Historisches & Biographien

BLOODSTAINS ACROSS…

von Major Healey, aus MP #11, 09.1998

Akribische Punkrock-Komplettisten haben es seit Jahren einfach: mehr oder weniger professionelle Bootlegger wetteifern um die Gunst des Publikums und veröffentlichen am laufenden Meter qualitativ unterschiedlich gelungene Compilations mit Pogo-kompatiblem Stoff der End-Siebziger bzw. der frühen 80er.

Den Anfang machte die Killed by Death-Serie ab etwa 1990 (genau lässt sich das nicht feststellen). Waren die ersten Teile (1-7) noch durchweg auf höchstem Niveau angesiedelt, nahm dieses naturgemäß bei nachfolgenden Werken ab, bzw. wurde bisweilen gequirlte Kacke von üblen Fakebands als „historischer Stoff“ verkauft.

Hinzu kam die immer obskurer anmutende Zählung (so existiert z.B. ein Teil 8 1/2), desweiteren die ziemliche Unübersichtlichkeit, hervorgerufen durch verschiedene Bootlegger, die sich unter dem Killed by Death-Logo einklinkten und Sampler mit abenteuerlicher Zählung im dreistelligen Bereich ‚raushauten.
Obacht!

Ähnlich, wie Incognito-Barnie’s 6-teilige ‚Back to front‘-Serie, die allerdings hochoffiziell ab 1993 erschien und derweil unter anderem Namen fortgeführt wird, krankte die „Killed by death“-Serie allerdings an einem erheblichen Manko: das Material, so gut es auch sein mag, wirkt wahl- und lieblos aneinandergereiht, ein roter Faden ist zumeist nicht erkennbar.

Anders hingegen eine Reihe von brillianten Zusammenstellungen mit Punkrock-Stoff der Jahre 1977-1984, die da unter dem Namen

Bloodstains across …

firmiert. Das besondere: hier wird jeweils Material aus einem bestimmten Land vorgestellt, so dass die Serie zusammengenommen einen weltweiten Überblick bietet und den Zugriff auf einzelne Bands/Songs erleichtert.

Hinzu kommt, daß alle bisher erschienen Teile absolut großartiges Material beinhalten und Fehlkäufe für den Punk-Puristen mit Hang zu den „good old days“ somit auszuschließen sind.

Den Anfang machten in den Jahren 1992-94 drei rein amerikanische Sampler, die da Bloodstains across Texas, California bzw. Midwest hießen.

Gelegentlich taucht mal ein weithin bekannter Name auf (Toxic Reasons, Agent Orange, Offenders), aber gemeinhin gilt: Bands aufzuzählen ist müßig, dürften sie doch hierzulande nur den allerwenigsten geläufig sein.

In der Folgezeit kamen dann europäische Comps hinzu, wie man hört aus verschiedenen Bootleg-Schmieden. So soll es Gerüchten zufolge neben dem Amerikaner, der die ersten drei Teile zusammengestellt hat, noch mindestens zwei weitere Die-Hard-Collectors geben, die ihre Privatsammlungen als Grundstock nehmen, einer aus Italien (!) und ein weiterer aus dem norddeutschen Raum.

Sei’s drum, bisher erschienen Bloodstains across Sweden, Norway, Denmark, Finland (all‘ die schönen Sachen, die Sportskamerad Bubba einst im Scumfuck vorstellte …), U.K. (Teil I & II), Belgium (auch Teil I & II), Spain, Yugoslavia, Germany (Teil I & II), Northern Ireland, Australia und Europe (hier sind ganze 7″ enthalten, üblicherweise handelt es sich um einzelne Tracks jeweils einer Band, meist einer 7″ entnommen).

Gerade auch die vermeintlichen Exoten (Spanien, Jugoslawien) entpuppen sich als absolute Gewinner, Punkrock vom Feinsten.

Natürlich sind hier und da auch Tracks eingestreut, die die üblichen Pfade verlassen, doch unter dem Aspekt des kulturhistorischen Dokuments haben auch diese Sachen ihre Berechtigung (manchmal ziemlich minimalistisch, garagig oder auch soundtechnisch aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftig).

Das aber bleiben Ausnahmen, in aller Regel wird durchweg genialer 77er-Krach geboten, dargereicht von Formationen, die oft nur ein, zwei Singles veröffentlicht haben oder auch später unter anderem Namen ganz andere Musik machten.

Die Liner-Notes auf den jeweiligen Rückseiten der Cover sind zwar nicht gerade abendfüllend, geben aber zumindest einen groben Einblick in die Punkwelt des jeweilig behandelten Landes.

Mein persönlicher Favorit ist die Nordirland-Compilation, aber das ist nur subjektiv, wie gesagt, im Grunde sind alle wirklich klasse.

Bisher vermisse ich noch die Zusammenstellungen für Frankreich und Italien, wer sich hierfür interessiert, dem seien die „Killed by Death“– Nummern 200 (Frankreich) bzw. 201 (Italien) empfohlen, die beide in ähnlicher Weise gestrickt sind, wie die Bloodstains across – Reihe.

Die Auflagen der Sampler sind jeweils begrenzt, bei Incognito sind immer welche im Programm und definitiv alle noch erhältlichen gibt es bei Green Hell Records, Achtermannstr. 29, 48143 Münster – ggf. Liste anfordern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.