- nächster Gigbericht
- HARDCORE, SCHLAMM & GUTE LAUNE
- voriger Gigbericht
- The Dickies, Uncommon Men from Mars
Es war einmal wieder einer dieser Tage, Mittwoch, noch ziemlich fertig vom Schaffen, Kumpel Nat hatte 'n Tag zuvor noch ein kleines Fest auf der Arbeit und die Lust, auf ein Konzert zu gehen, hielt sich in Grenzen. Ziemlich stark sogar.
Aber was will man machen, wir sind hier in Australien nicht gerade mit einer unglaublichen Konzertflut gesegnet und dann muss man halt mitnehmen, was geht. Sozusagen zwingt einen der Qualitätskonzertmangel dazu.
Auf dem Weg ins “The Den” noch ein Bierchen getrunken, um einigermaßen auf der Matte zu sein, dort angekommen war nicht gerade der Teufel los. Arbeiter, die Billard spielten, Thekenhocker, die an ihrem Bier rumnüllen, das übliche unter-der-Woche-Bild halt. Einziger Lichtblick die Barfrau, die aus der grauen Masse herausstrahlte, ha ha.
Erstmal ein Bier geholt, sich gemütlich in den Biergarten gesetzt und versucht, das Positive an diesem Abend zu finden.
Langsam trudelte alternatives Publikum ein, Konzertbesucher. Ist schon komisch hier in Perth, Subkultur gibt es im eigentlichen Sinne nicht wirklich. Mal nicht so, wie wir es von Deutschland kennen, Punker, Skins, Bootboys, Rudeboys, Rock'n'Roller usw. ist hier Fehlanzeige. Das einzige, was es en masse gibt, sind eitle bis aufs letzte aufgestylte Greaser, ich sag nur “Rock ‘n Roller Johnny mit dem fettigen Haar......”.
Jedoch findet man hier und da noch ein paar Gleichgesinnte und an diesem Tag scheint Tim Barry (wenn auch ja nicht gerade die typische Musik dazu) sie aus den Löchern zu ziehen. Es ist mal schön, keine Surfer-, Hardcore- und Emokiddies zu sehen. Gerade was hier unter Hardcore läuft ist ..., na ja lassen wir das.
So ne Matz als Vorband verpassen wir leider, trafen aber rechtzeitig zu Chris Wollard ein. Überschaubares Publikum, gemütlich auf nem Hocker, mal schauen, was er solo so bringt. Mit Hot Water Music und The Draft ist er ja nicht der Schlechteste.
Und? Na ja, ein bisserl seicht, das Ganze. Manche schaffen es ja, nur mit 'ner Gitarre bewaffnet 'ne Stimmung und Power zu erzeugen, aber er hat irgendwie seine ganze Energie in den Staaten gelassen. Wie sagt man so schön? Nett, halt so im Hintergrund zum Mitwippen. Nicht mehr nicht weniger.
Das Bier fing an zu schmecken, immerhin etwas. Nach ner kleinen Umbaupause (ha, okay, die Gitarre umstöpseln) kam dann der Tim auf die Bühne. Ich schätze mal, so um die 60 Leute haben sich nun eingefunden, jeder 'n Bier in der Hand und los ging's.
Shit, die Stimmung war von Null auf Hundert, jeder, aber auch wirklich jeder (ganz, ganz ehrlich) sang, gröhlte und schrie mit. Ein fettes Grinsen machte sich breit, Tim Barry schien Spaß zu haben und rotzte das erste Lied zuende.
Grinsend packte er das Mikro und machte sich auf in die Menge. “Sind ja nicht die Massen hier, da braucht man keine Bühne.”
Und so stand er mitten unter uns und haute einen nach dem anderen raus. Okay, jetzt muss ich ein bisschen Klischee auftischen, aber so einen ehrlichen, intensiven und offenen Sänger hab ich noch nicht gesehen, das ganze Konzert war Punkrock pur. Nicht von der Musik, aber vom Feeling her.
Bier floss in Massen, er trank mit allen, redete ein Haufen zwischen den Liedern und gab 100%. Alle gaben 100%. Die Grenze zwischen “Künstler und Publikum” verschwand, und glaubt es mir: Wäre er ein Verischerungsvertreter, ich wär jetzt heillos ueberversichert. In diesem Augenblick hätte er mir alles verkaufen können.
Das Konzert selber kann ich nicht mehr wirklich objektiv bewerten, da ich mich für ein-einhalb Stunden in ‘ner Art Trancezustand befand. Kam schon ewig nicht mehr vor, dass mich jemand restlos mitgerissen hat. T-Shirts und Cd’s waren in ca. zwei Minuten ausverkauft, schade. Obwohl ich ihn auf CD’s nicht so den Reißer finde.
Danach saß die ganze Meute noch im Biergarten, die Musiker dazwischen und alle mit 'nem fetten Grinsen im Gesicht. Man trank Bier, unterhielt sich miteinander und man war gewiss, an etwas Besonderem teilgenommen zu haben.
Tim Barry – ich ziehe meinen Hut.
03.08.2011


Kommentar hinzufügen