Konzertherbst 2004

Bocholt-Holland-Berlin-Ruhrpott und zurück
Konzertherbst 2004 Gig Gigbericht Konzert

Meine Nachbarn haben letzte Nacht so laut gefickt, dass ich davon wach geworden bin. Ist das nicht irre? Dabei haben die beiden schon vier Kinder an der Zahl, die den lieben langen Tag nur Radau machen. Aber wenn die Eltern bei der Produktion der Bälger schon so lautstark zu Werke sind, dann sind diese wohl zwangsläufig etwas quirliger. Zugegeben, diese unfreiwillige akustische Teilhabe war spannender und amüsanter als so manches Konzert in den letzten Wochen, bei denen ich teilweise lieber kein Ohrenzeuge geworden wäre.

Dabei war der Abschied vom Sommer bzw. der Herbstanfang mit ein paar Sommerset Konzerten ganz anständig.

Dreimal habe ich mir die Neuseeländer auf ihrer Tour von August bis Oktober angesehen. Wobei das Konzert in der Baracke in Münster mit Abstand das beste war. Im AZ Mülheim und in der Goudvishal in Arnheim wollte dank der spärlichen Zuschauerzahlen die Stimmung nicht so ganz aufkommen. Weiter ging es mit Amen 81 und einigen anderen Bands in Mönchengladbach am 2.10.. Stellte sich zwar als ziemliche Gurkerei heraus, hat sich aber gelohnt. Sehr edler Veranstaltungsort übrigens, eine alte Villa mit viel Marmor und aufwendigen Holzverzierungen, im Konzertraum stand sogar ein Flügel rum. Seltsame Location für ein Punkkonzert.

Am 9.10. sollten es dann mal wieder Alpha Boy School sein. Trotz deutlicher Vorzeichen einer fetten Grippe schleppte ich meinen Arsch nach Oberhausen zum Druckluft. Um dort was zu erfahren? Der Sänger der Band war ebenfalls krank und tat das einzig richtige: Im Bett liegen und Kamillentee schlürfen. Der Abend endete dann schließlich in der wohl ödesten Kneipe in Wesel.

Das Wochenende darauf gings dann mit der Freundin nach Berlin. Nur so, ein paar Tage Urlaub machen und die Stadt ansehen. Durfte alles nichts kosten, da uns schon im Sommer ein freundlicher Reisebüroinhaber einen finanziellen Schaden von gut 600 EUR bescherte statt der eigentlich gewünschten Pragreise.
Also wurde übers Internet eine Mitfahrgelegenheit ausgemacht und in einer billigen Pension genächtigt. Unser Herbergsvater war zwar direkt als Althippie zu erkennen, hatte aber auch noch ein paar Geschichten aus Hausbesetzerzeiten auf Lager. Und wie wir so die Sehenswürdigkeiten abklappertenn- so richtig tourimäßig mit Reiseführer in der einen und Fotoapparat in der anderen Hand- erfuhren wir mehr oder weniger durch Zufall, dass The Spook während unseres Aufenthaltes in der Stadt gastieren: Am 19.10. im Wild at Heart. So konnte man endlich mal die Horrorpunker live erleben und auch diesen Laden kennen lernen.

Dieser übrigens äußerst stylisch mit viel Flammen, Tigerfell und Billardkugeln auf Wänden und Tischen. So ähnlich sieht wahrscheinlich das Wohnzimmer von Mike Ness aus.

Vorher gabs noch Blitzkid, wie The Spook ganz dem Horrorpunk verfallen, mit ordentlich Kunstblut auf Zombies getrimmt. Aber hat Spaß gemacht.
Als man dann wieder zu Hause war, stand die nächste Veranstaltung ins Haus: 21.10., Nasum im AZ Mülheim, gemeinsam mit drei oder vier anderen Bands diesen Kalibers. Ich weiß es nicht mehr so genau, und ich möchte mich auch gar nicht mehr so gerne dran erinnern. Der Laden war proppevoll. Der Konzertraum sowieso und die Kneipe ebenfalls.
Heavy Metals mit Haaren bis in die Kniekehlen und geflochtene Kinnbärte bis zum Bauchnabel. Und dachte ich auch immer diese Typen mit den Jeanskutten seien ausgestorben, wurde ich an diesem Abend eines besseren belehrt. Nasum und Vorbands waren absolut nicht mein Ding, und irgendwie war ich auch nur vor Ort, weil ich noch Urlaub hatte.

Der nächste Fehlgriff hat sich dann nicht lange bitten lassen. Am 29.10. spielte Ex Schliessmuskelsänger Schlaffke als Zwakkelmann in meiner Heimatstadt Bocholt. Der Laden- das Hades- liegt nur ein paar Minuten von meiner Wohnung entfernt, also hielt ich es für eine gute Idee, die Gelegenheit zu nutzen und mich mit dem Radel dorthin zu begeben. "Bauchtanzgruppe Pullerbauch" hatte ich bereits verpasst.
Den Namen der zweiten Vorband hab ich schon wieder verdrängt. Absolute Bauernpunkscheisse für Bauernpunks, echt grausig. Eigentlich wollte ich Zwakkelmann schon wieder sausen lassen und mich wieder verdrücken, aber dann betrat Schlaffke mit Anhang schließlich doch noch relativ bald die Bühne.

Aber so sehr ich die frühen Schließmuskelwerke auch schätze, was jetzt folgte war echt lahm. Mag sein, dass die vielgelobte CD ganz nett ist, aber was da auf der Bühne geboten wurde konnte mich beim besten Willen nicht überzeugen. Zurück zu Hause fand ich meine Freundin auf dem Sofa vor: rotweinschlürfend unter einer Decke verpackt zappte sie sich durch das Fernsehprogramm. Ich glaube sie hatte den wesentlich aufregenderen Abend von und beiden.

Ganz anders lag der Fall da schon einen Tag später im JZ Herten mit Champion (USA) und Comeback Kids (Kanada). Zwar steh ich viel zu aufgeschlossen dem Pilsener Braugut gegenüber, als das ein Straight Edge Dasein jemals für mich relevant sein könnte, aber eins muss man solchen Veranstaltungen neidlos zugestehen: Bands und Publikum gehen höllisch ab.
Champion waren ohnehin große klasse und auch Comeback Kids waren eine sehr angenehme Überraschung.

Am Freitag (5.11.) darauf ging's dann ganz spontan nach Ahaus. Im Logo sollten Heartbreak Motel spielen. Das Timing hätte besser nicht sein können. Wir betraten gerade den Laden, da machten sich die Jungens aus Recklinghausen auch schon an die Arbeit. Super Auftritt! Danach hätte man auch gleich wieder fahren können. Denn danach kam eine Ahauser Schrottband, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Jedenfalls waren die so schlecht, dass wir lieber die Abfahrtspläne des benachbarten Bahnhofs studierten, als uns diese Scheisse anzutun.
Bei der dritten Band, die zwar ganz nett war, bin ich dann fast im stehen eingeschlafen.

Und da Sonntage ja immer etwas deprimierend und langweilig sind, machte ich mich mit Micha am 7.11. noch auf den Weg zu unseren holländischen Nachbarn, genauer nach Almelo. 5 Straight Edge Bands für 6 EUR. Dafür wurde ich auf dem Rückweg noch in den Niederlanden geblitzt, was aus den 6¤ mal locker 60 EUR machen könnte. Warten wir es ab. Das Konzert fand in einer ganz normalen Kneipe in der Fußgängerzone von Almelo statt und begann schon um 15 Uhr. Ich weiß schon gar nicht mehr, wer da alles gespielt hat.
Aber gekommen war ich eigentlich wegen Black Friday 29. Die spielten zum Schluss und machten ein riesen Fass auf. Davor gabs noch Justice aus Belgien, die mir noch in guter Erinnerung geblieben sind.

Am nächsten Samstag (13.11.) hatte man dann wieder die Qual der Wahl. Entweder Crucial Response Festival in Arnheim oder Alpha Boy School in der Stockumer Schule in Voerde.
Da mein Bedarf an Hardcore durch die beiden Straight Edge Gigs an den Wochenenden zuvor ganz gut gedeckt war, entschied ich mich für letzteres. Und das war auch ganz gut so, glaube ich. Als Vorband gabs so ein paar junge Leute aus Düsseldorf, FHG oder so ähnlich. Jedenfalls machten die ganz anständigen Ska Punk. Im Anschluss kamen dann auch schon die Kollegen von Alpha Boy School auf die Bühne und zeigten wie das so richtig geht. Eine gute Stunde lang wurden alle Hits zum Besten gegeben. Vor der Bühne gab es derben Pogo, wie der zur Musik von Alpha Boy School passen soll hab ich bis heute nicht verstanden, was wohl auch zu einigen Unstimmigkeiten unter einigen Konzertbesuchern führte.

Dennoch blieb es friedlich und alle hatten ihren Spaß.

So, und nächste Woche ist schon der erste Advent. Ich wünsch schon mal ein frohes Fest!

Kommentar hinzufügen

Wird nicht veröffentlicht
To prevent automated spam submissions leave this field empty.
2 + 7 =
Nur die klügsten Köpfe dürfen beim Moloko mitmachen. Um dies sicherzustellen, löse oben genannte Aufgabe.