SEXUELLE AKTIVITÄTEN & GRUSELGESCHICHTEN AUS KASSEL

CRAZY SQUEEZE & SWORN LIARS IN DER GOLDGRUBE
Gigflyer
Ort / Location: 
Kassel, Goldgrube
Datum: 
07.11.2015
SEXUELLE AKTIVITÄTEN & GRUSELGESCHICHTEN AUS KASSEL Gig Gigbericht Konzert

Ein lauer Abend im November, das Thermometer weckt Erinnerungen an T-Shirts und abgerissene Chuck Taylor Latschen.
Ich wähle dennoch Sakko, erfordert der Anlass doch schließlich Noblesse und Klasse.
Während der schimmlige Rest des deutschen Unterhaltungsmiefs in den Untiefen angeblicher Supertalente ersäuft, bevor schlussendlich Mario Barth die finale Lobotomie-Erklärung der Menschheitsgeschichte im TV verlesen darf, sind wir auf der Suche nach First Class Entertainment, wollen Gin Tonic und Bier begleitet vom Rhythm´N´Booze Overdrive der CRAZY SQUEEZE und dank Ben Bazooka, Imperator of Rotlicht Booking bei gleichnamiger Agentur, Kettenraucher und geschmackssicherer Grundsympath mit Hutvorliebe, muss man dafür noch nicht einmal mehr den Flug nach Sunny California buchen, sondern sich lediglich auf die staubige Rücksitzbank eines noch nichts vom Ausmaß unserer Feiergewohnheiten ahnenden Fahrers knallen. Chapeau der Herr !
Doch genug der Vorworte, die Leser wollen es kurz und knackig, lesen strengt an, auf zu Faktencheck und Sensationen.

Weit zu wenig Gäste haben die Goldgrube zum Stelldichein des Monats aufgesucht. Wo sind die Punks, Outlaws und Rosenverkäufer zum einjährigen Jubiläum der Goldgrube ? Schlafen die Racoon City Rockers alle noch oder sind inzwischen auf U2 umgestiegen, weil sie ihre neue Freundin nicht enttäuschen wollen ? Auch Jens und Udo, die sich vor Ort regelmäßig den Arsch aufreißen, um in Kassel etwas auf die Beine zu stellen, kennen die Antwort nicht. Angesichts meiner Fremdscham für die nicht anwesenden Teile des Publikums trinke ich einen Schnaps.

Dann die Einführung, SWORN LIARS kotzen sich wutentbrannt aus. Gax scheint seit den SHAKIN´NASTIES und MOORAT FINGERS nichts von seinem psychotischen Hassentladungen verlernt zu haben, die Augen sind schwarz wie die Arsch Cobra von TURBONEGRO, der nicht angereiste Bassist wird gekonnt übergangen und durch eine ballernde Pebbles Orgel übertönt, welche Reminiszenzen an polytoxikomanische Garagen Teenager von der dunklen Seite der Sixties weckt, die sich in der Dunstwolke einer detonierten Mülltonne spaßeshalber gegenseitig ihre Schädel aufbohren.

Doch seien wir ehrlich, der Grund unseres Erscheinens war Maximum Boogie Woogie, Bier verschütten, neues Bier holen, den Modern Day BRATS vom Hollywood Boulevard beschwipst zuwinken, sie als Now Wave BOYS Inkarnation jubilieren und Schweiß im Angesichte der Rock´n´Roll History vergießen sehen.
Schon einen kurzen Promille-Ritterschlag später und unsere Sehnsüchte nach standesgemäßer Sophistication mit Halstuch und Sonnenbrille werden erfüllt, allen voran bricht Johnny Witmer jegliche Transpirationsrekorde, versohlt die Seiten seiner Gitarre als würde der Teufel in Person der gesamten NEW YORK DOLLS Bande ihn die Bowery herunterjagen, während jenen selbst bereits Gentleman Frankie Delmane, verspiegelter King Of Cool, der sicher auch während des Schlafes einen Lederpyjame trägt, auf den Fersen ist und die formidabel dargebotenen Akkordfolgen seines Radaubruders um weitere Jubilarien auf sechs Saiten ergänzt, die die gesamte Musikgeschichte der 70er von den ROLLING STONES über MOTT THE HOOPLE, DR. FEELGOOD, EDDIE & THE HOTRODS bis hin zu den HEARTBREAKERS rezitieren.
Ein Gitarren-Duell zwischen Johnny Thunders und Brian Jones vor Lametta Vorhang in Nordhessen, ein All-Star-Tag Team, ergänzt um Ian Hunter´s unehelichen Sohn Dat Ngo am Bass und Ian "Lunatic Moon" Harrower mit Screaming Lord Sutch Frisur in Kurzhaarschnittversion als Fellpfleger der Ballerbude. Das unsereins das noch erleben darf, darauf einen Schnaps !
Selbst kurzhaarige Genossen, mit zugegeben zu breiten Hosenträgern, können sich dem außer Kontrolle geratenen Tanztee nicht entziehen, besser bei "I Need A Witness" einsteigen und weiterfahren als den Zug ganz verpassen, richtig so.
Fast von jenem Zug erfasst wähnte ich als Besucher der ersten Apokalypse einer anderen recht bekannten Band des Herrn Witmer übrigens schon jenen Träger einer Baseballmütze, der sein Haarausfall-Kleid immer wieder im Rahmen akrobatischer Darbietungen vor dessen Füßen zu platzieren wusste, doch es blieb ruhig, die Gitarre blieb heil und der Notarzt konnte weiter fernsehen.
Doch auch ohne Platzwunden und Beulen in Handballgröße boten THE CRAZY SQUEEZE eine TNT Pub´n´Roll Abrissbirne summa cum laude, bei der nicht nur die Qualität für sich steht, sondern vor allem auch der Faktor einer rumdum sympathischen Band, deren Live-Show einem das Dauergrinsen an den Ohrläppchen festtackert.

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Dusoifstimmaschnaps!

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