2nd Ska & Vintage Reggae Festival

am 15. August 2015 in Bradford
Gigflyer
Ort / Location: 
BRADFORD (UK),
Datum: 
15. August 2015
2nd Ska & Vintage Reggae Festival Gig Gigbericht Konzert

Gute Festivals gibt es ja viele. Dieses Jahr zog es mich auf einen echten Geheimtyp im schönen (nicht im konventionellem Sinne) Bradford im ebenfalls im unkonventionellem Sinne schönen England.

Nach (immer wieder) köstlichem English Breakfast stand ein Treffen mit David, dem Veranstalter an, der so begeistert von meiner weiten Anreise war, dass er mich persönlich meeten and greeten wollte.

Er stellte sich als ein megafreundlicher und vor Begeisterung für Ska-Musik und sein Festival sprühender älterer Rude Boy heraus, dessen Eltern 1960 aus Jamaica übergesiedelt waren und der die goldene Musik von Kindesbeinen an aufgesogen hat.

Nach ca. 90 Minuten im Cafe siedelten wir in den nebenanliegenden Pub über, der um 12.30 Mittags aus allen Nähten platzte. Ein Sitzplatz war nicht mehr drin, was aber ja auch nicht störte, denn die Mischung aus Fans des hiesigen Fußballklubs, der wenige Stunden später zum Heimspiel rief (da waren ein paar gewaltige Schlägervisagen bei) und Familien mit Kindern sorgte für reichlich Stimmung und Stehplätze sind ja eh besser.

Hier trafen wir auch auf einen Kumpel von David, der sein Brot erwirbt indem er das 4tägige Nice & Sleazy - Festival auf dem, nach seinen Erläuterungen, neben Punkbands auch ein mittlerweile 72 Jähriger Elvis-Imitator beliebter Dauergast ist.

Auch dieser Herr erzählte bei Bier & Cider amüsante und historisch brisante Geschichten, etwa das Micky Fitz auf Besuch in seinem Haus lautstark Smoky gehört hat um anschließend zu beichten, dass das seine Lieblingsband sei.

Die Lieblingsband von Nice & Sleazy Veranstalter Ivan selbst ist übrigens Queen, die er bereits als Vorband von Mott the Hoople in Bradford live erlebt hat. Bei diesem Anlass sprach Ivan auch das erste von insgesamt gezählten 23 malen mit Freddie Mercury. Nicht schlecht, Herr Specht!

Während es für David irgendwann Richtung Universität (dort fand das Festival statt) und für Ivan in den nächsten Pub ging, ging ich nochmal was schnabulieren und dann den ersten Rausch des Tages ausschlafen bevor umgehend danach der zweite folgen sollte.

Was englische Ska-Konzerte von deutschen unterscheidet ist ja zB, dass wenn man sich auf dem Weg zum Veranstaltungsort verläuft, zwei Frauen um die 60, schick aufgestylt und bei bester Laune den Weg umgehend zeigen können, da sie selbst auf das Konzert wollen.

Zwischen 500 und 600 Freunde der Bluebeat Musik sollten an diesem Abend zusammen kommen und nachdem ich an einer ausgiebigen Diskussion zwischen Altskins und Rastas teilgenommen hatte, ob “Ska oder Reggae besser sei”, widmete ich mich der ersten Band “Natural Rhytmn”.

Sie ist dem einem oder anderem vielleicht von den Ska Wars- Samplern mit dem Beitrag “Bluebeat and Ska” bekannt. Eigentlich etwas komisch, dass diese ausgezeichnete Band gleich zu Beginn und schon vor 20 Uhr spielte, aber Davids Theorie war, dass so “gleich alle von Anfang an in Stimmung kommen und tanzen” - und dieser Plan ging voll auf.

Im Anschluss dann eine lokale Band namens “Style Selektors”, die primär auf Coverversionen von Klassikern setzte (Monkey Man und so) und auch hier war die Stimmung ausgezeichnet. Überhaupt sollte man Songs wie eben Monkey Man oder Everything I own an diesem Abend öfters hören, hier ging es eben nicht um irgendeinen raren Scheiß, sondern um Hits Hits Hits, Spaß Spaß Spaß und Cider Cider Cider.

Nun sollte es etwas relaxter zugehen denn die Reggae Band Selah Sounds enterte die Bühne. Es wurde smoother aber nicht übler, der Sound passte und das bereits angesprochene “Everything I own” Cover wurde etwas tighter, mit Boss-Reggae Anleihen dargeboten und war eines der Highlights der sympathischen Combo.

Kurz darauf kamen die Mitglieder der großartigen DUALERS auf die Bühne und jammten sich ein. Bis auf Sänger Tyber, der blieb im hinterem Bereich und schien diverse Yoga-Übungen zu praktizieren. Sportlich, sportlich und vielversprechend in bezug auf eine schwungvolle Bühnen-Performance. Die war dann auch großes Kino auch wenn ich der Meinung war, dass der Tyber ein bisschen müde wirkte. “Don't go” ist und bleibt ein Überhit und das obligatorische Bob Marley Cover war “Waiting in Vain” und exzellent umgesetzt.

Nach dem Auftritt bestand David darauf, mich mit in den Backstage zu nehmen und unterrichtete die verdutzten und abgekämpften Dualers über die Tatsache, dass ich der einzige deutsche Gast auf diesem Festival sei.

Tyber, der glaube ich, nur noch in die Heia wollte um eine Mütze gesunden Schlaf zu nehmen, erwähnte dass die Dualers auch mal in Deutschland gespielt hatten, nämlich in Bielefeld. Meine folgenden Ausführungen, dass in Deutschland viele Leute der Meinung seien, dass Bielefeld nicht existiere, entsetzten den talentierten Sänger und er verabschiedete sich verständlicherweise.

Nach meiner Rückkehr aus dem Backstage zeigte sich, dass der Großteil des Publikums am Ende der Kräfte zu sein schien und sich auf dem Nachhauseweg befand. Für die jetzt (auch wieder sehr gelungen) zum Tanze aufspielende Combo “The Indecision” eine etwas undankbare Aufgabe.

Aber gut, es war ein hervorragendes und sehr liebevoll gestaltetes Festival, dessen Besuch ich nur jedem empfehlen kann.

Nächstes Jahr im Juni! Big up!

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Smokie!

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