Katzenköter - Hackfleisch LP Review
Format(e): 
LP
Genre: 
Punkrock
Deutsch- & Skapunk
Internet: 

Katzenköter

Hackfleisch LP
7

Erstaunliches aus dem Ruhrgebiet: Die Band mit dem sagen wir mal aussergewöhnlichen Namen gibt’s schon seit Dekaden, die Anfänge rühren aus der Zeit, als Gitarrist "Dash Alltemperatur" nach Auflösung der legendären Fröndenberger Punkrock-Kombo SVW mit anderen Gleichgesinnten in Dortmund "Sex Now" formierte. Das war etwa um 1990, am Gesang damals Anne, einst Bassistin bei den Idiots und in diesem Frühjahr leider von uns gegangen. Ruhe in Frieden!

Das Besetzungskarussel drehte sich anschließend ziemlich munter, so etwa mußte Bassist Oli (auch ex-SVW) seinen Dienst quittieren, als er sich beim Holzsägen den Daumen absäbelte! Heute vervollständigen der ehemalige Rim Shout/Phantoms of Future – Gitarrist Dörfel und Armin am Gesang das Line-Up, der wiederum einst bei den "Lost Bottles" sein Unwesen trieb.

Die Musik auf „Hackfleisch“ ist bewußt simpel und unperfekt gehalten, das Rudimentäre ist Programm. Im Ergebnis heißt das mittelschneller Punkrock ohne Firlefanz und erinnert in Art und Attitüde an Altvordere wie Artless oder auch Hemmungslose Erotik aus Hagen (ganz große Band übrigens!). Inhaltlich geht’s um uns alle angehende lebensnahe Themen wie die Tücken des ÖPNV („U-Bahn fahrn“), soziale Aufstiege („Combo aus der Hochhaussiedlung“) oder die allgegenwärtige akustische Umweltverschmutzung mit schlechter Musik aus den Kopfhörern nachwachsender Generationen („Scheppergirls“). Manches ist eher Nonsens („An die Wand“) oder grenzt an Dadaismus („Pils“). Letzteres übrigens keine Hommage an den Gerstensaft oder gar ein stumpfer Sauf-Song, was wohl eher der allgemeinen Erwartenshaltung entsprechen würde. Der alte SVW-Klassiker „Der Mond ist aufgegangen“ kommt auch noch mal zu Ehren und das offen gesagt eher unbedeutende Städtchen Gütersloh bekommt (s)eine Würdigung (unverdient, ausser der „Alten Weberei“, in der von Zeit zu Zeit gute Gigs stattfinden, hat die ostwestfälische Ansiedlung nicht viel Aufregendes zu bieten).

Ausserdem möchte die Gruppe noch auf die zwischenmenschlichen Dissonanzen hinweisen, die unweigerlich im turnusmässigen Urlaub aufkommen. Ein ernstes Problem, das hier mit der nötigen tiefenpsychologischen Kompetenz und Ernsthaftigkeit aufgearbeitet wird. Deshalb auch der sanftmütige und ausgleichende Titel „Hass“!

Alles schön absurd, nie vulgär, mehr so im Geiste von Karl Valentin oder auch Karl Dall. Die deutschen Splodgenessabounds … .

Als Kinder des ehemaligen Kohlenpotts sind die Jungs (und die Dame am Bass) zwar durchweg am Lederkick interessiert, den Song „Reviersport“ hat man aber bereits vor geraumer Zeit aus dem Repertoire geworfen - um Kontroversen zu vermeiden! Remember Cockney Rejects ... .

Dass man von Katzenköter gemeinhin noch nie wirklich gehört hat, könnte daran liegen, dass die Band aus Faulheitsgründen ungern mehr als 2-3 Auftritte pro Jahr absolviert – und wenn, dann nur in Bochum oder Dortmund.

Die Platte sollte übrigens eigentlich wegen „Hackfleischverhetzung“ verboten werden, die Hintergründe erfährt man unter http://obstkurve.de/katzenkoeter-sorgt-mit-hackfleisch-fuer-schlagzeilen/ auf der herrlich verschrobenen Homepage des Gitarristen, der ebendort neben mancherlei schrägen Meldungen noch diverse andere irrwitzige Anekdoten aus dem Leben der Truppe preisgibt.

Katzenköter liefern hier ein Punkrock-Potpourri sowohl mit Witz als auch Hintersinn und bringen das Genre zurück zum Ursprung: Einfach, direkt, in den Allerwertesten!

„Hackfleisch“ (das Cover entstand mit original-Hack aus dem Kühlschrank des Drummers) gibt’s nur als LP, etwa 100 Exemplare haben zudem als Bonus einen chicken pißgelben Bierdeckel im Portfolio. Erhältlich bei Idiots-Records und in anderen gut sortierten Plattenläden des Reviers.

Darauf ein gepflegtes Fiege-Pils (für Nicht-Westfalen: Großartiges Bier einer Bochumer Privatbrauerei).

Kommentare (3)Kommentar schreiben

 

So geschmacklos finde ich Hackfleisch jetzt gar nicht. Also das Hack... itself... und die Platte natürlich auch nicht... Von Spaß kann auch keine Rede sein. Oder gar Provokation. Würde mir bei den Protagonisten überhaupt nicht in den Sinn kommen... Sir Paulchens Artikel jedenfall, hat Geschmack auf mehr gemacht!

 

So geschmacklos finde ich Hackfleisch jetzt gar nicht. Also das Hack... itself... und die Platte natürlich auch nicht... Von Spaß kann auch keine Rede sein. Oder gar Provokation. Würde mir bei den Protagonisten überhaupt nicht in den Sinn kommen... Sir Paulchens Artikel jedenfall, hat Geschmack auf mehr gemacht!

 

in den heutigen
Zeiten, eine Platte Hackfleisch zu nennen zeugt nicht grade von Stiel. da hört auch der Spaß, ( oder Prowokation?), auf und Geschmacklosigkeit fängt an

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