THE GREAT NORTHERN SKA FESTIVAL

in Manchester / UK, am 19. August 2017
Ort / Location: 
Manchester,
Datum: 
19.08.2017
THE GREAT NORTHERN SKA FESTIVAL Gig Gigbericht Konzert

Da ich schwer Bock entwickelt hatte, das diesjährige Ska-Festival in Manchester zu besuchen, nahm ich mir eines schönen Tages vor, Flug und Hotel zu buchen. Am Abend war ich dann zu platt und beschloss, mich vor dem üblichen Buchungstheater (Geil, der Flug kostet ja nur 29 Euro, ach nee, da kommt ja noch ne Gebühr und da auch und da noch Zusatzkosten und dann sinds 84 Euro) zu drücken und verschob alles auf den folgenden Morgen.

Frisch motiviert ging es also am folgenden Morgen ans Werk und mein erster Klick führte mich auf die FB-HP des Festivals.

Hier wurde “den Opfern des Terroranschlags gedacht”.

Was war da los? Ein Anschlag auf einem Konzert der mir bis dato gänzlich unbekannten Sängerin Ariana Grande hatte zahlreiche, vorwiegend junge Menschenleben gekostet. Das steigerte nicht gerade die Motivation, den Flug in die Mutterstadt des Kapitalismus zu buchen, aber es ging dann trotzdem doch los.

Einige Monate später fand ich mich dann als Fußgänger an einer stark befahrenen Straße zwischen zwei Industriegegenden im regnerischem Manchester wieder und musste feststellen, dass mein Smartphone, Marke Samsung, aus dem Jahre 2002 gar keinen Navi hat.

Zwar verfüge ich über keinerlei Orientierungssinn, doch als ich ein verdächtiges Paar, Ende 40 erblickte, dass nach Ska aussah, wusste ich auf dem richtigem Weg zu sein. Tatsächlich sammelten sich an diesem Samstag um 14.30 zahlreiche Skafreunde in einer alten Fabrikhalle.
Auf der Bühne stand RHODA DAKAR, ehemals Sängerin der Female-2 Tone Band BODYSNATCHERS.

Ich weiß nicht, warum sie schon so früh dran war, obwohl ihre Band für die 2 Tone Ära doch nicht ohne Relevanz war. Doch ihrem recht smoothen und regaelastigem Set wohnten auch zu so früher Stunde schon zahlreiche Zuschauer bei, Chapeau!
“Rude Girl” war dann auch der erste Hit, der die Stimmung schon gut anheizte.

Als ich von der Toilette wiederkehrte, wo ich die Dose Billig-Cider entsorgt hatte, die ich mir bereits im Vorfld hineingezwiebelt hatte, entschuldigte Rhoda sich beim Publikum für einen “lack of affection”.
Ich muss sagen, dass ich nicht weiß, was sie damit meinte, das Set wusste zu gefallen und die Stimmung war gut.

Mit dem Hit “Rocksteady” wure der Auftritt um 15 Uhr beendet.

Die Veranstalter hatten sich ein sehr schönes System ausgedacht, auf beiden Seiten der Hallen waren Bühnen, so dass jede Band eine Stunde zum Aufbau hatte und tatsächlich in 12 Stunden 12 Acts je 60 Minuten Nonstop-Musik bieten sollten. Das klappte reibungslos und versprühte einen preußischen Hauch deutscher Pünktlichkeit in dieser nordenglischen Fabrikhalle.
Als Rhodas Auftritt beendet war, drehten sich einfach alle um, machten einige Schritte nach vorn und standen vor der Main Stage 2.

FROM THE JAM warteten hier bereits, eine Band, in der 1 oder 2 Originalmitglieder von THE JAM am Start sind (natürlich nicht Paul Weller). Mit Ska hatte die Band natürlich wenig zu tun, dafür klang sie in meinen Ohren tatsächlich sehr nach JAM und legte einen prima Auftritt hin, der zu früher Stunde die Crowd zu begeister wusste.
Hits wie “That's Entertainment” oder “Going Underground” dröhnten um halb Vier Uhr Nachmittags durch die Halle.

Erneut ging es pünktlich wie ein D-Zug weiter, nun mt der Reggae-Band JEREMIAH FERRARI. Recht relaxter, rootsiger Sound.

Ich nutzte erstmal die Gelegenheit mir ein Curry, nebst Pommes & Krautsalat reinzupfeiffen und begab mich dann wieder vor die Bühne. Ferrari gaben gerade die erste Toots and the Maytals – Coverversion des Tages von sich (Monkey Man), klang gut.

Dann, um Fünfe, ging es weiter mit dem zweiten Heimspiel des Tages – der MANCHESTER SKA FOUNDATION. Die begannen gleich mal mit zwei Specials-Covern nacheinader und entpuppten sich als Coverband, die ausschließlich Hits zum Besten gab. Ich mag das ja und das typische englische Skapublikum auch.
Bei “Israelites” skankte ich dann auch erstmalig etwas umher und mit “Three Little Birds” kam auch das erste Marley Cover des Tages.

Zwischenstand Toots vs. Marley somit 1:1, es bleibt spannend!
Aber nein, was kommt da?? Ja, Monkey Man! 2:1 für die Maytals!

Ebenfalls ein spannendes Match bot die Ska Foundation in bezug auf Specials - versus Madness Covern. Nach der erwähnten 2:0 Führung für die Specials, drehte Madness das Spiel und entschied das Rennen am Ende mit 7:4 für sich! Nicht schlecht bei einer Stunde Spielzeit, in der ja auch noch andere Bands bedacht wurden.
Alles in allem musikalisch keine Offenbarung, aber hoher Spaßfaktor für 5 Uhr Nachmittags, von Teatime war jedenfalls keine Spur, Cider statt Cuppa.

Um 6 wurde es dann wieder lässiger, mit BRINSLEY FORDE, dem ehemaligem Sänger der Reggae Combo ASWAD. Mir bissel zu smooth, das ganze. Aber: Marley glich mit Stir it Up auf 2:2 aus! Eigentlich ein unfairer Treffer, da der Song nur angespielt wurde. Aber es fehlt nun mal der Videobeweis.
Doch die Maytals ließen eh nicht lange auf sich warten und erzielten mit 5446 das 3:2!

Und dann kam KING HAMMOND auf die gegenüberliegende Bühne, auf den war ich ja auch scharf wegen den Hits von den Ska Wars- Samplern SKAVILLE UK und KING HAMMOND SHUFFLE!
Skaville UK wurde auch sehr schmissig rübergebracht, wie das gesamte Set – sehr gut! “Riot in London Town” wurde in “Riot in Manchester” umgedichtet, glücklicherweise blieb der aber aus und die ganzen alten Glatzköppe blieben dabei zu schwofen und Getränkenachschub zu holen statt zu randalieren.

Dann die Ankündigung: “Unser letzter Song heute” (natürlich pünktlich, wie sich das gehört, um mittlerweile kurz vor 8).
“Geil, der Shuffle” dachte ich, doch nein – es wurde ein (gelungenes) Cover einer, der wie ich finde besten alten jamaicanischen Bands, “Carry Go Bring Come” von Justin Hinds and the Dominoes zum Besten gegeben. Eine Zugabe gabs nicht, der SHUFFLE blieb aus.
Verstehe ich nicht und daher stand ich auch erstmal eine halbe Stunde geschockt mit offenem Mund da, ehe ich mir wieder Cider in selbigen schüttete.

Weiter ging es mit der schottischen Band ESPERANZA.
Sie spielte soliden Dritte Welle / Two Tone Ska und da sie keine Hits coverten, sondern eigene Songs spielten, fielen sie weniger auf. Klingt böse, ist aber natürlich so.

Ich für meinen Teil wartete auch längst auf die BAD MANNERS und mir fiel nur die Bassistin weiter auf, die den kompletten Gig über wild umherhüpfte. Sportlich Sportlich!
Und um objektiv zu werden: ganz guter Ska, aber nichts, was groß im Ohr hängen blieb.

Das gleiche gilt für die 9 Uhr Band: BAKED A LA SKA. Auffällig waren hier das Bandmitglied, dass wie ein Klischee-Jesus aussah und ein teils sehr schräger Sound mit allem möglichem drin.
Nach ca. 30 Minuten dürften bereits mehr Leute vor der noch leeren Bühne gegenüber gestanden haben, auf der um 10 die BAD MANNERS loslegen sollten.
Auch hier muss man sagen: ein faires Urteil über die Band ist, glaube ich, schwer möglich, denn langsam aber sicher lag der lange Tag (und der Cider) nicht nur mir, sondern wohl den meisten in den Knochen und die Vorfreude auf die BAD MANNERS überwog einfach.

Und kurz nach 10 kam FATTY dann auch auf die Bühne! Time to skank, mates!
Man muss schon sagen, dass die Stimmung nicht so gut war wie bei einem kleinerem Konzert, große Hallen sind doch eben einfach Stimmungskiller, IMHO. Nichtsdestotrotz gute Stimmung, gutes Skanken, guter Auftritt.
Teilweise zu langsame Songs am Stück, z.B. zwei instrumentals (da musste der gute Buster wohl mal ins Sauerstoffzelt, dass ich mir beim Treppensteigen auch immer öfter herbeisehne) oder Special Brew, aber eben auch Fetzer wie Lorraine oder Fatty Fatty.
Das Skinhead-Thema wurde allerdings ausgeblendet, weder das Girl noch die Love Affair wurden gespielt obwohl das weiten Teilen des Publikums sicher gut gefallen hätte (inkl. mir, trotz Haaren).

Wieder mit offenem Mund stand ich da, da LIP UP FATTY nicht gespielt wurde. Ich erinnerte mich dunkel, dass die Bad Manners das gerne als Zugabe spielen. Aber eine solche wurde nicht gefordert. Alle drehten sich um und warteten auf die SKATALITES die allerdings noch nicht in Sichtweite waren.

Dass keine “We want more” Rufe bei den Bad Manners kamen, war wohl eher den vielen Stunden geschuldet, die die meisten schon da waren, als dass man keine Zugabe wollte. Die kam dann aber doch, auch ungefragt, in Form von – jawoll – Lip Up Fatty und dem Can Can.
Viertel nach Elf waren die BAD MANNERS somit fertig und hatten die doitsche Pünktlichkeit zunichte gemacht *grummel*.

Doch wider Erwarten standen die SKATALITES nicht ungeduldig in den Startlöchern, sondern ließen sich nur teilweise blicken und klimperten noch eine gefühlte Ewigkeit an den Instrumenten herum, ehe es losging.
Dies hatte zur Folge, dass viele nach hause gingen oder sich auf Klappstühlen aalten die plötzlich herumstanden (so auch meinereiner).

Exakt mit einer Stunde Verspätung, also um Mitternacht, begannen die SKATALITES dann mit Freedom Sounds. Klang hervorragend, aber die Luft war wirklich raus und viele waren schon daheim.
Wie schrieb einer auf der HP nach dem Festival: Von 4-11 hätte gereicht. Stimmt, denke ich, aber ein super Festival war es auf jeden Fall, da sind sich alle einig!
Ska was coming home (also zumindest ins zweite Zuhause). Ach ja und Toots & The Maytals wurden vier mal gecovert auf diesem Festival, Bob Marley nur zwei mal.

Beim Rückspiel packst du es, Bob!

Kommentar hinzufügen

Wird nicht veröffentlicht
To prevent automated spam submissions leave this field empty.
Fill in the blank
Login