Punkrock & ein bissl Horrorbilly

20.05.2011: Reclaim the streets in München
Gigflyer
Ort / Location: 
München, Backstage
Datum: 
20. Mai 2011
Punkrock & ein bissl Horrorbilly Gig Gigbericht Konzert

Reclaim the streets
-Der Freitag-

Master Brille hatte am 20./21. Mai zum 'Reclaim the streets'-Festival nach München geladen. Als Konzept für Freitag wurde eine Mischung aus Punkrock und Psychobilly, für Samstag Oi!-Punk und Ska geplant. Im Vorfeld wurden die Klingonz dann noch durch die Bloodsucking Zombies ersetzt und sehr kurzfristig mussten Frontkick ihren Auftritt absagen, was natürlich sehr schade war, da ich mich sehr auf diese Band gefreut hatte.
Es ist immer die Frage des Sinns, ein Festival um 17.30 beginnen zu lassen, wenn vielleicht 50 Menschen anwesend sind, 30 davon aber noch rauchend vor der Tür stehen und der Rest an der Theke abhängt. Für unbekannte Bands natürlich trotzdem eine Chance einmal auf einer großen Bühne mit tollem Licht (dazu später mehr!) und gutem Sound zu spielen.

Den Opener Botoxcombo haben leider auch WIR verpasst, da wir noch im Feierabendverkehr der bayerischen Hauptstadt steckten. Die Brandenburger Band Johnny Wolga betrat dann vor noch sehr übersichtlichem Publikum als zweite Band die Bühne und bot mit flottem gute-Laune-Punkrock a`la Toy Dolls oder den guten alten Vanilla Muffins eine recht überzeugende Leistung - vielleicht sollte man für Johnny Wolga in Anlehnung an die o.g. Schweizer eine neue Musiksparte schaffen: Sugar Punk. Sehr sympathische Band und man darf auf den ersten Longplayer der bald auf Contra Records erscheinen wird, gespannt sein!

Das Backstage ist ein professioneller Laden, mit verschiedenen Räumlichkeiten, teurer Technik, sehr gutem Sound und einer phantastischen Lichtanlage ... wo ist dann der Fehler? – Aah, der Mensch. Wie kann man es schaffen mit so einer Lichtanlage die Künstler ausschließlich von hinten, oder von der Seite zu beleuchten, was zur Folge hat, dass die Gesichter der Künstler immer dunkel waren - tolle Wurst! Der dezente Hinweis an Mr. Superlight brachte leider auch keine Verbesserung. Sehr schade, da das Licht im Allgemeinen schon sehr gut war (aber das nur am Rande, da wir schließlich auch noch einen Fotojob hatten und man die Arbeit des Lichtmanns fast schon als Sabotage bezeichnen konnte).

Frontkick fielen wie oben erwähnt leider krankheitsbedingt aus, was zu Folge hatte, dass die Girlpunkrocker Civet aus den USA die Bühne enterten. Musikalisch empfand ich Civet als lärmigere Version der Runaways mit Distillers-Gesang, optisch dagegen im Gegensatz zu manch anderer Band des Abends doch recht ansprechend. Zwei weibliche Bandmitglieder wurden mittlerweile gegen männliche ausgetauscht und so rockten die vier recht munter durch ihr Set, alles in Allem ein guter Live-Auftritt.

Als eher etwas langatmig empfand ich den Auftritt der Berliner Band Kotzreiz, von denen ich mir etwas mehr versprochen hatte. Für eine Punk-Persiflage war es mir etwas zu wenig Übertreibung, für eine ernstgemeinte Band etwas zu viel Klaumauk die die Band versprühte - aber vielleicht ist das ja genau das Konzept was den 'Hype' um die Band gerade ausmacht. Ich glaube aber auch, dass Kotzreiz in einem kleinen Club wesentlich besser funktioniert als auf einer riesengroßen Bühne - ein Los, was natürlich alle Bands mit nur drei Musikanten teilen.

Gegen 22.30 betraten dann die Disasters um Roger Miret, seines Zeichen Sänger der NY-Hardcore Legend 'Agnostic Front', die Bühne um mächtig Gas zu geben. Klassischer US-Streetpunk mit HC-Anleihen, aber auch gelegentliche Ausflüge in den 77iger UK-Punk und in Reggae-Gefilde bestätigten die Headliner Rolle der Amis. Optisch wie musikalisch ein sehr ansprechender Auftritt der auch die Besucher mitzureißen vermochte.

Mit der Band Rasta Knast ging es dann mit Deutschpunk incl. schwedischem Einfluss weiter und das etwas jüngere Publikum hatte seine Freude. Rasta Knast sind sicherlich nicht die schlechteste Deutschpunkband, aber so ganz erreichten sie mich an diesem Abend nicht, was auch daran liegen mag, dass ich mich zur zweiten Hälfte den kulinarischen Genüssen im Außenbereich des Backstage hingab.

Durch den Ausfall der Klingonz kamen die Wiener 'Bloodsucking Zombies from outer space (BZFOS)' zur Ehre, den Abend zu später Stunde zu beschließen. Zwar waren einige Besucher schon auf dem Heimweg, meine Befürchtungen aber, das BZFOS vor gänzlich leerer Halle spielen müssten, bestätigten sich aber nicht. Die österreichischen Horrorbillys hatten offensichtlich viel Spielfreude mitgebracht und so wurde der Auftritt zum zweiten Highlight des Abends. Die noch anwesenden Leute waren mächtig am Tanzen und Feiern und so kam das Reclaim the street-Festival zu einem würdigen Abschluss. BZFOS mussten mehrere Zugaben spielen (leider ohne den genialen Mörder-Blues) und gegen 1.30 Uhr war dann Zapfenstreich mit Livemusik.

Fazit: Vielleicht lag es an dem fehlenden 'Superheadliner', vielleicht am Biergartenwetter oder vielleicht an einer gewissen Übersättigung der 'Szene' dass die Besucherzahlen wohl nicht dem entsprachen was sich Master Brille erhofft hatte (ich denke aber, der Samstag wird wohl sehr gut besucht worden sein). Im Großen und Ganzen ein gelungener Abend mit einer vielseitigen Bandauswahl.

Kommentare (1)Kommentar schreiben

 

ja, am samstag war wirklich mehr los
aber die bands am freitag waren besser
tschüss

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