999 (mit Lustfinger)

im Feierwerk in München am 1. April 2015
Ort / Location: 
München, Feierwerk
Datum: 
1. April 2015
999 (mit Lustfinger) Gig Gigbericht Konzert

Trotz des kurzeitigen Wintereinbruchs, der wohl, 5 Euro für das Phrasenschwein, ein Aprilscherz von Petrus gewesen sein musste, versammelten sich an die 100 Gäste im Orange House des Feierwerks um die Münchner "81er-Punklegende" Lustfinger und die Londoner 77er-Alt-Punker von 999 zu begutachten.
Begutachten!? Exaktamente, von "abfeiern" konnte gen Anfangs keine Rede sein. Mit ca. 5 Metern Abstand zur Bühne brauchten die Zuschauer wohl noch etwas Zeit den "Finger" aus dem Arsch zu bekommen. 10 Euro im Phrasenschwein.

Und so echauffierte sich der Sänger von Lustfinger bereits kurz nach dem Start ihres Sets über die Zurückhaltung des Publikums und versuchte verzweifelt die Herrschaften in Richtung Bühne zu winken. Waren im übrigen nicht schlecht, diese Lustfinger. Erst im letzten Drittel mogelten sich ein paar Durchhänger ein.
Ihr "Staatsanwalt" war neben dem "Bademeister" der Tauben der Mitgröhl-Bierdosen-Baggersee-Opel-Kadett-Fun-Punk-Hit des Jahres 1990. Man, Wildleder-Cowboy-Stiefel mit ausgetretenem Absatz, Moonwash-Stretch-Jeans knalleng über die Oberschenkel, schlecht verklebte Nietengürtel, die sich nach einmal Tragen von selbst auflösten. Yves Saint-Laurent hätte bei diesem Anblick einen sofortigen Schlaganfall erlitten, nein, einen multiplen Nervenkollaps, und dann dieses Lied, dieser Text...
Das alles in Kombination ist heute, 25 Jahre später, nicht mal mehr peinlich, sondern nur noch hochgradig bizarr.
Insofern muss man Lustfinger zugestehen, dass sie wirklich, zumindest ein kleines bischen, "Eier" hatten, 15 Euro im Phrasenschein, den Song zusammen mit einer abgeänderten Version des "König von Deutschland" als Zugabe zu spielen, natürlich nicht ohne ein kleines Entschuldigungs-Intro von wegen man müsse doch Spass verstehen und der Text sei ja nur Ironie.
Zu dem Song wurde damals im übrigen ein Video gedreht, welches man tatsächlich im Fernsehen ausstrahlte. Und ich habe es gesehen!

Wenn man sich alte Plattencover von 999 ansieht, erscheinen sie einem wie Powerpopper. Was an diesem Abend auflief war wohl weniger Way-of-live- als altersbedingt eine Skinhead-Combo, und wenn man mir ihren launigen Pub-Rock als "Skinhead-Rock'n'Roll" verkaufen würde, ich würde es glauben.
Und dann kam auch richtig Stimmung auf. Einige pogten, andere, inklusive meiner Person, zappelten mit den Beinen und liessen die Hüften kreisen, als die vier verschmitzten Kahlköpfe eine tanzbare Nummer nach der anderen abrissen. Das alles natürlich ohne bemerkenswerte Hits die grössere Konzentration erfordert hätten. Das ganze hatte etwas von einem gelösten Abend im Irish Pub: "A couple a beers and a rock'n'roll show." 20 Euro im Phrasenschwein.

Kommentare (1)Kommentar schreiben

 

Arturo Bassick - ein verschmitzter Kahlkopf???

Kommentar hinzufügen

Wird nicht veröffentlicht
To prevent automated spam submissions leave this field empty.
Fill in the blank
Login