Gonna Get Yours - A thousand faces LP Review
Format(e): 
LP
Genre: 
Oi!, Streetpunk

Gonna Get Yours

A thousand faces LP
8

Très bien! 11 Jahre nach dem selbstbetitelten CD-R Debüt zaubert die Pariser Combo ein erstes Komplett-Album aus dem geschnürten Stiefel, die Absolventen der UVPR School of Oi! (2009 erschien ihr „The Hidden Side Of Happiness“ 7“ Vinyl auf dem Elite-Label aus Nantes) sind alive and kickin’. In bestem Sinne. Im Kreise ihrer Mitschüler (von HARDXTIMES über LION’S LAW und DALTONZ hin zu HEADLINERS, MARABOOTS etc.) brauchen GGY sich nicht zu verstecken, eine Langzeitstudie im „Kinder von Golzow“-Style würde sie nicht am Katzentisch platzieren. Alles richtig gemacht, vom rustikal-charmantem 2009er „Echoes of Bauer“ zu „A thousand faces“ in 2018.

„A thousand faces“ in Zahlen: 11 Songs in 38 Minuten gepackt.

Das große musikalische Überraschungsmoment („Erstaunliche Weiterentwicklung“, „ein großer Schritt nach vorn!“ etc.) bleibt aus, das hat die „No Picture - No Glory“ 12“ bereits 2014 flott-fröhlich eingestrichen. Wer deren vier Songs kennt, weiß, das GGY seither unter dem Prädikat „Magnifique“ segelt.

Nach der Anamnese die Diagnose aka „Kurz-und Griffig“-Analyse“, wie bei Dr. Mabuse gelernt:

Ein französisches Raufbold-Update der King Size Formel early PERKELE meets SKINFLICKS, smart und hart teilen sich friedlich das Bett. Schublade auf, Schublade zu. Englischer Text, französische Seele.

Zielgruppe: Karierte Smartheads, Punk Rock-Lover und Haudegen mit interessantem Zahnstand können auf diesem Album ihr Glück finden. Vielseitigkeit wird weiterhin mit großem „F“ geschrieben, ohne dabei den großen Plan aus dem Auge zu verlieren oder auf fremdem Terrain zu wildern. „A thousand faces“, tausendgesichtig, trifft es präzise, sowohl musikalisch als auch textlich: Gedankensplitter persönlicher, nachdenklicher Natur treffen auf sozialkritische Statements, die Nase hart am Wind der Realität. Frustration, Gewalt, Wut. 100% Pathos-Schmalz-frei. Der Kult wird gelebt, nicht besungen.

Die Songs (in Auswahl):

„Sweet revenge“: Läuft mit getragener PERKELE-Note auf, punktet durch „Breite Brust“-Hymnen-Qualität.

„A changing state“: Kilometerlange „Ooohhhooohhhooohhhh“-Chants ziehen verwegen und nahezu endlos ins Land, unterlegt mit einem smartem UPSTARTS-Beat (86er „Power of the press“-Phase).

„Happy crisis day“ kombiniert den SPARRER-Schunkelbeat mit rauflustigen Chören, Sacher-Torte mit Nieten gespickt. Fette Bassläufe inklusive, DER Garant für amtliche Oi!-Songs since 1976.

„Dogs of war“: Tief ergriffener Matrosen-Chor zaubert Gänsehaut-Ständchen. „At night you’ll pay the price!“. Aus solchem Stoff wurden Ernst Busch und Ollie Kahn gemacht

Fußball! Darf nicht fehlen. „Unusual casuals“ ist die Absage an „Modern Football“ mit klarer Botschaft: „We’re sick of it“, „Shots for liberty“ ein Tribut an Rino Della Negra (1923-1944), Torjäger bei RED STAR OLYMPIQUE und Partisan in WK II.

Die Optik: Der 12“ Vorgänger spielte den Schock-Trumpf bereits beim Cover aus, entgeisterte die Puristen in ganzer Front, trat mit kunterbunten Absurditäten heftig vor die (leere) Stirn. Daran hält man fest: Auch das Comic-Artwork („Vermummte Katzen im Strickpullover auf dem Fußballplatz ?“) von „A thousand faces“ sorgt für angenehme Irritation, springt schön aus der Reihe und vermeidet Standards (Crucified, böse Tiere, Band vor Mauer etc.).

Danke UVPR, danke GONNA GET YOURS.

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