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Ein Konzertbericht ist doch zumeist sehr subjektiv geprägt und so kann dieser sehr unterschiedlich ausfallen. Mein noch anhaltender Eindruck beinhaltet völlig marode und morsche Knochen, Gelenke und Sehnen, einen massiven Fotoarm, viel dreckige Wäsche und als Resultat knapp 2.000 Fotos.
Glücklicherweise ist das aber nicht das Einzige was vom 14. Endless Summer Festival in Torgau in Erinnerung geblieben ist. Man verließ den 'Entenfang' mit einem geschafften, aber glückseligen Gefühl der Hoffnung und Zuversicht und der Vorfreude auf das nächste Jahr - und der Erkenntnis, das zuviel Hardcore auch mal eine gewisse Langeweile verursachen kann.
Überhaupt war das Wochenende geprägt von Gegensätzen: Das Wetter wollte sich nicht wirklich entscheiden und hatte mit Wolken, Regen, Sonne, Regen und wieder Sonne doch viel Abwechslung zu bieten. Dies bekamen besonders die Jungs von Radio Dead Ones zu spüren, deren Fans den wohl heftigsten Wolkenbruch erleiden mussten. Souverän wurde von der Band aber auch dieses Hindernis gemeistert und der Song 'Sonne knallt' war dann die trotzige Reaktion der Berliner.
Musikalisch gab es ebenfalls eine Menge Abwechslung, wobei der Schwerpunkt dieses Jahr eindeutig im Hardcore-Bereich lag. Mit den HC-Headlinern Blood for Blood, Ignite, Comeback Kid, Sheer Terror und den schottischen UK-Hardcorlern Exploited war die Richtung schon klar vorgegeben.
Das Kontrastprogramm boten Bands wie Buster Shuffle, Springtoifel, Adicts, Real McKenzies oder Mad Sin, die mit ihrem Sound doch eher gute Laune verbreiteten und live immer wieder sehenswert sind.
Die Freunde des gepflegten Oi!- und Streetpunks konnten sich auf die souveränen Auftritte von Evil Conduct ("Eiffelkondagt"-original Zitat Besucher), Volxsturm, Ruckers oder Street Dogs verlassen. Insgesamt 33 Bands spielten in den drei Tagen auf zwei Bühnen.
Kontrastprogramm war auch bei dem inoffiziellen Band-Wettbewerb 'Wer hat mehr Knastjahre die sich im Gesicht wiederspiegeln' geboten. Wer diesen Contest nun gewonnen hat ist bis heute ungeklärt... ganz weit vorne dabei war aber der Sänger der Band 'Devil in me', der mit Gesichts-Knast-Tattoo und extrem fiesen Oberlippenbart ala Freddie Mercury schon gut einen vorlegte. Aber auch die kompakten Fronter von 'Blood for Blood' und 'Sheer Terror' konnten mit extrem hohem Knastfeeling punkten.
In dieser Kategorie chancenlos waren die 'Newcomer' von 'Buster Shuffle' die zwar einen grandiosen Auftritt hinlegten, aber mit ihren Milchbubi-Gesichtern niemanden Angst einjagen konnten, was natürlich auch nicht erwünscht war.
In der Sonderkategorie 'Slapsticks' lagen 'The Crack' uneinholbar an der Pole-Position. Mit angeklebter Sonnenbrille, Mallorca-Freizeithut, spassigen Stammestänzen und gefühlten fünf Promille Alkohol im Blut, versprühten die Briten autenthischen Ballermann-Flair und gewannen diese Kategorie eindeutig.
Als ein wenig lernresistent zeigte sich dagegen die Bühnencrew auf der Zeltbühne. Auch nach drei Tagen Festival tauchte immer wieder ein ganz bestimmter offensichtlich defekter Mikroständer auf, der den Musikanten das Leben auf der Bühne schwer machte und in einem unfreiwilligen Limbotanz des Crack-Sängers Steve Jones gipfelte.
Auch gab es immer wieder Probleme mit dem Monitorsound auf der 'Tent-Stage'. Da könnte man vielleicht noch nachbessern. Auch die Regelung der Security (die im übrigen ohne Ausnahme alle sehr nett und hilfsbereit waren) nach drei Songs den Fotograben zu verlassen, war jetzt nicht wirklich punkrocktauglich, tat aber der guten Stimmung im Zelt und auf der Hauptbühne natürlich keinen Abbruch.
Überhaupt war der Sound der die geschätzten 3000 Besucher beschallte phantastisch, ebenso gut wie auch die installierten Lichtanlagen.
Kontrastreich war auch die Verpflegung auf dem Gelände. Die zahlreichen Stände boten indischen Köstlichkeiten, vegane Kost, klassisches Grillgut und nicht zuletzt schmackhafte Mini-Donuts an. Das für die meisten Besucher wichtigste Verpflegungsmittel - das Bier - konnte man an zahlreichen Getränkeständen für traditionell angenehme Preise käuflich erwerben und so waren alle rundum gut versorgt.
Fazit des Endless Summer Festivals 2011: Viele nette Menschen gesehen und getroffen, gute Bands gehört, viel Schlamm gerochen, eine sehr gute Organisation erlebt und festgestellt dass man keine 20 mehr ist.
In diesem Sinne ein großes Lob an alle Veranstalter, Helfer und Crewmitglieder - es war toll und ich freue mich auf nächstes Jahr vielleicht mit einem persönlichen Betreuer.
15.08.2011



Kommentare (3)Kommentar schreiben
16.08.2011
sei froh, dass du nach drei songs den graben verlassen musstest, sonst wären noch ein paar tausend fotos mehr zusammengekommen & dein fotoarm wäre dir wohl noch vor ort abgefallen.
und interessant, dass es THE CRACK immer noch gibt. ich hatte schon vor ca. 17 jahren darauf gewettet, dass den jungs schon bald die leber streiken müssten. scheinen aber ziemlich robust zu sein...
17.08.2011
der fotoarm müsste spätestens da abgefallen sein, als es ums fotografieren der droogiez ging!
immerhin geht bei rudy das fotografieren auf festivals bislang nur auf die arme, während es mir langsam aber sicher auf den sack geht, haha!
17.08.2011
@Torsten: ja das ist wohl war... die 3-Songs-Regel bewahrt einen tatsächlich davor völlig durchzudrehen beim Fotografieren, besonders wenn man so lohnenswerte Objekte wie Adicts, McKenzies oder Mad Sin vor sich hat.
@Kohlkopf: Haha... stimmt wohl, da hat dann meine Freundin Jessy weiterfotografiert. Geteiltes Leid = Halbes Leid! Aber stimmt schon ... ab und an ist es einfach nur geil ein Konzert zu genießen - ohne lästige Technik in der Hand.
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