BROILERS & BOOZE & GLORY

... in der Kieler Ostseehalle am 22.12.2017
Gigflyer
Ort / Location: 
Kiel, Ostseehalle
Datum: 
22.12.2017
BROILERS & BOOZE & GLORY Gig Gigbericht Konzert

Ach, wat waren das Zeiten auf dem Dorf damals, vor rund 20 Jahren, als wir Bier tranken und neben diversen Punkbands Springtoifel hörten und Panzerknacker und Rabauken (ja ja, ich weiß, aber Trotzki jetzt einfach aus dem Bild rauszuschneiden wäre auch nicht das Gelbe vom Oi) und ja, eben auch die erste Single und das erste Album der BROILERS mit Hits, wie „Schenk mir eine Blume“, „Paul der Hooligan“ und „in 80 Tagen um die Welt“.

Und im SKIN UP wurde das Album zerrissen und es gab wilde Kontroversen um den damals 16-Jährigen Sänger Sammy, der mit einem 12-Jährigen (!) Rechtsradikalen auf einer Party vorbeigekommen war. Ja, das waren noch unbeschwerte und undigitalisierte Zeiten, ein Skinhead ohne Fanzine, ja das wäre was!

Rund 20 Jahre später also kam ich mit den gleichen Leuten zusammen, wir tranken 6 Kästen Bier, polierten Stiefel und Glatzen und marschierten los in der Erwartung, gleich mit rund 50 Glatzen und Punks zum Oi-Sound der Broilers zu pogen. Wir schauten dumm aus der Wäsche, als wir am Ort des Geschehens ankamen und da dann 7000 Leute zugegen waren und Skins und Punks davon maximal 4 Promille stellten.

Nein, ganz so unvorbereitet waren wir nicht. Wir leben ja meistens nicht hinter dem Mond und waren uns sowohl über den kometenhaften Aufstieg der Düsseldorfer als auch über den weiterentwickelten Sound im Klaren. Zwar waren wir dem alten Sound mehr zugeneigt als dem neuen, doch auch von den neueren Sachen weiß der eine oder andere Song zu gefallen und dass die Kulisse anders sein würde als die beiden Male irgendwann Anfang dieses Jahrtausends, als ich die Broilers schon mal live bewunderte (einmal in Hamburg und einmal in Düsseldorf beim Oi! The Weekend) ahnte ich ganz stark.

Nach Bier im Wirtshaus ging es rüber zur Ostseehalle, wo üblicherweise der lokale Handballgigant THW Kiel die Bälle wirft (da gibt’s doch einen Song von The Business zu) und wo Anfang des Monats noch Roland Kaiser seine sieben Fässer Wein über die Bühne gerollt hatte.

Ich war ja skeptisch bei solchen Riesenkonzerten, besuche ich üblicherweise doch kleine Gigs und höchstens mal Festivals, wo ein paar mehr Leute zusammen kommen. Bei Flogging Molly in einem deutlich kleinerem Kieler Veranstaltungsort fühlte ich mich ob der vielen Menschen und dem Gedränge nur bedingt wohl, doch die Ostseehalle sollte mich heute positiv überraschen. Weder beim Einlass noch beim Bierholen noch beim Bierwegbringen (Pipimachen muss man) musste man erwähnenswerte Zeit mit Warten aufbringen und gedrängelt hat auch keiner. Und das Problem mit der „freien Sitzplatzwahl“ löste die Frau eines Mitstreiters brilliant, da sie uns einfach mal locker 7 Plätze freihielt, während wir im Gasthaus noch dem Gerstensaft fröhnten.

Nun konnte es also losgehen und die Vorband BOOZE AND GLORY war natürlich eine gute Wahl. Sing A Long Punk/OI, den man so in größeren Hallen nicht alle Tage hört. Guter Opener von ca. 30 Minuten Länge. Dann nochmal aufs WC, wo ich prompt meinen Chef traf. Seine Freage, ob ich vor 20 Jahren rechtsradikal war, konnte ich ja nun guten Gewissens beja..äh verneinen und demnächst bring ich ihm mal paar alte Skintonics und Skin Ups mit, nicht dass er hier noch Broilers und Onkelz durcheinanderbringt.

Und dann endlich die BROILERS! Sie präsentierten einen bunten Strauß aus alten und neuen Hits. Ich hatte erwartet, dass die älteren Oi-Sachen hierbei durch Sammy mit Kommentaren versehen würden wie „Hahaha, ja wir waren jung und ein kleines bisschen doof“. Aber dem war nicht so, die alten Songs wurden mit großer Selbstverständlichkeit gespielt und das finde ich prima. Besonders hervorzuheben sind hierbei für mich „Paul der Hooligan“, „Nur die Nacht weiß“ und „Schenk mir eine Blume“, welches ja sogar die Zugabe der Zugaben ist.

Die aus meiner Sicht schönsten Kracher jüngeren Datums waren „Tanzt du noch einmal mit mir“, „Meine Sache“und „Harter Weg“.

Die Vorband wurde auch öfters noch mit einbezogen, so z.B. beim gemeinsamen „London Calling“ Cover. Den „Bernd Knauer“- Einspieler, von dem die Kieler Nachrichten am nächsten Tag schrieben, hab ich allerdings irgendwie nicht mitbekommen. Das lässt sich verkraften, denn die BROILERS haben uns hier einen rundum gelungenen Abend beschert.

RINN INNE PANN

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