FRONT / PRINZESSIN HALTS MAUL  - Split - 7" Review
Format(e): 
7inch/EP
Genre: 
Punkrock

FRONT / PRINZESSIN HALTS MAUL

Split - 7"
7

Mein erstes FRONT-Erlebnis trug sich vor einigen Jahren in der AU / Frankfurt zu, wo die Herren um Falk Fatal meiner leicht verschwommenen Erinnerung zufolge als Dosenöffner der ehrwürdigen BRIEFS fungierten und ihre Pure Freude neben der zur Mikrofonhalterung umfunktionierten Gasmaske mit Hilfe eines Pawlowschen-Reflexmusters zwischen MALE, SYPH und FEHLFARBEN versprühten, was damals übrigens weit weniger üblich als heutzutage war, speiste sich deutschsprachiger Punk abseits einiger Ausnahmen doch vor allem aus Klappentexten von Öttinger Pilsener.

Nicht so bei FRONT, denen ich neben lebensfähigen Geschmacksknospen vor allem unterstelle, dass ihnen abseits von ZACK ZACK derzeit keine andere deutschsprachige Band das Wasser reichen kann, denn die Monarchie und den Alltag der 80er Jahre auf die Onanie des Heute umzumünzen gelingt ihnen in jeder Beziehung.

Abseits jeder Nostalgie oder Neue Deutsch Welle Kasperei, wahlweise also mit abgebrochenem Kunststudium oder als goldener Reiter, greifen FRONT die alltäglichen Dinge auf, die uns jeden Tag und jede verdammte Woche umgeben, gegen die wir mehr oder weniger machtlos sind und die uns trotzdem immer wieder die Kotze an Zäpfchen steigen lassen.

Ödnis, Wirtschaftskrise, kommunikativer Massenwahn auf Touchscreen Basis, telegene Massenverdummung auf Rezept und eigenen Wunsch und eine endlose Liste an weiteren Opiaten für die Massen, die die meisten von uns schon längst nicht mehr im Hinterkopf haben, weil sie entweder zur Selbstverständlichkeit gewurden oder in Gleichgültigkeit untergegangen sind, die aber eigentlich so offensichtlich sind, dass man sich wundern muss, warum sie kaum noch zur Sprache kommen.

Musikalisch greifen FRONT dann genau diese Stimmung auf, monoton und trotzdem antreibend, getrieben und ständig am Rande zum scheinbaren Wahnsinn, dem Gefühl gleich den großen Knall zu erleben, dabei die ständige Stimme aus dem Hintergrund, mehr Selbstgespräch als Gesang.

Wenn ich dann wie oben genannt MALE, SYPH oder die FEHLFARBEN als Vergleich heranziehe, so muss man sagen, dass dies eigentlich nur die offensichtliche Oberfläche von FRONT ist, man die Liste aber ebenso um Versatzstücke von DER MODERNE MANN, ABWÄRTS, KFC oder HANS-A-PLAST erweitern könnte, dabei aber oft auch einfach von der Stimmung geleitet würde, die FRONT hervorrufen.

In jeder Beziehung ist genau das die Art von Punk mit deutschen Texten, die ich hören will.
Keine Phrasendrescherei, kein Parolen Stumpfsinn, kein CSU-Deutschrock Pathos und keine endlos wiedergekäuten Opferhymnen, die nach zwei Promille in ihren eigenen Exkrementen übernachten.

Dass die Gesamtwertung bei einer glatten Zehn für FRONT insgesamt allerdings etwas bescheidener ausfällt liegt an dem Phänomen der Split-Single, an den zwei Seiten der Medaille und wohl auch an meinen Hörgewohnheiten, zu denen ich PRINZESSIN HALTS MAUL sicher niemals zählen werde.

Zwar ist diese aus DIE ROTE SUZUKI und SUPERHORST hervorgegangene Band um Measy von Tante Guerilla textlich ähnlich durchdacht, hinterfragend und reflektiert wie FRONT, und damit auch als Split-Partner nachvollziehbar, befindet sich allerdings in einem musikalischen Horizont, der außerhalb des meinem liegt und in dem weder PASCOW noch TURBOSTAAT auftauchen, kantig aber irgendwie auch in einer Form von Melodie verankert, irgendwie auch Hardcore aber dann doch wieder nicht und auch der Gesang ist schwer gewöhnungsbedürftig.

Folgt man der in diesem Bereich eher bewandten und weniger voreingenommen Presse als ich es bin, bewältigen sie diesen für mich lediglich äußerst schmerzhaften Spagat aber mehr als gut, dennoch bleibt es meinerseits nur bei einer schlanken Fünf.

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