BACK TO FUTURE Festival

21. & 22. Juli 2006, Glaubitz

Mit dem für mich bisher besten Line-Up ever wartete das diesjährige Back-To-Future-Festival in Glaubitz auf. Deshalb ging´s auch mit nur lässigen 45 Minuten Verspätung auf ins Tal der Tränen. Zweieinhalb Stunden Landstraße, das rockt. Wart Ihr schon mal in Horst? Ich ja, und da ist nicht nur eine Töle am Dorfanger verbuddelt, das steht mal fest.


FREITAG


Als wir eintreffen, registriere ich mit einigem Unbehagen, dass der diesjährige Zeltplatz wesentlich weiter entfernt vom Festivalgelände entfernt ist, als letztes Jahr. Dafür würde dank der saftiggrünen Wiese wohl das befürchtete, auf allen Festivals immer traditionelle, Staubarmageddon ausbleiben.

Also Lager errichtet, die archaische Zeltbaukunst der Nachbarn begutachtet, ne Terpe aufgerissen, und los zu den Guitar Gangsters, die mit 19.30 Uhr reichlich früh angesetzt sind. Leider will der Funke trotz der geschmeidigen und altbewährten Mischung aus Punk und Melodie nicht so richtig überspringen, schade. Dafür sehen die aber alle aus wie abgehalfterte Chemielehrer, das ist gut. schippert danach irgendwie an mir vorbei.

Was ich mitbekomme: Dem Basser reißt ne Saite, die machen weiter, und man hört keinen Unterschied... Ich würd den rausschmeißen und ne Zwei-Mann-Brettercombo draus machen, das hätte echt Stil. Ansonsten sind die Holländer mit ihrem Schweinerock beim Publikum ganz weit vorne.

Überhaupt, muss ich sagen, dass das im Vergleich zu anderen Punkfestivals seinesgleichen sucht, kaum Stress, wenig Wichser und eigentlich immer gute Stimmung, das hat Charme. Genau wie der Sammy von den Broilers, der immer so süß unter seinem Pork Pie vorlinst. Und nebenbei ne saubere Show liefert, okay n bisschen viel Geheule, aber Geschmäcker sind ja verschieden, watt, Düsseldorf?

Bis jetzt definitiv die beste Band des Festivals. Smoke Blow schenk ich mir, die kriegen mich nicht vom Bierstand weg. Ich mache mich auf den Weg zum Zeltplatz. Dem fallen auch die Toasters und die Dead Kings zum Opfer. Letzter Halt: Lousy - ne Bank wie immer und n schöner Nachtisch für n angenehmen Festivalfreitag.


FREITAG


Neuer Tag, neues Glück. Aber erst mal ab ins Waldbad - in dem sich schon mehrere hundert Assis gut die Kante geben. Höhepunkt ist sicherlich der gewagte Sprung eines jungen Mannes vom 3-Meter Turm - inklusive Surfbrett...
Und während andere damit beschäftigt sind, auf einer ins Wasser geworfenen Bank rumzuklettern, sich zu zehnt im städtischen Paddelboot zu aalen oder einfach nur ihren Rausch auszuschlafen, leckt der wohl noch seine Wunden.

Wie stehts aber eigentlich mit dem Kulturbeitrag des Tages? Zum Beispiel mit 2nd District ? Auf jeden Fall nicht schlecht, gefallen mir immer besser. Leider ist bei tropischen Temperaturen noch nicht viel los auf dem Acker. Also schnell wieder zum Auto, an die Kühlbox anstöpseln. Dadurch verpasse ich die Go Faster Nuns, die aber ausnahmslos gute Kritiken für den Glaubitzaufenthalt eingeheimst haben. Die Peackocks gibt’s über den Gartenzaun, auch mal schön, aber auch die zünden leider nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Queers - genau dasselbe. Schade.

Es bleibt also Zeit, sich in aller Seelenruhe auf meine Lieblingsholländer einzuschießen. Huch, was ist das? Die sind ja stinkbesoffen, scheiß Skinheads... Dafür haben die Ansagen von Han in diesem Stadium ordentlich Stil. Die meisten Sätze werden zum Ende einfach abgebrochen oder enden mit: bääh, ääähh oder uohh. Fließbandhits gibt´s trotzdem. Und erste Dehnungsübungen auf der Tanzfläche. Den Typen mit den Teppen kenn ich nicht...

Auf Mad Sin hab ich mittlerweile keine Lust mehr, die zwar saumäßig professionell ihr Ding durchziehen, sich aber einfach zu oft auf den Bühnen der Nation sehen lassen. Vielleicht wäre weniger da manchmal mehr. Dann tanz auch ich wieder zu Communication Breakdown, versprochen. Für die Lokalmatadore gilt wohl das gleiche.

Von Abwärts hatte ich gar nichts erwartet und wurde somit auch nicht enttäuscht, gab da wohl n paar Anfeindungen zwischen Publikum und Band, aber mir ist das egal. Denn für mich kommen mit Red Union und den Rock´n´Roll Stormtroopers jetzt die wahren Helden von Glaubitz. The Partisan, I hate girls like you, Student Radio - alles Hymnen und die neuen Titel im Gepäck der Serben scheinen dem in nichts nach zu stehen. Da freu ich mich aber auf das neue Album, dass es mittlerweile auch beim Lieblingsplattenhändler zu erstehen gibt.

Die Stormtroopers danach, einfach herrlich. Soviel Klischee bedient wohl nur noch Hard Skin. Cool. Die Frage ist bloß, was machen die eigentlich auf ihrem zweiten Album? Alle Rock’n’Roll- und Bluesstandards dürften bereits verwurstet sein. Da mach ich mir Sorgen drum, wenn’s soweit ist. Und hör mir bis dahin einfach noch mal 1 000 mal die erste Platte an...

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