer mehr zu einer echten Gefahr, denn zu einem faulen Witz.

Ich hatte meinen ersten dreiwöchigen Knastaufenthalt wegen Skinhead-Bollo-Clashes/schweren Landfriedensbruches pp. hinter mir (meine Mutter beantwortete währenddessen ungefragt meine Briefe!) und hatte außerdem eine Lehre als Schriftsetzer (rember Wolle Diehl) begonnen.

Die Skinheadszene war dabei, sich von Grund auf zu wandeln und ich tat es ihr gleich: Ich zog mit meiner Freundin (welche aus lauter Liebe zu mir zum Renee mutierte) in eine gemeinsame Wohnung in Oberhausen, wo damals viel mehr gebacken war als in DU (geschweige denn im ausgebluteten Rheinhausen [remember Krupp-Hütte]) und stellte das S&T ein!

Daß ich meiner selbst weiterhin nicht so ganz klar war, zeigen die Zines, die ich daraufhin unter dem Namen »Parole Spaß« (es gab später auch einen Imposter gleichen Namens) im Dezember ’88 bzw. April ’89 veröffentlichte.
Zwar waren meine Interessen fast ausschließlich nur noch Ska-basiert, dennoch verirrten sich Keltenkreuze (z.B. in Form einer fetten Zeichnung meiner ex-Punk- und nun Renee-Froindin) ins Heft. Uns erschien das damals noch nebensächlich und harmlos.

Ich hatte weiter Schwierigkeiten, meine angezüchtete, abwehrende Haltung gegenüber allen gesellschaftskonformen Attitüden (ja, ich wußte, was das heißt…), aufzugeben bzw. jede Provokation zu unterlassen. Ich wollte mit den rechten Vollidioten nichts mehr zu tun haben, aber stärker noch REIN GAR NICHTS mit DER GESELLSCHAFT, und mich deshalb nicht auf deren beschwichtigende Symbolik und Verhaltensformen einlassen, und bewegte mich hin- und hergerissen in einem Dickicht aus eigentlicher Überzeugung und aggressiver Ablehnung.

Mich bei der Öffentlichkeit einschleimen und lieb Kind spielen, wollte ich jedenfalls auf keinen Fall. Trotzköpchen, tztz…!

Die Bandfeatures wurden immer spärlicher, da ich schon länger das Gefühl hatte, daß das eigentlich niemand lesen möchte und nur der eigenen Eitelkeit dient.

Das PAROLE SPASS stellte einen Übergang dar.

Die Zeiten wurden allerdings sowieso härter und trafen bald die Entscheidungen für mich. Ich wurde gefragt, ob ich nicht auch für Stefan Spillers V.D.G. (VOLL DIE GUTEN) Schlagzeug spielen wolle, sagte – in ZWEI Bands zu spielen erschien mir natürlich ganz besonders cool – dazu ja, überhörte geflissentlich Texte der Marke »Heil, Sieg Heil, dem Neuen Tag!« und machte mit Steffen Hammer/NOIE WERTE gar einen (jenen) berühmt-berüchtigten Gig in Mindelheim klar, bei dem wir, fernab aller Bewertungskriterien grottenschlecht, vor Spezialisten wie KAHLKOPF (immerhin die erste Skinheadband in D, die AGNOSTIC FRONT-Shirts trug) spielten.

Die abgrundtiefe Blödheit des anwesenden Publikums (800 Boneheads), sowie die erbarmungswürdige Feigheit und Heuchelei backstage (nachdem ein – später durch seine Connections zum Möllner Brandanschlag bekannt gewordener – Herr aus Mölln den VORTEX-Sänger als vermeintlichen »Verräter« von der Bühne holte, hatte man bei VDG plötzlich Bedenken, den harmlosen Ska-Schlager »Jeden Tag« zu spielen) ließen mich froh sein, diesen Ort des Jammers verlassen zu können…

Es hätte auch gar nicht der Attacken kurze Zeit später bei einem SECTION 5-/CLOSE SHAVE-Konzertes in Belgien bedurft, um mich dieser Szene endgültig und mit Schaudern abzuwenden.

Das Thema VDG erledigte sich von selbst – nachdem es von nationalistischer Seite Beschwerden gab, was für ein zweifelhafter Gesell doch dort Schlagzeug spiele, wurde ich stickum und ohne Nachricht ersetzt. Man sorgte sich halt um seine Reputation… Besser war auch.

Bezeichnend ist wohl der Bericht über das KAHLKOPF– und VORTEX-Konzert am 4. März 1989 in Rolfzen, das nur so strotzte vor überbordender, richtungsloser Gewalt und das passende Schlußlicht darstellte für PAROLE SPASS # 2, die letzte Ausgabe.

Das Cover des PS 2 zeigte mich und meine damalige Freundin, wurde im PRESSURE DROP 4 recycled und landete – stolzgeschwellte Brust! – schließlich ganzseitig in George Marshall’s Kult-Buch »Spirit Of ’69«.

Heutzutage, wo es für 20 Cents Ska-Bands an jeder Ecke zu kaufen gibt, ist es möglicherweise schwer nachvollziehbar, was das ganze, neu boomende Ska-Ding für mich bedeutete.
Für mich (und unzählige andere) war Ska DER Weg, um aus der Rock-O-Rama-/White Power-Misere zu entkommen. Mitte der achtziger Jahre waren tatsächlich 80% der Skinheadszene bevölkert von Deppen jeder Art und Ska/Reggae war für uns DAS DING, diesen Leuten entgegenzutreten, und trotzdem reinen Gewissens Skinhead zu bleiben.

Waren anfangs auch noch politisch Ferngesteuerte am Start, und gab es noch allerhand Überschneidungen, separierte sich die Neo-Neo-Ska-Szene zunehmends von allem, was durch »die Harries« (später: Boneheads) vertreten wurde.

Einen Anzug anzuziehen, statt einer grünen Bomberjacke, sich einen Scheitel einzurasieren und die Hosenbeine wieder unten zu lassen, wurde dadurch tatsächlich zu einem politischen Statement. Alles war plötzlich voller geheimer Signale: Die Breite Deiner Hosenträger entschied nun, ob Du o.k. warst, oder nicht, und glücklich schätzte sich, wessen Bartwuchs jene original scheiße ’72er Koteletten zuließ.

Lauter altbekanntes Zeug eigentlich, das aber irgendwie vergessen worden war.

Man traf sich nun mit Mods und Rude Boys, statt mit Hitlerfrisuren und Hooligans und versuchte alles, um sich vom Durchschnitts-Glatzelmännchen abzugrenzen, was schnell zu den ersten Reibereien führte.

Die Fronten verhärteten sich zunehmends, und nachdem SHARP via Roddy Moreno ein Begriff wurde, gab es Kämpfe allerortens.

Die Wichtigkeit von SHARP gegen Ende der ’80er kann gar nicht überschätzt werden, auch wenn das heute niemand mehr hören mag.

Trotz allen vorgeschobenen Snobismus hörten wir auch immer die gerade richtigen, neuen und alten Punk-Bands (LINK Rec. forcierten schon seit Jahren ein Oi!-Revival, das sich aber schnell als Totgeburt erwies).
Man zog sich einfach komplett aus dem Bereich der ROR-Klientel zurück und machte seine eigene Szene auf. Es war wild, es war spannend und voller neugewonnenen Stolzes …

Eigentlich hatte ich fast alles zum Leben nötige, aber der Tag dummerweise weiterhin nur 24 Stunden. Hektische Zeiten waren angebrochen: Ein Ska-Konzert jagte das andere, gefolgt von Soul- und Reggae-Allnitern, dazwischen Scooter-Runs und Punk-Gigs, und immerhin neigte sich meine Lehre dem Ende zu, so daß auch noch Prüfungshasselgedöns angesagt war.

Dazu paßte so gar nicht, daß plötzlich auch in der Woche immer neue Clubs aufmachten, in denen Ska und Reggae gespielt wurde (sogar das in Ruhrgebiets-Punk-Zirkeln Kultruf genießende ARATTA in Rheinberg allerseligst reihte sich ein) und in meiner Beziehung zunehmend Streß ausbrach.

Ich konnte es aber nicht lassen und veröffentlichte nebenher ein kleines A5er-Zine, als Fortsetzung des »54-46« von 1987.

Die Nr.1 umfaßte »fette« 24 Seiten und war eigentlich ein dreister Rip-Off des britischen Fanzines »Backs Against The Wall«. Das BATW wurde mir von dem, meines ewigen Dankes sicheren, »geistigen Mentors« (hehe) Sven Wischmann aus Hamburg zugeschanzt und hatte mich schlichtweg aus den Stiefeln gehauen. Die klare antifaschistische Linie, gepaart mit unnachahmlichen Charme und einer absoluten Geschmackssicherheit in allen Skinhead- und Stilfragen, prägte meine Ansichten von korrekter Attitüde aufs Äußerste.

Bald alle der spärlichen Artikel im 54-46 # 1 waren geklaut gewesen oder schon zuvor in anderen Zines veröffentlicht worden.
Mir war das egal.
Es kam mir gar nicht auf Originalität an, sondern ich wollte lediglich zum einen meinen Standpunkt klarmachen und zum anderen meinen kleinen Anteil beisteuern, zu den grundlegenden Veränderungen in der Szene.

Auch hier gab es eine englische Übersetzung, welche die native Speakers natürlich eher zu Lachsalven hinriß…

Die Nr. 2 vom Juli 1989 hatte gleich einen MAYTALS-Doppelnamen: 54-46 PRESSURE DROP. Langsam kam ich in die Gänge und fing an, Verbindungen zu knüpfen. Allerdings war mir der Kontakt zu anderen Ska-Fanzines und Artverwandten zu keinem Zeitpunkt sonderlich wichtig.

Ich wollte hier und jetzt in meiner Umgebung etwas bewirken und dazu brauchte ich weder das, sich oft genug in zweifelhafter Weise dem Zeitgeist anbiedernde, SKINTONIC, noch das EAST CAIRO NEWS, dessen Nettigkeit mir nicht sonderlich gefiel.
Trotzdem verband mich mit diesen Leuten aber das Gefühl, etwas ändern zu müssen und dazu meinen Beitrag leisten zu müssen.

In der Nr. 2 findet sich ein langes Interview mit den BUSTERS, deren studentisches Gehabe und überzogene Reaktionen auf Keltenkreuz-Deppen während eines Konzertes mit den DELTONES in Wuppertal mir gegen den Strich ging.
Der damalige Sänger Thomas Scholz, den ich als stets äußerst freundliche und kompetente Person kennengelernt habe, schrieb mir anläßlich meines späteren Einstieges bei den BECK’S PISTOLS einen Brief, in dem er seine Hoffnung zum Ausdruck brachte, daß ich möglicherweise nun die damalige Reaktion der Busters verstehen könne.
Das traf zumindest später zu, heute würde ich wohl nicht anders reagieren.

Ansonsten war ich auf allerhand Events (remember das legendäre POP’S in Rickelrath) und schilderte die teils bizarren Umstände, die dort vorherrschten.

Die 3. Ausgabe erschien Januar 1990 in einem höchst eigenartigen, verwirrenden, aufregenden Klima.

Nicht nur, daß plötzlich »die Mauer« gefallen war, nein, auch war der Ska-Boom und das dazugehörige Publikum plötzlich Thema in Zeitschriften/Zeitungen, von denen man es zuvor als letztes erwartet hätte.
Programmzeitschriften wie MARABO, DJ-/Disco-Blätter wie die NETWORK PRESS und B.A.D. (Vorläufer des 1994 schmählich eingegangenen CUT), AKKU (die Freitagsbeilage der WAZ), die britische snobby »Stil-Bibel« I-D, gar die »elitäre«, damals noch schwer brachialgitarrenlastige, SPEX brachten seitenlange Berichte über diese seltsame Szene und damit auch über die extra seltsamen »neuen« Skinheads, die so gar nicht den gängigen Dummbeutel-Klischees entsprechen wollten.

Von heute auf morgen war man im Mittelpunkt öffentlichen Interesses und at the peak of fashionable Entwicklungen, statt als ewig gestrige Doofen-Punk-Leichenfledderer dazustehen.

Das gefiel nicht allen Betroffenen, aber alle genossen heimlich das Gefühl, von »Ska-Touristen« auf Konzerten neugierig bis ängstlich begutachtet zu werden, das alles wohl net so recht fassen konnten…

Diese Umstände dienten auch so manchem als Sprungbrett zu bemerkenswerten bis absonderlichen Karrieren.

Erwähnenswert aus meiner Erfahrung ist beispielsweise die Geschichte um den, damals ein Rudie-Zine namens »Up Against It« herausbringenden, Oliver von Felbert aus Essen. Als ich dort anrief, um ihn zur Mitarbeit am Pressure Drop zu bewegen, mußte ich erfahren, daß er mittlerweile für die Kölner SPEX schreibe! Das tut er noch heute und ist als Drum & Bass-Spezialist auch immer wieder bei VIVA TV zu sehen. Tz! Sachen gab’s…

Das 54-46 PD # 3 gab weiterhin nicht viel her und wurde noch im Hotel kurz vor Beginn des alle Rekorde brechenden 1. bundesweiten Xmas-Ska-Festivals in Übach-Pallenberg (wurde später nach Potsdam verlegt) zusammengeheftet, verkaufte sich aber supi, weil alle Weit nach Heften lechzte, die jenes eigenartige Lebensgefühl zum Ausdruck brachten.

Das Hotel befand sich direkt über dem Konzertsaal und den wahnwitzigen Anblick der aufgeregten, bestgestylten und sich seiner selbst absolut sicheren Crowd werde ich nie vergessen!

Erwähnung verdient vielleicht noch der amüsante Umstand, daß das PD in der mittlerweile weitverzweigten Ska-Gemeinde tatsächlich das einzige Heft war, das auch Features über Acid Ska-/Ska-House-Acts brachte.
Acid/House, und als Subgenre Skacid, das auch von Buster Bloodvessel/BAD MANNERS mittels des von ihm übernommenen Traditionslabels »Blue Beat« kräftig gepusht wurde, waren als alles verändernde, frische Brise über die Pop-Welt gekommen und ich hatte weder Angst vor der geraden Bass-Drum, noch vor aktuellen Entwicklungen, auch wenn Ausfälle wie der »Big 6«-Remix von JUDGE DREAD tatsächlich sehr nahe an den Tatbestand der musikalischen Vergewaltigung heranreichten.

Ich jedoch hatte meinen fetten Spaß daran.

House sollte jedoch erst Jahre später einen zentralen Platz in meinem Leben einnehmen.

Die Nr. 4 des PD vom Juli 1990 sollte jedoch alles bis dahin Dagewesene in den Schatten stellen. Und das kam so…

Nach erfolgreichem Ende meiner Lehre arbeitete ich seit Mitte 1989 als Schriftsetzer in einer Krefelder Druckerei. Es lag also nahe, zukünftig das PD nicht mehr nur zu kopieren, sondern anständig zu setzen und drucken zu lassen.
Ich scheute jedoch den Aufwand, bis sich die »rote Socke« Rainer Funk (schreibt noch heute fürs SCUMFUCK TRADITION) bei mir meldete, und anfragte, ob ich nicht Lust hätte, das nächste PD als Split mit Betty Lübbers (checkt ihren record shop in Mönchengladbach!) »Big 3« aus Berlin herauszubringen, da dieser die Zeit fehle, Rainer aber einen fetten Artikel über die 1981er Southall-Riots (hier war es es anläßlich eines Oi!-Konzertes zu rassisch motivierten Straßenschlachten gekommen, die das Image des »New Punk« unwiderruflich beschädigten) geschrieben hätte, der zu schade für die Tonne sei.

Ich sagte zu.

Die kommenden Wochen verbrachte ich ausschließlich in der Druckerei, so daß ich bald schon dort ein Bettchen aufstellte, um nicht immer zurück nach Oberhausen fahren zu müssen. Ich wollte ein A4er PD machen, das durchgehend professionell gesetzt sein sollte und ackerte mich an meiner vorsintflutigen Lino-Satzmaschine ab (DTP war damals noch nicht angesagt und WYSIWYG erst recht nicht).
Zusätzlich war ich samstags und sonntags, sowie vor und nach der offiziellen Arbeitszeit, damit beschäftigt, mich durch Berge uralter englischer »Sounds«-Ausgaben zu arbeiten, um alle von Rainer verwendeten Bilder mit der Reprokamera abzufotografieren (Scanner war nicht), nicht zu vergessen meine eigenen Photos, und diese dann mit den Filmen der Satzfahnen zu montieren und schließlich die Druckplatten zu belichten.
Beinahe hätte ich das alles auch noch selber gedruckt

Schließlich trug ich höchstselbst den Stapel von 1000×16 DIN A 3-Einzelteilen zusammen, heftete alles anständig, beschnitt es fein säuberlich und stand dann nach 4 harten Monaten vor einem riesigen Stapel original D.I.Y-Hefte deren Qualität – ich darf ja mal so bescheiden sein – die Fanzine-Szene zuvor nicht gesehen hatte (ganz zu schweigen von den Schulden durch verbrauchte Arbeitsmittel, die ich bei meinem Chef durch Überstunden abarbeiten durfte).

Als ZOOT-George Marshall dann noch 500 Exemplare der Überaus einzigartigen „Skinhead Times“ zur Verfügung stellte (der Oberhausener Zoll machte zuerst Faxen, ließ sich dann aber zur gebührenfreien Herausgabe becircen), war klar, daß ich hier etwas hübsch Großes geschaffen hatte.

Inhalt: MAYTALS-Oberhuldigung, EL BOSSO & PING PONGS (mein erstes »Live-Interview«), Reggae – The Labels, massig Kleinscheiß. Das Big 3 glänzte durch den Southall-Ausschlachtomat-Artikel.

Der durchschlagende Erfolg gab mir/uns recht. Sogar die SPEX empfahl das Teil aus »auscheckenswert und kompetentest«. Plötzlich bekam ich Angebote aus aller Welt und mehr Firmen fragten nach Anzeigen nach, als ich hätte unterbringen können.

Man sollte aber nicht vergessen, daß es auch Stimmen gab, die, von mir durchaus nachvollziehbar, den Verlust von »street-credibility« beklagten, wenn auch nicht alle so dämlich dahertönten wie jener Herr mit eigenem Fanzine, der mir schrieb: »Das ist kein Fanzine mehr, sondern ein Musikerheft. … Du hast erreicht, was Du nie wolltest, nämlich ein Ober-schüler-Ska-Heft… Diese smarten Skins gehen mir mittlerweile voll auf den Sack. Und die sind natürlich von Deinem Magazin begeistert. Ich steh‘ mehr auf Bierflaschen zerschmeißen und Rumgröhlen! Aber dafür sind sich die ,,’69er“-Skins zu fein!«

Offensichtlich war man mittlerweile Welten voneinander entfernt.

Danach konnte es eigentlich nicht mehr viel besser werden und ich ruhte mich erschöpft ein wenig auf meinen Lorbeeren aus. Hätte ich so weiter gemacht, wer weiß, was daraus geworden wäre.

Ich allerdings brachte im März 1991 nur noch die Nr. 5 des 54-46 PD heraus, erneut im Großformat und mit grünem Kartonumschlag. Wieder war hier – räusper, räusper – das Erscheinungsbild vom Schicksten und ich bin bis heute der Meinung, daß beispielsweise der STAX Rec.-Artikel sich layoutmäßig nicht vor aktuellen Styles verstecken muß. Die Nummer gibt’s übrigens noch immer/wieder beim Scumfuck zu kaufen.

Dazu pushte ich meine eigene Band THE SMURFTORKS, deren damaliger Bassist Andy heute mit mir bei PÖBEL & GESOCKS spielt, und die nach internen Querelen und meinem Ausscheiden unverdient eingingen, brachte besagten STAX-/MOTOWN-Artikel, sowie, neben allerhand Kleinkram, die SHAMROCKS, die MACC LADS und die LODGERS.

Letztere sollen hier als Beispiel für eine Entwicklung in der Ska-Szene dienen, die mir so gar nicht gefiel: Harmlosigkeit und Nettigkeit nahmen zusehends überhand und jene berüchtigten »Oberschüler«, die auch für meinen Geschmack alle viel zu brav waren, liefen einem immer häufiger über den Weg.

Mein SHARP-Aufnäher war mittlerweile wie der von der Jacke entfernt, was allerdings nie an sogenannten »Smash Sharp Aktionsgruppen« lag, die durch ihre armen Einlässe zu belustigen wußten, und auch nicht an derberen Geschichten, wie etwa Einbrüchen in meine Wohnung, sondern an der Belanglosigkeit, die sich überall bemerkbar machte.

Ich brach nicht mit der Szene, aber ich hatte das Gefühl, meinen Part geleistet zu haben. Die ganze Angelegenheit hatte sich grundlegend zum Besseren verwandelt und schon neu konstituiert. Ich war stolz darauf, meinen Beitrag dazu geleistet zu haben, sah aber nicht die Notwendig- oder auch Möglichkeit, hier noch Entscheidendes zu bewirken.

Dazu passte, .daß sich Papi Staat bei mir meldete, und ich mit 23 nun unwiderruflich zum Bund »mußte«. Hippiescheiße wie Verweigerung kam für mich nicht in Frage (ganz im Gegensatz zu so manchem »aufrechten Deutschen« oder Bekenntniskelten, übrigens).

Rumgeschmottokt, so dachte ich mir, hatte ich nun schon seit 10 Jahren, da wären ’n bizzcken »Zucht und Ordnung« (hehe) doch mal eine ganz neue Erfahrung.

Ich hatte wohl noch vage Pläne, eine Art Newsletter aufzubauen, verlor dieses Ziel jedoch im Zuge der folgenden Gehirnwäsche komplett aus den Augen.

Meine ewig latente, militaristische Ader brach durch und ich ging dermaßen in meiner neuen Rolle als Uniformträger auf, daß ich mich direkt zweimal nachverpflichtete.

Als Ausgleich besuchte ich gitarrenlastige Drogenschuppen und Hardcoreshows, erkor LSD und Speed zu meinen ewigen Lieblingsdrogen und hatte ganz bestimmt keine Lust mehr, auch noch in meiner Freizeit meine Stiefel putzen zu müssen.

Seltsame Schizophrenie ahoi und Skinheadism ade.

Schönerweise fragten die unausrottbaren BECK’S PISTOLS (damals noch mehr Punk als Oi!) nach, ob ich nicht dort Schlagzeug spielen wolle, woraufhin ich natürlich freudigst einwilligte.
Nach meiner Entlassung 1993 schließlich fühlte ich mich so ganz ohne Bundeswehr ziemlich alleingelassen und hätte auch gar nicht mehr mitgekriegt, was sich ska-und skinheadmäßig getan hatte.

Angeturnt durch die »Steve Mason Experience« auf BFBS und »Open Up« von LEFT-FIELD/LYDON (Mr. Rotten gab mal wieder meinem Leben eine Wendung), begann ich mich für elektronische Musik, sprich: Techno, zu interessieren. Irgendwann hatte ich dann eher nebenher »meinen ersten Rave« absolviert…

Am nächsten Tag hatte ich zwar kein Geld, Schlüssel, Scheckkarten und vernunftbezogene Gedanken mehr am Start, und mußte mich nachmittags von meinem Darling abholen lassen, dafür konnte ich jedoch mit große Augen und aufgeregter Fertichkeit dienen. Super dorsch und überglücklich stammelte da Coli: »Die sind ja alle verrückt! Die tanzen bestimmt immer noch!!!« und hatte sich bereitwillig alle Schalter umlegen lassent! Tz!

Also verkaufte ich frohen Mutes alle meine »original-im-Laden-gekauften« und angesammelten Platten und wollte NIE, NIE MEHR! eine Gitarre hören, es sei denn von meiner eigenen Band (deren Studiotermine in Folge gelegentlich unangenehm mit meinen Partydates kollidierten).

Für mich war Techno/Rave übrigens (nicht nur, aber auch) nur eine logische Fortführung des Allniter-Gedankens, sondern ganz klar in true punk-spirits (minimales Equipment, maximaler Effekt und scheiß auf Harmonielehre), so daß ich die unverständigen Reaktionen meiner Umwelt schwer nachvollziehen konnte; diese waren mir aber auch herzlich egal. Die »coole« Poserei in den Rock-Schuppen konnte/wollte ich mir jedenfalls nicht mehr geben und sollte nicht eigentlich schon Punk eh‘ das Ende des Rock n’ Roll sein?!?

Es folgten Jahre durchgeknallten, exzessiven Spaßes, ausgehen fünfmal die Woche, »Peace/Love/Unity«, gründliches Umkrempeln aller Vorzeichen und unglaubliche Geschichten, die angeblich nichts für euch sind. Irgendwann kam natürlich, nach diversen Abstürzen, der große Kater. Die Zeit und die bekannten (?), eher unangenehmen, Veränderungen im Tekker-Lager blieben auch nicht stehen…

Ich begann, mich vorsichtig auch wieder beim Punk umzutun und war überrascht, was sich in Sachen Oi!/Punk mittlerweile getan hatte. Schließlich hatte ich die Entwicklungen letzten Jahre einfach ignoriert…

Vieles, was heute passiert, hat für mich zwar sehr einen 80er Jahre-Charakter, zum Beispiel Diskussionen, die nun wieder um Punks und Skins united blabla geführt werden (das ZAP redet hier ja treffend von der »Zeitschleife«), ich bin aber frohen Mutes, daß die alten Fehler nicht wiederholt werden.
Faschos und Automaten dürfen also endlich mal kacken gehn!

Ansonsten bin ich weiterhin sehr angetan von der Selbstverständlichkeit, mit der man miteinander auskommt. Besser is dat auf jeden Fall!

Musikalisch höre ich heute einen, äh, gesunden Mix aus Punk, Elektronik und Reggae und spiele weiterhin bei PÖBEL & GESOCKS. Die letzten 3 von mir gekauften Platten waren, ähem, das neue DIE STERNE-Album, PHOTEK – »Modus Operandi« und »KING TUBBY MEETS ROOTS RADICS – DANGEROUS DUB«. Erstaunlicherweise tue ich mir heute besonders gerne möglichst simplen D-Punk.

Ich bin gezz 29, deutlicher weniger verspannt als früher, mal wieder auf Jobsuche und schreibe nebenher Reviews und eine »Kolumne« für das Scumfuck, hatte bisher aber selten das Bedürfnis, wieder ein eigenes Zine zu machen. Sollte jemand Zeug für sein/ihr Heft wollen, kann er/sie sich gern bei mir melden.

Sollte jemand Wert auf meine unwesentlichen, abschließenden Gedanken zum Zinemachen legen, wären diese (räusper, ernstemienetu):

1) Eigene Meinung schad‘ definitely nix!

2) Einfach anfangen ist immer noch der beste Weg, etwas zu beginnen. Gerade heutzutage, wo »der Markt« weithin von einigen wenigen, oft genug großspurigen, gar großkotzigen bis enddämlichen (…), A4ern dominiert wird, braucht es weiterhin jedes Eigenversuchs, sei es auch nur in einer 50er Auflage!

Ich hoffe, ihr fandet meine Gedanken interessant, zumindest gelegentlich. Gezz müsset abba au reichen, hehe…! Tz!

Oier (hehe) Collaps, im September ’97

txt, lehaut, tippfehla & schusterkinners: Collaps -,-]

4 Kommentare

  • Collaps

    Hallo Altleser! Spätestens seit dem ruhmlosen Verschwinden der alten M+-Heimatseite nicht mehr. Nur Working Class und Zeugs. — Grüsse, Collaps.

  • Collaps

    Respekt, lieber T aus D für das Abtippen dieses erst 22 Jahre alten Textes. Hättest wat gesagt, ich hätte ihn auch auf 3,5″-Disc für MAC LC II gehabt, dann hätten wir die panne Chattersprache entfernt. ^ Aber so war das eben damals.

    Was kurz danach folgte: Reichlich mehr S&D&R’n’R, eine echt fiese langwierige Amphetaminpsychose, Beziehungs- und andere Dramen, Was-man-heute-Burn-Out-nennen-würde, Flucht, Einostlerung, Rückkehr, mehr manchmal schaurig, manchmal schöne Geschichten.

    Ich sollte ein Buch drüber schreiben, wurde mir gesagt. Mach‘ ich aber nicht. Toodledip!

    • Torsten

      Nein, Collaps, kein Respekt: das Abtippen hat eine moderne online-OCR-Software übernommen. Naja, zumindest teilweise. Ich hätte jetzt spontan auch keinen MAC zur Hand gehabt… 🙂

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