Bad Sports - Bras - LP Review
Format(e): 
LP
Genre: 
Punkrock
Poppunk, Powerpop
Andere

Bad Sports

Bras - LP
10

Bereit für den ultimativen DICTATORS-Worship? Alle Regler auf GIZMOS? Zeit die DEAD BOYS zu reanimieren? Bei "Teenage Girls" auf der "Kings of the Weekend" LP (Dirtnap) anno 2011, ihres "sophomore efforts" wie es jedes US-Review aus dem Baukasten generiert, eine Träne ob der Pop-Glorie der BAD SPORTS vergossen? Falls ja, versetzt der Dreier aus Denton, Texas nun die Adrenalin-Infusion direkt in die Hauptschlagader. Mit "Bras," einem Albumtitel, dessen Ergoogelung unter Einbezug des Bandnamens die obskursten Verweise ausspuckt (hat auch etwas gedauert, bis der Groschen gefallen ist, ha!), setzen die BAD SPORTS schlussendlich den Fuß in die Tür der TX-KBD/Powerpop-Compilations der übernächsten Generation.

Ja, richtig gehört: "Bras" bietet the BAD SPORTS' grandeur in full effect, mit Sonnenbrillen-Nicken in Richtung New York, Detroit und Down Under der Siebziger, unter Aufbietung des Komplettprogramms an Melodien und Snot. Resultat? Zwölf Firecracker mit Verweisen zu Protopunk, Powerpop und Garagepunk der New Age. Wer den heimischen Dirtnap-Backkatalog bedingslos pflegt, sich freut, dass Alien Snatch endlich wieder zu voller Betriebstemperatur aufgefahren ist, wird nach diesem Faceslap nach mehr lechzen.

BAD SPORTS fahren im Songwriting neue Register auf, bewegten sich vom, wenn wir es so nennen wollen, "Kings of the Weekend"-Punk-Pop zu einem beißenderen, greasy Fernfahrer-Rock mit Teenage-Lamento und straightforward Downstroke-Grit. Weiterentwicklung? You bet. Ihre Wunderformel ist eine minimale Orchestrierung, eine Punkrock-Lektion mit schwebender Patentanmeldung, die zwölf Songs in knapp vierzig Minuten zur wahren Glückseligkeit aufbauscht. Maßgeblich zur Brillianz trägt die furztrockene Produktion bei; Erwähnung finden soll dementsprechend die erstrangige Mitarbeit der Denton-Fellows Mark Ryan und Jeff Burke und der MARKED MEN (Was die eigentlich gerade machen? Nun, Jeff Burke hat nicht nur bereits beim letzten BAD SPORTS Album die Regler kontrolliert, sondern ist ebenfalls gerade aus Japan zurück und geht mit dem Nachfolger seiner dort gegründeten Band THE NOVICE steil: auf den Namen RADIOACTIVITY, bei dem neben Mark Ryan auch BAD SPORTSler mitwirken, hört das Projekt und reicht erstmalig an die MM-Klasse heran. Auf Euro-Tour geht's demnächst und dass die neue Platte von Mark Ryans Nebenprojekts MIND SPIDERS hier ebenfalls empfohlen wird, ist selbsterklärend). Knackendes Drumming, Sägewerk-Gitarre, top-notch Inszenierung der Vocals und pluckernder Bass; wer da nach mehr fragt, gehört erschossen (überspitzt formuliert). Gnadenlos heruntergefahren, stripped-down und mit effektdienlicher Catchiness: mehr Old School kann 2013 nicht aufgefahren werden.

Und während man sich bei "Get You", dem Opener, noch in sicheren Gefilden wähnt, bläst schon bei "Washed Up" der Wind aus einer ganz anderen Richtung, in voller 70s Jeanswesten-Montur und mit Sonny Vincent-Gedächtnisfrisur. Man weiß kaum, wie einem geschieht, denn bereits bei "Nothing in this World" appellieren sie wieder an garage-y Sloppunk-Grundbedürfnisse, schießen mit nur drei Akkorden (geschätzt) und einem in die Länge gezogen "No-oooo-oh!"-Chorus in "Let Me In" auf der Messlatte für höchst infektiösen Basementpunkrock über die bisher erschlossenen Feelgood-Parameter hinaus.
Dieses Wechselspiel macht "Bras" auf voller Albumdistanz aus und spätestens wenn einem bei "Terrible Place", DEM Juwel auf dieser Scheibe (verdammt, die Hinarbeit zum Chorus lässt schaudern, der zweistimmige Gesang im Refrain und die Art und Weise, wie der Orgelpart das Gitarrensolo erblassen lässt, KILLT!), die Knie weich werden, kann mit Fug und Recht behaupten, die BAD SPORTS auf dem Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens miterlebt zu haben und die elende Frage nach dem Genre-Highlight des Jahres 2013 bereits im Oktober ad acta legen – nicht zuletzt dann, wenn "Rich Kid City" dem High-Energy-Orkan ein Ende setzt und das auf Krawall gebürstete BRATS/TELEVISION-soundalike Punkrock-Opus zu einem versöhnlichen Ende bringt. Also in die engste Jeansweste schlüpfen, die der Kleiderschrank hergibt, eine Palette Dosenbier an der eigenen Stirn crashen und zusehen, diese Platte baldmöglichst sein Eigen zu nennen.

Und all den Flachpfeifen, die monieren, hier wären in letzter Zeit zu viele Alben zu gut weggekommen, sei versichert und vorweggenommen: für Scheiß-Musik haben wir einfach keine Zeit. BAD SPORTS? The only ones for miles! Was macht eigentlich Douchemaster?

Kommentare (1)Kommentar schreiben

 

Als ich das Cover sah, dachte ich sofort Paradise oder Buzz!
Dann scrollte ich den langen Text runter und dachte immer noch Paradise oder Buzz.
Ich stellte fest, Matti kann nur eine Fata Morgana sein!
Gutes Review, auch verdient von den Punkten her!

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