Broilers, Cashless

28. August 2007, München, Backstage
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Das Free&Easy-Festival im Backstage ist schon eine ziemlich einzigartige Sache: jedes Jahr spielen über 2 Wochen in der Halle und im Club täglich jeweils 2-3 Bands für lau und hierbei handelt es sich nicht nur um lokale Proberaumhelden, auch nationale und internationale Prominenz aus Punk, Hardcore, Rock´n´Roll, Metal, Ska, Reggae, Hip Hop usw. ist am Start, für deren Auftritte man sonst ordentlich hinblättern müsste.

Hinzu kommen eine Kleinkunstbühne, Open-Air-Kino, Bars und Fressstände und das Bier gibt es bereits ab 4,80 Euro die Maß (für Kölner: 1 Liter, 5 mal so große Gläser wie eure Urinbehälter!).

Ich bin mir nicht sicher, ob sich all der Aufwand nur mit dem Getränkeverkauf refinanzieren lässt, aber angesichts der Öffentlichkeitswirksamkeit und der Tatsache, dass aufgrund der bayerischen Sommerferien viel junges Volk ins Backstage strömt, ist dies fraglos eine Investition in das zukünftige Stammpublikum (ich denke, die Stadt wird das Ding auch ordentlich sponsorn - tr).

Nachteil an der Sache ist, dass sich Unmengen von Menschen auf dem überschaubaren Gelände drängen und der Livegenuss durch dementsprechendes Gequetsche gemindert wird, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

Erwartungsgemäß musste ich mich schon vor dem Eingang durch einen Iro-/Nieten-Kidpunk-Auflauf kämpfen, der dort seine mitgebrachten Alkoholika verzehrte. Erschreckenderweise hatten die Veranstalter den Beginn 20:00 Uhr ernst gemeint, so dass ich leider bereits die Mädels von den „Scaredycats“ aus dem bayerischen Hinterland verpasst hatte und kurz nach halb Neun „Cashless“ schon am Loslegen waren.

Cashless“ aus Niederbayern hatte ich vor einigen Jahren in einem Livereview wegen ihres jugendlich-frischen Auftrittes sehr gelobt. Diese Ungestümheit ist aber mittlerweile selbstgefälliger Professionalität gewichen. Streetpunk wie er austauschbarer und langweiliger nicht sein kann. Die „Broilers“ hatten den kochenden Saal von Beginn an im Griff und räumten mit einem Repertoire quer durch ihre gesamte Schaffensphase bis hin zur ersten Single mächtig ab. 75 Minuten pathetische Bierzeltatmosphäre unter Mitgröhlen sämtlicher Songs – nur wenige Bands schaffen das auf diesem Niveau.

Drollig finde ich den (zumindest für mein persönliches Empfinden) offensichtlichen Versuch von Sammy so eine Art deutsche Ausgabe von Mike Ness zu geben. Dies beginnt bei Outfit und Selbstdarstellung und gipfelt in einer unglücklichen „Ring of Fire“-Coverversion. Was bei „Social Distortion“ Gänsehaut erzeugt berührt bei den „Broilers“ eher peinlich. Und stand bei der letzten SxDx-Tour nicht auch plötzlich ein Keyboard auf der Bühne ?

Sei´s drum – die „Broilers“ bieten live großes Kino und ihren aktuellen Erfolg haben sie sich als gewachsene Band über lange Zeit mit massig Energie kontinuierlich erarbeitet. Dass sie jetzt so weit oben stehen haben sie sich redlich verdient und es sei ihnen von Herzen gegönnt.

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