POISON IDEA - Legacy of dysfunction LP Review
Format(e): 
CD, LP
Genre: 
Hardcore, HC-Punk

POISON IDEA

Legacy of dysfunction LP
9

Das Testament nach dem Testament. „Latest Will And Testament“, 2006 auf FAREWELL (!) Records erschienen, läutete vermeintlich den Abschied ein, der Pig Champion ging physisch und endgültig von Bord (seinen „Last Stand“ hatte er bereits 1993 bei der letzten Show bzw. 1996 auf dem gleichnamigen Tonträger). Rest in Booze and Vinyl, Tom. Schlagzeuger Steve,Thee Slayer Hippie, übt sich schwer auf Droge als Apothekenräuber. Nicht wirklich erfolgreich, die Justiz nimmt ihn aus dem Rennen.

P.I.-Frontmann Jerry A. bleibt dennoch am Ball, der letzte Wille wird außer Kraft gesetzt. Weiter mit neuer Crew und neuem Plan: „Confuse and conquer“. 2015 erschienen. 2016 setzt das Live-Monster „Company Party“ einen weiteren (aber nicht endgültigen) Schlußpunkt unter die Longplay-Diskographie, ein erneutes Testament. Eigene Classics mit den richtigen Covern kombiniert: „I Don't Care About You“ (FEAR), aus „We will rock you“ wird der „Zanzibar Stomp“.

2017: Die Band hat sich (mal wieder) aufgelöst. Schluß, Aus, Sense? Nicht mit Jerry…Zäher Hund. Der Knochen bleibt nicht lange auf der Strasse liegen. Nach dem Finale wird der Vorhang im Dezember 2017 nochmals in Brand gesteckt: „Legacy Of Dysfunction“ bringt das Bild zum Ton, die Bandhistory mit Live-Footage, seltenen Photos, Interviews (von Fat Mike, Keith Morris bis MDC-Dave etc.); ein zweiter Walroß-Superbowl ist ready to rumble. Wir erinnern uns: Als die erste P.I.-Doku, „Mating Walruses“, 1993 auf VHS erschien, hinterließ sie Frohsinn und Entsetzen. Staunende Bedenkenträger und überglückliche Punk Rocker. The real Jack-Ass, Dude. Kein MTV, kein doppelter Boden. Nur ganz viel hochprozentiges Blumenwasser. Und satt Feuer und Blut.

Parallel zum Film erschien „Legacy Of Dysfunction“ auf Vinyl und CD. Kein lausiger, unnützer Cash-In Soundtrack; different Tracklisting, komplette Songs aus der Bestenliste, teilweise unveröffentlicht, P.I. Hard hitter wie „Taken by surprise“, „Hangover heartattack“ oder „Typical“ treten ganz heavy Arsch. Soundmäßig im „raw and rabid“-Modus, abräumend und furztrocken. Nicht Lo-Fi oder schrottig, eher die Chung King Version der alten Klassiker. Und kein "Fan-only" Unnütz-Produkt, hier können auch Einsteiger staunend die Augen aufreißen und ob der berstenden Energie ehrfüchtig erschauern. Was für eine Naturgewalt! Die brachiale Wucht der Gitarrenriffs senkt sich wie ein Tyson-Punch in die Gedärme, die röhrenden Grizzly-Vocals zerstören den Rest.

POISON IDEA: Das Gefühl, wenn man verträumt um eine Ecke biegt und unverhofft von einer gußeisernen Bratpfanne am Kiefer erwischt wird.
17 x Abrissbirne meets Hauswand, jeweils von einzeiligen O-Ton Intros der einstigen P.I.-Belegschaft kurzweilig eröffnet.

Scary Hardcore at it’s best, keine Band war je wieder so furchteinflößend. Das letzte Testament ist hoffentlich noch nicht geschrieben.

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