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Sie ist vorbei, die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Drei Wochen lang wurde der Feierabend entsprechend geplant, um möglichst viele Spiele zu sehen. Nicht immer war das dann auch schön anzusehen - "Totaalvoetbal" kann oder will nun mal nicht jeder spielen.
An vier Dinge werde ich mich noch in zehn Jahren erinnen:
1. An den Torschiedsrichter, der den Treffer der Ukraine nicht sehen wollte;
2. An die BILD-Zeitung, die die deutsche Auswahl nach dem Sieg gegen limitierte Griechen erst für unbezwingbar hielt und drei Tage später die Daseinsberechtigung in Frage stellte;
3. Die Insel Usedom werde ich für den Rest meines Lebens mit der lächerlichen ZDF-Strandkulisse inklusive dem grausamen Expertenschwätzern Müller-Hohenstein/Kahn in Verbindung bringen;
4. An die bizarr in schwarzrotgelb getauchten Autos & Häuser. Was 2006 recht schüchtern begann und 2008/10 zunehmend selbstbewusster zur Schau gestellt wurde, gipfelte 2012 in einen absurden Schwarz-Rot-Gold-Wahn: sechs Fähnchen und nationalgefärbte Socken über den Außenspiegeln reichen längst nicht mehr. Auch die Heckscheibe, die Sonnenblenden und Türen werden nun entsprechend mit großflächigen Aufklebern versehen, und die wahre Elite klemmt sich auch noch eine Deutschlandfahne quer über die Motorhaube!
Warum nur konzentriert sich dieser Menschenschlag immer ganz besonders in den sozial benachteiligten Stadtvierteln?
Aber solange alle ihre Autos & Häuser nach einem sportlichen Großereignis wieder abschmücken, sollen sie ruhig ihren Spaß haben. Mich überkäme nur ein mulmiges Gefühl, wenn genau das NICHT passieren würde...
Trotz all der gezeigten Solidarität hat's bekanntlich nicht ganz gereicht für den angestrebten Triumph.
Das macht uns alle ganz traurig - bis auf die 17jährige Aushilfe bei mir auf der Maloche. Genau, die mit den schwarzrotgold lackierten Fingernägeln: Vor dem Spiel gegen Italien erzählte sie mir mit stockender Stimme, dass sie ausgerechnet am Sonntag arbeiten müsste, dann, wenn Deutschland spielen würde, und sie würde das doch soooo gerne mit ihren Freunden sehen - und fiel aus allen Wolken, als ich ihr sagte, dass es noch gar nicht feststünde, dass "wir" Sonntag spielen würden.
Tatsächlich stellte sich heraus, dass das ahnungslose junge Ding überhaupt nicht in Erwägung gezogen hat, dass Deutschland auch mal ein Spiel verlieren könnte.
Und so erschien sie gestern gut gelaunt zur Nachmittagsschicht, mit frischen rotlackierten Fingernägeln und wohlwissend, keine Public Viewing-Fete zu verpassen.
Ich werde sie nie verstehen, diese Feierfans. Und mögen werde ich sie auch nie.
02.07.2012


Kommentare (4)Kommentar schreiben
04.07.2012
es fand ´ne em statt???????
04.07.2012
müllerhohenstein - da skandiere ich lauthals - AUSZIEHN -
dem ganzen die krone aufgesetzt hat für mich béla réthy, der hat beim finale doch in seiner reporterkabine gewichst.
03.07.2012
Das ZDF hat wirklich ein Händchen für "Experten": im Frühstücksfernsehen brillierte die wohl noch größere Torwart-Hohlbirne Toni Schumacher mit Inkompetenz und schlechtem Humor. Aber parallel zum Müller-Hohensteinschen Null-Ahnung-Gegrinse gelang es auch hier mit Jessy Wellmers ein geeignetes Pendant zu finden.
02.07.2012
ich habe auch nur 1 errinerung an die WM 2010
in Südafrika als ein mehrfach blinder Schiri
einen Ball der 1,8 Meter hinter der Linie aufschlug nicht gesehen haben möchte (Gerrard's Geschoss zum 2:2 gegen das besungene rotschwargoldenen Team )
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