Ein Sommermärchen 2010, Teil 1
Vom Fahrtwind abgerissene Deutschland-Wimpel liegen zu Dutzenden am Straßenrand? Gruppen von übergewichtigen Teenagern in Fußballtrickots bevölkern die Gassen? Die Häuser - besonders in sozial schwierigem Terrain gelegen - hüllen ihre Fassaden christoesk in schwarzrotgüldenen Fahnenstoff? Und selbst Sportsfreund Andre schaut sich freiwillig ein Fußballspiel an?
Klarer Fall, die Fußball-WM, und damit die Mission "4. Stern für Schland" hat begonnen!
Viel habe ich davon noch nicht sehen können & wollen - Frankreich konnte ich nicht in voller Länge ertragen, England war ebenfalls eine 90minütige Tortur mit einem einzigen Höhepunkt (wär ich der Torwart, ich würde mich grün ärgern).
Umso angenehmer, dass Poldi, Miro, Kakao, großes dünnes Müller und wie sie alle heißen für einen Auftakt nach Maß sorgten. Noch vor ein paar Jahren war man froh, wenn man ein Unentschieden gegen Island über die Zeit retten konnte. Heute ärgert man sich, dass Fußballspiele bereits nach 90 Minuten abgepfiffen werden.
Heißer Tipp an alle Ein-Euro-Shops: Bis zum Wochenende wieder alle Lager mit nationalfarbigen Fanartikeln auffüllen. Ab Samstag könnte der Absatz nämlich nochmal zunehmen ...
14. Juni 2010, 08:13 Uhr | Kommentare: 11

Muisizieren wie Gott in Frankreich
13. Juni 2010, 06:16 Uhr | Kommentare: 0

Waka Waka
Morgen geht sie los, die Fußball-WM in Südafrika. Offiziell geht es nicht nur um den 4. Stern für Deutschland, sondern auch um die Überwindung sozialer Missstände in diesem Land. Für die Annäherung zwischen arme Schwarze & reiche Weiße sollen ganz besonders die eingezäunten und streng bewachten Public Viewing-Zonen zwischen Pretoria und Port Elisabeth dienen.
Schwarz & Weiß gemeinsam mit den Bafana Bafana zum WM-Sieg und danach Arm in Arm feiernd durch die Gossen von Soweto.
Man muss schon 'ne ordentliche Dosis LSD gelutscht haben, um sich allein das schon vorstellen zu können ...
Besser vorstellen kann ich mir den Gewinn diverser nützlicher Elektronikgewinne. Ich habe mich bei zwei besonders gewinnträchtigen WM-Tippspielen angemeldet und habe damit gleich die doppelte Chance auf einen Hauptgewinn (LCD-Fernseher bzw. Kleinwagen!). Ich bin eben ein Fuchs!
Wenn morgen das Eröffnungsspiel Südafrika vs Mexiko 0:0 ausgeht, dürfte mir der Tippspielsieg eigentlich schon nicht mehr zu nehmen sein.
10. Juni 2010, 07:58 Uhr | Kommentare: 6

Jeder blamiert sich so gut er kann
Wer schon immer mal wissen wollte, welch bemitleidenswertes Würstchen sich an der Spitze des Moloko-Konzerns aufhält, sollte das Zwiegespräch mit meiner Wenigkeit im aktuellen LOCKENKOPF-Fanzine lesen. Noch heute ist es mir ein Rätsel, welchen Verlockungen ich erlag, einen Blick in meine verdorbene Seele zuzulassen. Denn innerhalb von fünf Seiten zerstöre ich meinen in 20 Jahren hart erarbeiteten Ruf als letzter Volkstribun & Erlöser der sozialen Unterschicht.
Natürlich habe ich die komplette Auflage aufgekauft und biete sie im MOLOKO-SHOP wie zufällig zum Kaufe feil ...
07. Juni 2010, 08:21 Uhr | Kommentare: 2

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte
Die Firma BRITISH PETROLEUM hat bekanntlich seit vier Wochen ein erhebliches Image-Problem: Nicht nur die Ölplattform 'Deepwater Horizon' und 15 Arbeiter versanken im Golf von Mexiko, sondern auch jegliches Vertrauen der Bevölkerung in die Ölindustrie.
Seitdem überbieten sich täglich die Schreckensmeldungen: 0,8 (BP) bzw. bis zu 4 Mio (externe Experten) Liter Schweröl strömen seit dem Untergang der Bohrinsel ins Meer.
Kurioserweise sorge ich mich weniger um die fallenden BP-Aktien, sondern vielmehr um die Auswirkungen für unsere Umwelt. Bei Fotos wie diesen (sehr aufschlussreiche Kommentare von Betroffenen dabei!) dreht sich mir wahrlich der Magen um!
Aber BP gelobt ja zum Glück Besserung. Es würden in Zukunft mehr Geld für innovative Techniken bereitgestellt werden, damit sich solche Debakel nicht wiederholen.
Beeindruckende Einsicht. Zu blöd nur, dass bei den anderen Katastrophen in den letzten Jahren die gleiche Einsicht herrschte - wenigstens solange, bis der jeweilige Fall raus war aus den Schlagzeilen ...
05. Juni 2010, 06:55 Uhr | Kommentare: 0

Der Platz, wo ich hingehöre: Auf Maloche!
Noch 7 Tage bis zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft. Noch 123 Arbeitstage bis zum Ende meines Saisonjobs.
Ich zähl die Tage traditionell, seitdem ich dort unter Vertrag genommen wurde, doch irgendwie scheint sich die Saison 2010 ganz besonders zäh in die Länge zu ziehen. Allein gestern 13 lange Stunden an den Maschinen zu stehen, statt sich die Sonne auf den Pelz brennen und Erfrischungsgetränke reichen zu lassen könnte eine der Ursachen dafür sein.
Einziger Lichtblick in dieser so düsteren Zeit ist eine Band aus Darlington/UK, die meine Laune beträchtlich hebt: GIMP FIST mit 'THE PLACE WHERE I BELONG...'
Seit Jahren habe ich nicht mehr einen solch formvollendeten, stimmigen, unverkrampften melodischen Working Class-Punkrock hören dürfen! In jeder Minute meiner kargen Freizeit sauge ich die Klänge von Jonny, Michael und Chris auf - und weil mir das nicht reichte, habe ich meinen alten DiscMan reanimiert, damit mich die Jungs auch auf der Bahnfahrt zur Arbeit begleiten und mir Mut zusprechen können.
Dies diene nur als kleiner Hinweis, in welche Platte ihr vielleicht mal reinhören könntet...
04. Juni 2010, 07:30 Uhr | Kommentare: 3

Ein bisschen Frieden, das wünsch ich mir
Lena Meyer-Landshut, dieses grundgütige Hannoveraner Mädel, siegt reichlich überraschend beim "ESC" (Wer den Siegertitel nicht kennen sollte, höre HIER eine Version auf der Judenharfe).
Ganz Europa verneigt sich vor dem jungen Ding. Ganz Europa? Nein! Auf der offiziellen
Webseite des Singwettbewerbs formiert sich europaweit ein kleiner, aggressiver Mob, der unserer Lena den Titel madig machen. Man spricht ihr in 1600 Kommentaren jegliches musikalisches Talent ab. Man lästert über ihre Interpretation der englischen Sprache. Man unkt, ihr Tanzstil ähnele dem von Pippimachenmüssen.
Und man ist geschockt, dass Nazi-Deutschland überhaupt soviel Unterstützung in Europa bekommen konnte. Okay, auf Israel ist noch Verlass, aber die Allianz scheint zu bröckeln. 10 Punkte aus der Türkei? Obwohl Deutschland die Kamelhirten gar nicht in der EU haben will? 12 Punkte aus Dänemark? Erinnert sich etwa niemand mehr an den Krieg anno 1871? Norwegen 12 points? Und was war mit der Besetzung 1940?
Leider wurde mein eigener Vorschlag, uns statt auf Lena lieber auf den Letztplatzierten - Josh aus UK - zu konzentrieren und ihn ordentlich zu verspotten, weitgehend ignoriert.
Zum Glück hat der Saisonausklang des SV SCHERMBECK mein Mütchen gekühlt. In einem furiosen Spiel wurde FORTUNA KÖLN (gibt es noch jemanden, der diesen Verein aus Bundesligazeiten kennt?) mit 3:1 nach Hause gejagt und die 100 (!) Liter Freibier flossen anschließend in Strömen ... 12 Punkte in der Hinrunde, 32 in der Rückrunde - versteh mir einer diese Mannschaft!
31. Mai 2010, 08:01 Uhr | Kommentare: 5

Totaler Öi im Torgau
Einen kleinen Festivalhinweis möchte ich Euch noch zustecken. Eigentlich weiß es schon die ganze Welt, aber ich habe Sportsfreund Ecke versprochen, darauf hinzuweisen: Dieses Wochenende geht das mittlerweile 5. TOTAL OI! FESTIVAL in Torgau im wahrsten Sinne über die Bühne!
Wienert Eure Stiefel, poliert Eure Glatzen, bügelt Eure Shermans - und dann nix wie raus gen Torgau!
27. Mai 2010, 07:31 Uhr | Kommentare: 2

Who the fuck is Ricky Gal?
Hat eigentlich jemand von euch alten Wemmsern auf DSF SPORT1 die Eishockey-WM verfolgt? Leider konnte ich nicht alle Spiele sehen, aber was mir vor die Augen kam, war Kufensport vom Ungewöhnlichsten - speziell von der deutschen Mannschaft!
Als großer Eishockeyfreund in den 80er Jahren kannte ich nur den Xaver Unsinnschen Stil der heimischen Nationalmannschaft, den Puck möglichst panisch aus der eigenen Zone zu schlagen. Zu gewinnen gab's nie etwas - höchstens den zweifelhaften Titel des "Icing-Weltmeisters".
Das war selbst für mich, der als Stammgast des EHC Essen-West ("Im Leben geht mancher Schuss daneben, nur einer nicht: Der Schuss von Ricky Gal") allerhöchstens Zweitliganiveau gewohnt war, auf Dauer zu eintönig.
20 Jahre ignorierte ich diese Sportart, und nun erlebe ich urplötzlich ein sensationelles Spiel nach dem anderen unserer deutschen Schlittschuhcracks: Perfektes Stellungs- & filigranes Passspiel, großartiger Körpereinsatz, aufopferungsvoller Kampf- & Siegeswille auf höchstem technischen Niveau... außerordentlich spannende Unterhaltung, vielen Dank dafür!
Am letzten Samstag konnte man dann direkt im Anschluss erleben, wie laaaangweilig dagegen Fußball sein kann!
Aber wo wir beim Thema sind, eine frohe Botschaft für uns alle: Unser aller Lieblingsclub hat sich einen Spieltag vor dem Saisonende definitiv retten können und wird auvch nächste Saison in der fünfthöchsten Kölnigsklasse antreten. Eigentlich ein Wunder angesichts der katastrophalen 12 Punkte-Hinrunde, als man noch 11 Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hatte.
Ich merke gerade, ich muss mich korrigieren: Fußball kann auch seeehr spannend sein!
25. Mai 2010, 07:57 Uhr | Kommentare: 4

Venedig sehen und sterben
Nun weiß auch ich es: Venedig ist eine Reise wert. Vielleicht nicht im Hochsommer bei 40 Grad im Schatten und stinkendem Moderwasser in den Kanälen, aber an einem Wochentag im Frühling bei angnehmen 25 Grad kann man dort großartig den Herrgott einen guten Mann sein lassen.
Ausgestattet mit einer völlig unbrauchbaren Stadtkarte irrten wir durch die Gassen und über die Kanäle, fanden dennoch in bester Pfadfindermanier die Meisterwerke mittelalterlicher Architekturlegenden (erstaunlich fand ich die zahlreichen Schmierereien an den alten Fassaden, teilweise dabei richtig geil und kunstvoll gestaltet (wahrscheinlich nachträglich angebracht)) und erfreuten uns an der reservierten Ignoranz der Italiener uns Touris gegenüber.
Einen Tag später setzten wir im nahegelegenen Padua unseren unstillbaren Hunger auf Kultur fort. Von den Bauwerken her genauso beeindruckend, aus Mangel an Kanälen allerdings nicht ganz so wirkungsvoll wie Venedig.
Wir tranken viele koffeinhaltige Heißgetränke und anderes und erfreuten uns an einigen bemerkenswerten Vesparoller-Exemplaren - bis völlig zu Recht unsere Füße nach geschätzten 60 km Fußmarsch in 48 Stunden von ihrem Streikrecht Gebrauch machten.
So teuer wie erwartet war der Trip übrigens gar nicht. Auch in Venedig gibt es Cappuccino für €1.80, Eis für €1.00 & Pizza für €2.50 - allerdings eher nicht an der Ponte di Rialto oder am Piazza San Marco ...
21. Mai 2010, 07:50 Uhr | Kommentare: 1
