Tommi Stumpff + CX2

Gehirrrn in Hettstedt
Gigflyer
Ort / Location: 
Hettstedt, Haus der Jugend
Datum: 
04. April 2015
Internet: 
Tommi Stumpff + CX2 Gig Gigbericht Konzert

TOMMI STUMPFF - dem gemeinen Punker bekannt als Sänger des Düsseldorfer Urgewächses DER KFC - als legendär zu bezeichnen, ist so einfach, wie ungererecht.

Es stimmt: Die Krawallvisionen des KFc, verewigt auf den Alben »...letzte Hoffnung« und »Knülle im Politbüro« (dessen Titelsong 2012 von STOMPER 98 auf »Bis hierher« charmant zitiert wurde) waren in ihrer nihilistischen Provokationswut einzigartig, auch wenn sie an seltsam unfertig seichter Produktion litten. »Stumpf ist Trumpf« war das Motto - tatsächlich aber verbarg sich dahinter aber Sehnsucht und Intelligenz, der auch exzessive Sauf- und Randaleorgien nichts anhaben konnten.

Radiotauglich war das nie, so dass es kaum wundert, dass nicht etwa »Gratissex«, sondern »Radio« des damaligen KFc-Gitarristen MICKY MATSCHKOPF in seiner Zweitfunktion bei NICHTS einen der besseren Hits der aufstrebenden NDW wurde, bevor der ganze von der Industrie totgefickte Strang mit »Gib Gas, ich bin Spast«-Dreck geschrottet wurde. So viel zu »ungerecht«.

Der Kfc zerbrach, während die FEHLFARBEN mit dem von den Ostermarschierern der Welt spektakulär mißverstandenem »Ein Jahr (Es geht voran)« einen u.n.g.wollten Hit landeten. Die Zukunft aber war elektronisch. Im Gegensatz zu anderen, oft genug verbiestert rockistischen Szenen, die »Punk« sagten, aber Keith Richards meinten, hatte die Ratinger Hof-Schule kein Problem mit Experimenten und überführte ihre prinzipielle Gier mit punkgetränkter Attitude in nie gekannte Weiten der Elektronik. Die DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT hatte den »Mussolini« und »Das ist Liebe«, Stumpff hatte »Massaker«, »Contergan Punk« und ein sinnstiftendes »Mich kriegt ihr nicht«, bis er sich 1993 auch davon verabschiedete. Job erledigt!

Nach 22 Jahren ausgerechnet im tiefsten Mansfelder Land aus lauter Sinn für Unfug und mit Hilfe des »Move your Body«-Teams vor 200 anderen Prominenten mal eben so zu reüssieren, das hat den Stil und Witz, der heutzutage - wo sich alle 3-Akkord-Schrammler und jede kiecksende Tussi als »Künstler« verstehen - dringend gebraucht wird. Dafür war es dem Souverän auch das Normalste der Welt, draußen unter'm wegweisenden Mond mit den Gästen abzuhängen.

Die Vor»band« CX2 (Keyboard und Schlagwerk) bestach durch wachsend hypnotischen Krach, als dann Tommi Stumpff unterstützt durch Käp'n Nuss (Der KFc) am Bass und Rüdiger Schuster an Tasten und Knöpfen nach Ansage durch Ecki Stieg mit breitem Grinsen die Bühne betraten, wurde aber schnell klar, wer das Genre (mit-)erfunden hat. Angereichert mit süffisanten Bemerkungen und mit sichtlichem Spaß in den leicht fülliger gewordenen Backen, spielten sie sich in Spielfilmlänge durch das komplette Werk, taten dabei aber gar nicht so, als seien sie die zornigen jungen Männer (aber mit guter Mutter) von früher. Das war angenehm entspannt, aber immer noch mit Edding 500 unterstrichen, ein reines Vergnügen für Musiker, Publikum und Staff.

32 Stunden nach unserem Aufbruch komme ich herzlichst erledigt in's Ruhrgebiet zurück, und würde jederzeit sofort wieder zurückfahren, um den ganzen Aufwand noch mal zu erleben. Hatten wir »legendär« schon?

- Tanz und schrei! -

(Bild: Ruth Augustin)

Massaker

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