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Gegensätzlicher hätte das Erscheinungsbild der Band kaum ausfallen können. Da war einerseits, der ganz in schwarz gekleidete, etwas gebrechlich wirkende hagere Hugh Cornwall mit seiner schwarzen Telecaster und auf der anderen Seite die quietschbunt, im Riot-Girl-Style gekleidete Caroline Campbell mit ihrem roten Bass sowie der eher schluffig wirkende Drummer Chris Bell. Da standen sie nun im fränkischen Schwabach auf einer kleinen Bühne in einem überheizten, bestuhlten Café welches durch Palmen, Glas und Stahl bestach und wirkten etwas deplatziert.
Vielleicht lag es aber auch an den knapp 60 Gästen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, deren revolutionäre Phase' wohl mit 'Golden Brown' anfing und mit 'Always the Sun' wieder aufhörte. Leicht ergraute Pädagogen, gut situierte Ärztetypen, 'Desperate Housewifes' mit Tüchern um den Hals und Fönfrisur auf dem Kopf dominierten das Publikum.
Man verfolgte schweigend, manchmal leicht grinsend im ambitioniertesten Fall noch fingerklopfend und dezent taktwippend die Songs, um am Ende in einen Klatschorkan (bei Jazzkonzerten gelernt) überzugehen… es kam auch vereinzelnd zu 'huhu'-Rufen.
Die von mir eigentlich erwartete 'Einzeltänzerin', die heute 'mal wieder etwas Verrücktes tut', trat erstaunlicherweise nicht in Erscheinung, auch wenn ich eine schwerstens belockte Mittvierzigern mit Brille in der Nähe der Bühne in Verdacht hatte, da sie bei 'Always the Sun' tatsächlich mitsang!
So nippte man an Aperol Spritz und Weißbier und mir wurde mal wieder klar warum ich damals in der kleinen Großstadt Erlangen zum Punk wurde….
Aber zur eigentlich Attraktion… ich hatte den direkten Vergleich zu den 'Original-Stranglers' eine Woche vorher und war wirklich gespannt auf das Konzert, welches wirklich beschissen beworben wurde… nämlich gar nicht.
Hugh Cornwall und Band spielten vielleicht 60% Stranglers-Songs aus der Frühphase bis Mitte der 80iger, sowie einige Lieder der neuen LP und seines sonstigen, sehr ergiebigen Schaffens. Der ganze Auftritt wirkte etwas kraftlos und unambitioniert, auch wenn die Drei durchaus Spass an der Sache zu haben schienen.
Speziell Caroline Campbell machte nicht nur musikalisch einen sehr guten Job (Synthie-Solo bei 'Sweden' auf dem Bass!!!) sondern war auch optisch nett anzuschauen. Mr. Cornwall vergrub sich für meinen Geschmack etwas zu sehr in und hinter seiner Gitarre (Telecaster & Vox-Amp :-)) und die Solostrecken waren mir etwas zu lang. Gesanglich kam die Einzigartigkeit seiner Stimme leider nur sehr selten zur Geltung, was vielleicht auch an dem Mischer lag.
Mr. Cornwall wirkte sehr abgeklärt, in sich ruhend und mit seinem britischen Understatement sehr symphatisch. Er nahm sich auch Zeit ein wenig mit dem Publikum zu plaudern und seine Deutschkenntnisse zu testen, in dem er sein letzten Album zum Free Download auf seiner Website feil bot…. Irgendjemand hatte ihm wohl gesagt dass das in deutsch 'Freie Wurst' heißen würde….
Hugh Cornwall ist sicherlich immer noch ein außergewöhnlicher Songwriter und Gitarrist – nur hat seine Präsenz ein wenig gelitten… bzw. hat die sich verändert und ist in keiner Weise mit dem unglaublich intensiven Eindruck vergleichbar den ich vom Stranglers-Konzert 2012 in Prag mit nach Hause nahm.
28.04.2012


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