TONY SLY
12 song programCD/LP, Fat Wreck
Die Frage ist: WARUM? Schlicht und einfach "Warum"? Warum müssen betagte, gestandene Punk Rocker ihren Reifeprozess mit Akustik-Soloprojekten dokumentieren?
Die medizinische Version: Der Betreffende wird von einem schmerzhaften Tinnitus geplagt, laute Gitarren zerren ihn an den Rand des Wahnsinns.
Die Popstar-Version: Verwerfliches Schielen nach größerer Popularität, besser bezahltem Rampenlicht? Mainstream-Mucke für Mainstream-Erfolge?
Die Künstler-Version: Kreative Askese im Schatten der stromlosen Gitarre, die stimmungsgewaltigen Momente am Lagerfeuer?
Mumpitz. Wenn ein Punk Rocker emotional berührt in sein Jack Daniels-Glas weinen möchte, legt er Johnny Cash oder Mike Ness ein. In positiven Momenten der Enspannung greift er zu Jack Johnson, in ganz friedfertiger Stimmung vielleicht sogar zu Dylan oder Bob Seeger. Das sind die Chefs in der Klimper-Liga, die dürfen das.
Bringt uns zu Tony Sly zurück. Tony war/ist Sänger bei NO USE FOR A NAME, einer recht bekannten California-Kapelle. Die haben im musikalischen Fahrwasser von Bad Religion bzw. No FX über die Jahre hinweg ausreichend für gute Laune gesorgt, nach zackigen Anfängen wurde sich behaglich im La-La-Melodic/Fat Wreck-Sound eingerichtet.
Für besinnliche Eskapaden besteht keinerlei Notwendigkeit, so etwas hätte vielleicht Tom Araya nötig. Aber der würde so etwas nicht machen. Das unterscheidet ihn von Tony Sly. Der macht sowas. Aber warum?
Die 12 Songs seines Debütalbums sind nicht schlecht, nur komplett überflüssig. Punk Rock und Singer/Songwriter-Geschichten waren bislang zwei paar Schuhe, das soll so bleiben. Dem Punk Rock ist über die Jahre durch Musik-Industrie und Medien schon zuviel Mainstream untergejubelt worden, Akustik-Projekte sind ein weiterer Schritt Richtung Zahnlosigkeit. Paradise

PULLOUT
eagles & vulturesCD, Razorblade
Nietenbesetztes Hardcore-Brett aus Northern California, cooler Mix aus (grobe Richtung!) MONSTER SQUAD, UNSEEN und KRUM BUMS.
Das Beste aus einem auffrisierten CHARGED/PUNKCORE-Sound, klassischem 83'er US-HC mit hintergründiger Vorbildwirkung und einem satten Quantum an zeitgemäßen Gleitmitteln: Brachiales Tempo, herzhafte Singalongs und sehr intensive Vocals, versetzt mit diesen interessanten Momenten (u.a. auch als Tempi-Wechsel zu orten), welche man 2009 definitiv braucht, um nicht ganz stumpf nach Retro bzw. NO WAY-Rezeptur oder UNSEEN-Klonerie zu klingen.
Ein ungebremster Schädelspalter, really heftig und verdammt wütend!
Das Album erschien in den Staaten auf DOWNTOWN ACADEMY, der Home-Base von PRESSURE POINT und WHISKEY REBELS, mit denen die PULLOUT-Punx auch sonst ganz dicke sind (der lokale Schulterschluss zwischen Hardcore-Fraktion und Streetpunk-Brigade scheint zu funktionieren, muß ja nicht immer nur Phrase sein. Paradise

QUARTIER LIBRE
69, 77, 84 ...CD, Randale Records
Wäre das Heu nicht gewesen, hätte ich QUARTIER LIBRE diesjährig sogar auf sächsischem Rasen live in Augenschein nehmen können, aber der entzückend-verwirrte Veranstalter war gerade in einen Heu-Transport verstrickt und meinte nur kurz telefonisch, "irgend 'ne französche Ska-Band fängt heute an, geene Ahnung, wie die heeßen". Na, dann! sagten sich Freund Hinkel und ich und bestellten zeitgleich in 500 m Luftlinie vom Auftrittsort in aller Seelenruhe ein italienisches Gericht. Unbekannte französische Ska-Bands waren nicht so unsere Stärke und schließlich gab es am selben Abend noch SKARFACE als Hauptgang.
Im Nachinein sehr schade, QUARTIER LIBRE aus Sedan hätte ich mir liebend gern gegönnt. Mein Appetit wurde durch vorliegende CD geweckt, welche im idyllischen Schwarzwald entstand und 12 frankophile Köstlichkeiten enthält.
First at all, QUARTIER LIBRE sind natürlich keine Ska-Band im eigentlichen Sinne (zumindest auf diesem Album nicht), sondern eher eine Oi!/Streetpunk-Band mit offensichtlicher Offbeat-Vorliebe. Was ein verdammt großer Unterschied ist, denn manches kann man/ich nur portioniert genießen. Ska zum Beispiel. Da sollte der Punk oder Oi! als versöhnende Begleitung nicht weit sein.
Wie bei QUARTIER LIBRE und ihrem "Offbeat-Punk", da ist alles an seinem Platz: Texte in Landessprache, strammer Punk-Sound als Basics, locker flockig mit Offbeat-Verspieltheit serviert. Macht gute Laune, ist angenehm leichte Kost. Paradise

THE NERDS
a black star burning trails to nowhereCD, Scarey
CONFEDERACY OF SCUM goes Italy? Ein ANTISEEN-Fanclub aus Voghera beamt sich mit 10 Songs in die Welt von Jeff Clayton, Rebel Flag und Bourbon. Der übliche geschredderte Scum-Mix aus viel Hard Rock, Southern Rock, dirty Rock'n'Roll etc. Eine Zeitlang durfte man auch mal "Schweine-Rock" dazu sagen. Als Kompliment.
Die NERDS spielen "Schweine-Rock on Speed", auch wenn sie es selbst "The one and ONLY Destructo Rock Inferno" nennen. Aber in ihrer Gegend sagt man ja auch Tagliatelle zur Bandnudel. Ab und an ("The Traitor", "Eye for an eye") wird etwas auf's Pedal getreten, das kickt dann ganz ordentlich und tendiert in die POISON IDEA meets MOTÖRHEAD-Ecke. Ansonsten stehen aber auch LYNNARD SKYNNARD und Kollegen auf dem Altar und man bemüht den wild jaulenden Gitarren-Gott etwas zu oft.
Geschmackssache. Für DieHards dieser Sparte sicher solide Kost, die Italo-Scumboys sind ja auch schon seit 1997 am feilen. Namedropping: Der umtriebige BOOTLEG BILL hat ebenfalls einige Gitaren-Solos über einen Song gefiedelt, falls das jemand interessiert. Paradise

OXXON
Radio ZeroCD, Eigenproduktion
Drei Schwaben ("Playing Punkrock since 1995!") mit einer netten Mixtur aus LEATHERFACE Light, etwas Midwest-Sound (HÜSKER DÜ ca. 1987) und UK'77 Basics. Das schwäbische Moment hört man nicht wirklich, das "Aha"-Erlebnis stellt sich trotzdem nicht ein.
Dabei kein schlechtes Album. Wäre vor 15 Jahren spannend, vor 25 Jahren sogar herausragend gewesen. Heute wird exakt dieser Sound im Dudelfunk deutscher Großstädte als cooler Punk Rock hoch und runter gespielt und von hippen Stadtmagazinen abgefeiert, was ihn damit schon ad absurdum führt.
Das OXON-Problem: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Es bleiben: 12 nette Songs, wie man sie aus Stuttgart nicht erwartet und dementsprechend auch nicht honoriert. Schade.
Bei OXXON steht die Musik klar im Vordergrund, das Image kommt zu kurz. Und ohne cooles Image, aufgesetzter Attitude etc. verschwindet man ganz anonym in der Masse. Wie OXXON. Leider. Paradise

LOCATORS
locatorsCD, Heptown Records
Ein dänischer Mix aus frühem Uk- und frühestem US-Punk, etwas Beat und Garage dazu, das ergibt 11 korrekt lärmende Stücke, die die Kurve zwischen dreckiger und guter Produktion kriegen. Damit werden die Locators nicht unbedingt die Welt aus den Angeln heben, aber für eine gerade mal 2 Jahre alte Bands ist das schon was.
Den Wiedererkennungswert müssen sie allerdings noch erspielen, so taugt das aber zum Kurzweil.
Collaps [6/10]

DIE LOKALMATADORE
Söhne MülheimsCD, Teenage -Rebel –Records
Jahrelanges Warten hat ein Ende und jetzt endlich, endlich ist sie da, die neue Lokalmatadore CD…. Eine lange Playlist, standesgemäßes Booklet - also nix wie rein in den CD Player und los!
Na ja, die erste kleinere Enttäuschung ist der Sound – klingt irgenwie etwas dünn, aber da ist man nach zwei Liedern drüber weg.
Und nachdem die CD dann durchgelaufen ist, hat man das (meiner Meinung nach) übliche Lokalmatadore - Dilemma: es gibt insgesamt 16 Songs: 5 davon einfach nur großartig (u.a. ein sehr gelungenes Peter-and -the-test tube-babies Cover von banned from the pubs mit adäquatem deutschen Text namems „Lokalverbot“, „Dreierlei Geschmack“ und „Ich und meine Kiste“, 5 Songs Mittelmaß und 6 Songs (leider nur) Lückenfüller.
Irgendwie ist die letzte durchweg gute Scheibe der Lokalmatadore die „Heute ein König, morgen ein Arschloch“ LP gewesen – und die kam vor 15 Jahren heraus. Dabei ist man der Aso–Menthalität bis heute 100% treu geblieben und auch von dieser CD werden spätestens in einem halben Jahr wieder zwei, drei Songs auf jeder Schrebergartenparty oder Kreisliga C Saisonabschlußfahrt laufen – aber wie gesagt, als Gesamtpaket ist das bei der Fülle der Songs doch etwas wenig.
Theoretisch dürfte ich nur 5 Punkte geben, aber da ich definitiv immer noch die lokalmatadoregefärbte, rosarote Brille aufhabe und meine Tochter das Lied „Pipi machen, Zähne putzen, ab ins Bett" liebt , gebe ich insgesamt
6,5 Punkte für dieses Machwerk asozialer Pottkultur!Dr. Seltsam [6.5 von 10]

EYESIGHT
Wir bleibenCD, Antstreet Records
Nach eigenen Angaben gehören die vier Jungs von EYESIGHT nach 12 Jahren Bandgeschichte, „unzähligen Livekonzerten“ und vier Alben zu den „mittlerweile dienstältesten Punk Rock Bands des Saarlandes“ …. Nun gut, an mir sind sie jedenfalls bis heute vorbeigerauscht - und das nicht ohne Grund, wie ich nach mehreren Hörversuchen festgestellt habe.
So klingt das dann also, wenn man dem Lebensgefühl PUNK jegliche Straßenköterattitüde entzieht: glattgeschliffener Punkrock, textlich (Niveau: eher-Deutsch-Leistungskurs-mit-Nebenfach-Politik–dazu-der-Wunsch-später-mal-Philosophie-zu-studieren–aber-den-Eltern-zuliebe-wird’s-dann-doch-Jura) und musikalisch (weil jeder Break zu erahnen ist) ohne Ecken und Kanten, der wahrscheinlich auf Abi-Abschlussfeiern durchaus den einen oder anderen abgefüllten Schüler zum wilden Abtanzen animiert und die spätpubertierenden Mädchenherzen zu erhöhter Taktzahl anregt.
Die Jungs spielen halt „…die Melodie in unserem Leben, die das was zählt für uns zusammenhält…“, während Bands wie COR eben „…den Sound der Straße, der euch mit sich reißt…“ um die Ohren hauen.
Das ist jetzt nicht so negativ gemeint, wie es sich vielleicht anhört, weil EYESIGHT ja gar nicht erst versuchen, sich als Straßenköter zu verkaufen. Aber trotzdem beschleicht einen ein ungutes Gefühl, weil der aufgedrückte Punkrockstempel einfach gar nicht passt und sich die Band soweit vom Lebensgefühl der Bewegung entfernt hat, dass es schon fast wieder anmaßend ist, diesen schnelleren Rock auf Silbermondniveau als Punkrock zu bezeichnen.
Dr. Seltsam [3.0 von 10]

E-ALDI
alle gegen alle
elektrolyteCD's, Eigenproduktion
Zwei CDs der Marke Eigenbau habe ich von Maik, einem seltsamen Vogel aus Kirchlengern hier vorliegen – nach eigenen Angaben sind das Album Nr. 6 (Alle gegen Alle) und Nr. 7 (Elektrolyte) und der, ähem, Solokünstler macht seit 2006 Solo-Elektro-Punk-Krach „….mit einem Computermusikprogramm und einem Keyboard, welches zum Teil verzerrt wird….“
Also, die musikalische Qualität ist nach heutigen Maßstäben einfach nur Schrott – selbst mein alter Kumpel Moritz M. hat Anfang der Neunziger mehr aus seinem Atari rausgeholt als Maik alias E-Aldi heute. Und ganz ehrlich – die Slime Cover CD „Alle gegen Alle“ verdient das Prädikat „unhörbar„ und geht mit 0 Punkten nach Hause – das haben Slime nicht verdient.
Dass Maik aber mit voller Inbrunst einfach macht, worauf er Bock hat, nämlich eben Solo-Elektro-Punk, imponierte mir dann doch und als auf seiner Myspace Seite Fotos von Liveauftritten auftauchten, die irgendwie genau so schräg rüberkamen, man sich das als Punkrockgroßvater eigentlich wünscht, gab ich der zweiten CD trotz anfänglicher Abneigung nach dem Slime Cover doch noch eine Chance.
Auf der CD „Elektrolyte“ gibt es dann größtenteils eigene Songs zu hören – musikalisch untermalt von dem berüchtigten, äußerst minimalistischen Elektrosound aber irgendwie hat das dieses mal was.
Ich sage es mal gaaaaaaaaaaanz vorsichtig: wer ganz, ganz weit über den Tellerrand hinausschauen möchte, mit Deichkind (auch wenn die mich für den Vergleich wahrscheinlich erschlagen würden) was anfangen kann und über Texte wie „Brot kann schimmeln – Und du kannst nichts!“ und einen Song über den Fünf- Freunde Hund Timmy („Er ist der Hund von George, ihr Freund zu jeder Zeit, er jagt die Verbrecher, ist immer zu allem bereit – Timmy!! Wau!!") lachen kann (so wie ich), der sollte ruhig mal 2,50 € (+ 1,45 € Porto) investieren und sich die CD zulegen (geht wohl über die E-mail Adresse e-aldi@gmx.de)
Dr. Seltsam [Alle gegen alle: 0.0 von 10; Elektrolyte: ohne Wertung]

EXKREMENT BETON
schön, stur, arrogantCD, Plastic Bomb Records
Aus Brandenburg kommt die Combo und geboten wird ziemlich schräger (Oi-) Punk mit derber Wortwahl und Mut zu schrägen Texten.
Ich denke mal, das wird ein ziemlich polarisierendes Ding mit der Band, weil die Art von Humor definitiv nicht überall ankommt. Das Ganze klingt, grob eingeordnet, wie eine harte Oi Version der Kassierer in ihren Anfangstagen.
Da das Label ein paar Songs ihrer ersten 7“ mit auf die CD (insgesamt gibt es 16 Songs auf die Ohren – in unterschiedlicher Aufnahmequalität) gepackt hat, bekommt man auf jeden Fall einen ganz guten Überblick über die Entwicklung von Exkrement Beton von der Gründung 2001 bis heute … ach ja, ein Schleimkeim Cover gibt es auch.
Ich persönlich finde das ganze extrem spaßig und werde auch in Zukunft mal ein Auge in Richtung Brandenburg werfen … bin mal gespannt, ob, und falls ja, was da in Zukunft noch kommt.
Dr. Seltsam [6.0 von 10]

PÖBEL & GESOCKS
Beck`s PistolsLP/CD (CD Sunny Bastards, LP Crazy United Records)
Acht Jahre nach der “Lieder über Leben und Tod” CD , die ich für eine der schlechtesten Pöbel & Gesocks Platten überhaupt halte, also wieder mal ein neues Album von der Oi-Punklegende aus Dinslaken.
Die (limitierte ) LP kommt mit schickem A2 Poster daher, die Digipack CD mit Aufnäher. Also hat man sich da wenigstens schon mal was einfallen lassen… was aber eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, denn das Album hats in sich. Geile, eher pöbeluntypische fette Aufnahmen, ein Willi Wucher in Höchstform und textlich ein absoluter Sprung nach vorne!! Wirklich Hymne um Hymne geben die vier Ruhrpottproleten da zum Besten und lediglich einer („Weltuntergang“) von insgesamt 13 Songs fällt da etwas ab.
Wie Willi und seine Mannen es letztendlich geschafft haben, selbst die obligatorischen Sauflieder reifer klingen zu lassen, bleibt ihr Geheimnis. Fest steht jedoch, dass dies nicht nur das beste Pöbelalbum der letzen Jahre ist - im Oi Punkbereich dürfte es überhaupt schwierig werden, das Album zu toppen. In jedem Song gibt es Zitate, die einfach in Jahrzehnten noch Bestand haben werden…
Insgesamt sprechen die Texte nicht mehr unbedingt den U20 Generation an sondern eher die in die Jahre gekommene. Und auch wenn jede Pöbel und Gesocks Ballade - in dem Fall der Song „Alltagsschlacht“ - irgendwie an das uralte „Diego Maradonna“ erinnert, Willi (ja genau der, der „die Frau, die immer will“ gesucht hat) sich jetzt über „Barbie-Verschnitte mit künstlichen Titten“ aufregt und auch eher untypisch parteipolitisch (nämlich gegen die FDP) Stellung bezogen wird – gerade das Betreten neuer Wege hat sich 100%ig ausgezahlt.
Dr. Seltsam [8.0 von 10]

4 SKINS
the returnCD/LP, Randale Records
Gary Hodges erweckt die 4-Skins im Alleingang zu neuem Leben. Vielleicht hätte er das lieber bleiben lassen sollen.
Unter den 14 Album-Tracks sind auf „The Return“ 6 neue Songs zu finden, 6 weitere sind immerhin neu eingespielt, hinzu kommen 2 Slade-Covers. Die Produktion ist nicht zu sauber und im Prinzip wäre dies oberflächlich betrachtet ein gar nicht mal so schlechter Output. Doch beim Durchblättern des unspektakulär aufgemachten und schlecht designten Booklets stolpere ich über ein paar Textzeilen, die mich meine Meinung augenblicklich revidieren lassen.
Im Song „Take no more“ heißt es: „Immigrants overun our land. Benefits office with an outstretched hand Competing for our homes and jobs,. Begging in their gypsy mobs Our country’s full, fear the worst […]“.
Bereits in den 80ern waren die 4-Skins bekannt für ihre eher unreflektierten Texte; hiermit setzen sie dem Ganzen die Krone auf. Hatten sie sich nach Southall noch vehement dagegen gewehrt, als rechts abgestempelt zu werden, katapultieren sich die 4-Skins nun, 29 Jahre später und beschnitten um ¾ ihrer ursprünglichen Mitglieder, selbst in dieses Lager und damit ins politische Abseits. Kein besonders respektvoller Umgang mit dem 81er Erbe!
Sowohl CD als auch LP erschienen bei Randale Records und das enttäuscht mich an der VÖ eigentlich am meisten, war dieses Label in meinen Augen doch bislang eines der besten in Sachen Oi!/ Streetpunk. Wenn man der Berichterstattung des Oireszene-Blogs Glauben schenken darf, dann gab es auch eine Stellungnahme von Randale Records zur Zusammenarbeit mit den 4-Skins, in der es heißt, dass das Label „auf keinen Fall vor irgendeinen politischen Karren gespannt werden“ will und „dass weder wir (Randale-Records) noch 4 Skins politische Interessen haben und in keinster Weise für irgendwelchen Faschismus stehen!!!“
Nur erübrigt sich das „vor einen politischen Karren spannen lassen“, wenn die Labelbetreiber dem Kritiker mit einer solchen Veröffentlichung diese Möglichkeit vorwegnehmen und sich selbst vor einen (rechts-)politischen Karren spannen. Und ebenso hat eine Distanzierung vom Faschismus noch nie die Verbreitung rassistischer Inhalte legitimiert! Nein, es scheint beinahe so, als hätten sich Oli & Diana mit diesem Album selbst disqualifiziert…
Kalkov
STELLUNGNAHME DAZU VON DIANA (RANDALE RECORDS):
"Die 4-Skins waren schon immer eine Band die mich sehr geprägt haben. Nach Cock Sparer waren sie eine der wichtigsten Bands in meinem Leben als junger Skinhead. Als wir nun mit unserem Label randale-records Kontakt zu den 4-Skins hatten und diese uns angeboten haben, dass wir Ihr neues Album herausbringen können, habe ich mich unheimlich gefreut. Vielen anderen wäre es wohl auch so gegangen. Wir haben zu dieser Zeit in keinster Weise daran gedacht, dass sich die 4-Skins textlich in einem fragwürdigen Bereich tummeln. Von Ihren alten Liedern kennt man das nicht.
Ich muss auch ehrlich zugeben, dass wir hier sehr naiv waren. Wir haben uns die Musik angehört und fanden sie gut. Mit den Jungs von 4-Skins haben wir uns prima verstanden, Politik war nie ein Thema. Auch haben wir die Texte nicht gelesen und beim Zuhören auch nicht so sehr darauf geachtet. Die problematische Stelle im Lied "Take no more" kannten wir somit nicht und sind erst durch die Berichte im Internet darauf aufmerksam geworden. Wir waren erst einmal selbst sehr irritiert denn der Text entspricht so gar nicht unserer Vorstellung und unserer Anschauung.
Wir haben uns dann sowohl mit den 4-Skins als auch anderen englischen Bands zu diesem Thema unterhalten. Die 4-Skins haben uns gegenüber dieses Statement abgegeben (übersetzt aus dem englischen):
"Der Song handelt maßgeblich von drei Themen, welche die derzeitige britische Politik bestimmen. Dies sind Immigration, korrupte Politiker und Ihre staatlich bezahlten Privatausgaben sowie Kriminalität. Es sind die Fragen welche die Briten derzeit am meisten bewegen und es waren die am meisten debattierten Themen bei den soeben stattgefunden Wahlen. Wie gesagt, diese Themen wurden von den Parteien heiß debattiert und eben auch das Thema illegale Immigration und die Probleme die damit einhergehen, wie die Sozialausgaben, die Probleme in der Wohnungssituation und die Belastung der Infrastruktur, etc."
Ein eher links eingestellter Brite meinte zu uns:
"I ve listened to the 4skins track " take no more" and its a sensetive subject but its pretty much what you read in the British press every day, the first verse is to do with the expenses scandal amongst mps in this country and the second verse mentions illegal immigrants and gypsies who come here because of our soft benefit system,I personally would nt write a song like that because it can get mistaken by political people{left or right} rather than being just "social commentary" the third verse is about the killings in London {mostly drug lords and young kids who wanna be gangsters} I dont think its a right wing song."
Diese Aussagen wollen wir nicht weiter kommentieren, müssen jedoch für uns selbst feststellen, dass Formulierungen wie im Lied "Take no Moore" wohl eher einem Stammtisch-Niveau entsprechen und nicht in das Text-Repertoire einer Skinhead-Band passen. Ob jemand aufgrund dieser Umstände für sich entscheidet die 4-Skins-Musik aus seinem Platten-Regal zu entfernen oder nicht muss er selbst entscheiden.
Wir als Label ziehen als Konsequenz daraus, dass wir künftig keine Veröffentlichungen mehr machen werden, ohne uns vorher die Texte der Titel durchzulesen und im Zweifel nachzufragen. Wir sind ein unpolitisches Label, wir möchten in unseren Veröffentlichungen keine fragwürdigen Meinungen und Texte haben und wir wollen keine Spaltung unserer Szene. Faschisten und Rassisten sind und bleiben sowohl in unserer Musik als auch bei unseren Konzerten unerwünscht!"

THE OFFENDERS
anthems from the gutterMCD, Black Butcher
2007 gründete sich eine gute Two Tone Kapelle in Italien. Mittlerweile ist einer von denen wohl nach Berlin gezogen und hat hier drei Berliner um sich jeschart, wa, und macht unter dem altem Namen Offenders sehr ähnliche Mucke wie einst in Silvio's Reich.
Tatsächlich erinnern mich die zwei eigenen Stücke auf dieser 8-Track-CD stark an Scrapy. Und da ich Scrapy mag ist das ein gutes Zeichen. In „Oi-Skins“ wird an eben jene appelliert, ein klares Nein an die Nazis zu richten. Einige Oi-Skins werden diesen Appell eh nicht brauchen, jene, die gerne Endstufe hören und mit Nazis das Glas erheben, wird der Song aber wohl auch nicht umstimmen. Perlen vor die Säue.
Trotzdem ein schöner Song, irgendwie sympathisch und musikalisch weiß er halt auch zu gefallen.
Neben den zwei eigenen Beiträgen werden sechs Klassiker der Gitarrenmusik von Cock Sparrer über die Undertones, hin zu Rancid in Two Tone Versionen umgewandelt. Erinnert an Arthur und die Spooners, ebenfalls aus Berlin und weiß zu gefallen. Sehr schöne Party-Scheibe!
Hajo

THE OFFENDERS
hooligan reggaeCD, Black Butcher
Eine Neuauflage des ersten full- length Albums von 2008, welches mir damals schon gut gefallen hat und das mir immer noch gefällt. Als Bonus gibt’s die ersten zwei Songs der Band, die 07 auf EP erschienen und mit „Wake up Rebels“ ist da auch gleich einer der größten Hits der Band bei.
Doch auch das Album hat einige Kracher zu bieten, so etwa den Titelsong, das sehr geile „Police Oppression“ (kein Upstarts Cover) oder „Call it Justice“.
Geboten wird sehr keyboardlastige Two Tone Mucke im größtenteils flotten Tempo. Textlich auch größtenteils gut, etwa gegen Braun, aber auch mal stumpferes, wie etwa das in Skinhead-Ska Kreisen ja obligatorische Abgefeiere der Rude Boys. Während sich heute ja überwiegend 18 Jährige Ska-Kiddies mit mittellangen Haaren so nennen, die gerade ausgemustert wurden und nun morgens immer mit dem Opel Corsa an die Fachoberschule brausen, waren es früher auf Jamaica halt ganz einfach Gangster, die Omas die Handtasche geklaut und auch gern mal sinnlos Leute erschossen haben. Warum die nun immer wieder musikalische Denkmäler brauchen ist mir schleierhaft. Das wussten einige alte Sangeslegenden in den Sixties auf Jamaica ja schon besser.
Aber ganz egal, ob da mal solche Texte bei sind – es bleibt keine Frage: Offenders sind ne sympathische Band mit sehr cooler Mucke im Gepäck.
Hajo

AUSGELEBT
Akustisch entkoppeltCD, Sunny Bastards
Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich bereits um die zweite Veröffentlichung der Oberhausener Band, und ich bin erstaunt, dass ich bisher noch nix von dieser Combo mitbekommen habe.
Denn hier geht es mächtig nach vorne... Hardcore mit deutschen Texten, wie er mir zu gefallen weiß. Hebt sich deutlich von dem ganzen anderen Deutschpunkmist ab, den man dauernd vorgesetzt bekommt. Flottes Schlagzeug, abwechselungsreiche Gitarrenarbeit (es gibt sogar schöne Melodien und Läufe), heiserer rausgebellter Gesang, der uns Unwissenden erklärt, wo die Band steht, und warum eigentlich alles scheiße ist.
Warum sind die eigentlich nicht so bekannt wie all das Dummzeug, was sich so großer Beliebtheit erfreut? Ach ja, hier geht´s nämlich nicht nur ums Saufen und „zusammen sind wir stark“ Gejohle. Antesten! Dirk
