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COCKNEY REJECT - Fussball, Oi! und Krawalle
Das WILD ONES-Album war die erste Scheibe der COCKNEY REJECTS, die ich seinerzeit als jugendlicher Draufgänger in einem Dortmunder Plattenladen erwarb. Ich war geschockt von der Darbietung und machte in der Folgezeit einen großen Bogen um diese Band, die mir als "heißer Scheiß" angepriesen wurde. Erst später, nachdem mir ein klein gewachsener Mann aus Oberhausen mit grosser Plattensammlung die ersten Scheiben der Londoner näherbrachte, kam ich mit der Band wieder ins Reine.
Nun schreibt Sänger Stinky Turner (mit freundlicher Unterstützung von Gary Bushell) die Autobiographie von sich und einer Band nieder, die bekanntlich als Vater des OI! gilt. Hier erfahren wir dann aber, dass sich die Jungs, stilecht aus dem tiefsten Londoner Arbeitermillieu rekrutierend, mit Skins eigentlich gar nicht identifizieren konnten, speziell - und das ist sehr sympathisch - mit Boneheads und Politniks. Aber der Reihe nach ...
Stinky zeichnet den Weg seiner Kindheit und Jugend in über 30 Kapiteln sehr gradlinig nach. Erklärt seine Sozialisierung in der Arbeiterklasse, sein familiäres Umfeld, seine boxerischen und fussballerischen Ambitionen und schliesslich, als Höhepunkt seines Lebens, die Gründung der Band mit gerade mal 15 Jahren. Ich denke, der grobe Verlauf der Bandgeschichte dürfte bekannt sein. EMI nimmt die Band unter Vertrag, die Jungs hauen zwischen 1979 und 1981 einige sehr gute bis durchschnittliche Platten auf den Markt und haben aufgrund fussballerischer Differenzen mit Teilen ihrer Klientel diverse Auseinandersetzungen auf ihren Konzerten, die in diesem Buch grossen Raum einnehmen - die Schreibe erinnert mich hier so ein bisschen an alte "Fan Treff"-Zeiten.
Schließlich entfernt sich die Band ab 1982 von ihren Wurzeln, will mit Heavy-Rock und Hippie-Attitüde neue Horizonte erklimmen & Reichtümer anhäufen und verscherzt es sich mit allen und jeden. 1985 z.B. werden die COCKNEY REJECTS nach Amerika geholt und sollen ihre alten Hits spielen, die aber in völliger Verkennung ihrer Anhängerschaft in einem Desaster ausartet: Statt Flares'n'Slippers spielen sie lieber ihren Wild Ones-Scheiss, worüber 10.000 Skinheads not amused sind ... Irgendwann kapieren die Jungs aber, dass sich ein bisschen Geld nur mit ihren alten, primitiven Oi!-Klopfern verdienen lässt und nehmen seitdem das ein oder andere Festival als nette Nebeneinkunft mit.
Das Buch liest sich recht flüssig, hat aber hier und da gewisse Längen, und unser Stinky ist von der Sorte Mensch, die gerne allem und jedem die Schuld geben, nur nicht sich selbst. Was kann schliesslich er dafür, dass er z.B. einen Zivilbullen direkt vor dem EMI-Zentrale niederstreckt und deswegen die Band (u.a.) unehrenhaft aus ihrem Vertrag entlassen wird? In dieser Hinsicht auch ein gutes Buch für angehende Verhaltensforscher.
Summa sumarum ein Schmöker, das jeder historisch interessierten Oi!-Hörer lesen sollte, auch wenn man sich erst einmal an den Möchtegern-Gossenslang gewöhnen muss. Zumal man auch am Rande interessante Details von Weggefährten wie Jimmy Pursey erfährt - zumindest aus Sicht des Rejects-Sängers.
22.02.2011


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