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Job zu vergeben - Verdienst 0,00 EUR!5
Dass seit einiger Zeit der Gürtel enger geschnallt werden muss in diesem unseren Sozialstaat, dürfte nicht nur mir aufgefallen sein. Bekam ich als Saisonbeschäftigter in einem Eiscafé vor Hartz IV immerhin drei Monate Arbeitslosengeld und danach Arbeitslosenhilfe, steht mir nun seit der Agenda 2010 kein einziger Cent mehr zu. Meine Gattin Tina liegt mit ihrem Verdienst als 30 Stunden-Arbeitskraft knapp über dem Hartz IV-Satz für eine dreiköpfige Familie.
Keine Klage, ich komme auch so noch gut über die Runden. In der Zeit, wo ich arbeite, verdiene ich gutes Geld und kann eine kleinen Reservegroschen für die Wintermonate ansparen. Hunger müssen wir keinen leiden.
Das große Heer von Jobsuchenden hat es heute erheblich schwerer mit dem Geldansparen. Egal in welcher Branche, unbezahltes Probearbeiten oder unvergütete Praktika sind die Regel.
So ein Probearbeiten kann zwei Stunden oder auch mal zwei Wochen dauern, Praktika auch mal ein ganzes Jahr, offiziell abgesegnet von Vater Staat.
Bei halbwegs anspruchsvollen Arbeiten kann ich die Vorsicht der Chefs noch halbwegs nachvollziehen. Bei primitiven Jobs, die man innerhalb von 30 Sekunden im Schlaf beherrscht, allerdings nicht so recht.
Selbst bei den niedersten Handlangertätigkeiten, wie Wäsche in der Boutique zusammenfalten oder beim Verkauf von Softeis möchte man heute ganz besonders sicher gehen und lässt die Bewerber zwei, drei Schichten á 6-8 Stunden probefalten. Oder den Hebel der Softeismaschine ziehen. Oder in einer Pizzafabrik exakt vier Schinkenscheiben auf einen Hefeteigboden legen...
Wohl nicht an Dreistigkeit zu überbieten sind zwei Jungunternehmerinnen aus Essen-Werden. Für ihren Frisiersalon suchen die beiden Mitte 20jährigen eine Auszubildende für den 01. August 2011.
Eine geeignete Person wurde schnell gefunden, zur Qualitätsprüfung musste das arme Ding aber erstmal drei Wochen in den Ferien kostenlos probearbeiten.
Danach wurde ihr eine Ausbildung in Aussicht (!) gestellt, verbunden allerdings mit der Vorraussetzung, jede Woche dreimal nach der Schule im Frisiersalon mitzuhelfen - Haare waschen, Salon fegen... natürlich ohne Bezahlung.
Du fragst Dich, ob es Verrückte gibt, die sich auf einen solchen Deal einlassen? Ja, die gibt es. Und es gibt tatsächlich soviele naive Mädchen, die noch länger kostenlos ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen würden, wenn sie denn nur irgendwann, irgendwo einen der rar gesäten 5 EUR-Jobs ergattern könnten.
Im Fall der besagten Friseusen hat übrigens ein Anruf bei der Handwerkskammer ergeben, dass man sich von solch unseriösen Betrieben fern halten solle.
Na, das ist ja mal ein hochwertiger Ratschlag gewesen - oder saß da etwa auch so ein Bürobote auf Probe am Apparat?
Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr Zweifel kommen mir. Vielleicht wollen die Chefs gar nicht die Qualität der Bewerber prüfen, sondern einfach nur billige, Quatsch, kostenlose Arbeitskräfte?
An Nachschub würde es ihnen jedenfalls nicht fehlen, falls mal einer der Ausgebeuteten die Strategie durchschauen sollte.
24.05.2011


Kommentare (5)Kommentar schreiben
29.05.2011
Stell dich nicht so an!Es herrscht doch die Personenfreizügigkeit.In Polen findest du bestimmt nen Job!
28.05.2011
Wahr ist, was wahr ist!
24.05.2011
Das ist schon okay. Der Ruhm, den wir bekommen, wäre eh nicht mit allem Geld dieser Welt aufzuwiegen!
24.05.2011
Wie schaut es denn beim Moloko aus? Ein Kompetenzteam aus Praktikanten und unbezahlten Ausbildungsanwärtern malocht unter kaum vorstellbaren Bedingungen für lau, während der Chef ein Jet-Set-Leben (London, Paris, Barcelona) führt und sich als journalistisches Schwergewicht abfeiern lässt!
24.05.2011
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