Historisches & Biographien

BIER & SPIELE/SHOCK TROOPS- Fanzine History

von Wolle Diehl, aus MP #08, 06.1997

Da hat mich der Torsten mit etwas konfrontiert, was ich eigentlich mehr oder weniger vor fünf Jahren abgeschlossen hatte: nämlich mein Fanzine SHOCK TROOPS (hieß anfänglich BIER & SPIELE).
Sagt das heute vielen Leuten überhaupt noch etwas? Irgendwie bezweifle ich das ja, denn die „Fluktuation“ in der „Szene“, für das das SHOCK TROOPS eigentlich gedacht war, war in den vergangenen Jahren doch relativ groß, möchte ich mal meinen.

Fünf Jahre sind schon eine lange Zeit, wenn ich nur mal betrachte, wie ich mich persönlich in dieser Zeit verändert habe (und wie das eigentlich jeder tun sollte, wenn möglich zum besseren hin!), dann ist das schon beachtlich, möchte ich meinen.

Ganz zu schweigen von der Zeit, in der ich mit dem Fanzine angefangen habe, gegen Ende des Jahres 1987, im zarten Alter von damals 14 Jahren… (glaubt es oder nicht!!)

Mein Interesse für Skinheads an sich (Musik etc…) war bereits Mitte 1986 geweckt worden, als Skinhead fühlte und bezeichnete ich mich dann etwa ab August 1987. Einiges an alten Fanzines hatte ich bereits gelesen und das brachte mich auf die Idee (es gab in Deutschland eh‘ nicht viele Zines), es doch auch mal mit einem Fanzine zu versuchen – konnte schließlich nicht so schwer sein…

War es auch nicht, aber entsprechend meinem Null-Durchblick zu der damaligen Zeit sah die Nr.1 von BIER & SPIELE dann auch aus… Wenn ich das heute so sehe und lese, dann kann ich es echt kaum glauben!

Meiner Meinung nach dauerte es bis zur Nr. 8 im Mai 1989, bis das Fanzine einigermaßen erträglich wurde.

In dieser Anfangszeit wurde über Bands geschrieben, die ich heute mehr als beschissen finde, es waren viele Fußballberichte drin, die mehr oder weniger recht langweilig waren, weil es so gut wie keine Randale gab, und gewisse ‚Meinungen‘, die von mir damals vertreten wurden, sind schlichtweg unmöglich und bescheuert.

Auch wenn ich sowas heute nicht mehr gut finde, so gestehe ich das heute einem 14/15jährigen Kid durchaus zu – wie sagt man so schön: Das Ganze zeigt eine persönliche Entwicklung auf, und ganz genau das war es auch!

Einige Beispiele gefällig an ‚Granaten-Bands‘, die die ‚Ehre‘ hatten, Erwähnung zu finden? KRUPPSTAHL, KAHLKOPF, PEGGIOR AMICO, ARRESTING OFFICERS, aber auch Sachen wie die BUSTERS, CARNIVORE (!!) – der helle Wahnsinn…!

Ein kleiner Höhepunkt war in der Nr.4 zu finden, und zwar der Leserbrief eines gewissen Hansi Grewe aus Lüneburg, der nicht nur in der Ausgabe ab Nr. 5 verständlicherweise einiges an Reaktionen seitens anderer Leser provozierte, sondern auch noch im letzten Jahr erschienenen Skinhead-Buch von Klaus Farin abgedruckt wurde, so lustig war das Teil nämlich …

Im Juli 1989 erschien dann die Nr.9, darüber vielleicht mal etwas mehr.

Auffällig war mit Sicherheit, daß relativ naiv über SEHR unterschiedliche Bands berichtet wurde. Auf der einen Seite YOUTH OF TODAY (!), auf der anderen COMMANDO PERNOD (!!).
Der Rest war alles mehr oder weniger dazwischen, kann man sagen. Soweit ich weiß, wer die Nr.9 auch die erste Ausgabe, die im ZAP besprochen wurde, und das nicht mal schlecht, was aus heutiger Sicht doch etwas verwundert (mich zumindest).

Ab der Nr.10 lief das Fanzine dann unter dem Namen SHOCK TROOPS, wir schreiben jetzt übrigens Oktober 1989.

Im Vorwort dieser Ausgabe gab es bereits einen Rückblick auf die vergangenen B&S-Ausgaben, für diejenigen Leser, die das Geschehen zu dem Zeitpunkt noch nicht so mitbekommen hatten.
An Bands gab’s wieder eine recht bunte Mischung, IMMORAL DISCIPLINE, THE ABNORMAL, GG ALLIN (!), ZAKONAS, dazu die Geisteskranken von THE KLOTZ (kann sich noch einer an die erinnern?), dazu eine Verarsche der „Superband“ NO REMORSE, die damals schon den ersten Rechten etwas übel aufgestoßen ist.

Ein gewisser Steffen Hammer war zu diesem Zeitpunkt noch friedlich, befand sich in dieser Ausgabe doch noch ein Interview mit seiner Band NOIE WERTE, welches er sich erbeten hatte, um einige Ungereimtheiten in bezug auf die Band und deren Besetzung klarzustellen. Daß dieses Interview so uninteressant wie die Band selbst war, dafür konnte ich nichts.

In der Nr. 11 vom Februar 1990 (COCK SPARRER auf der Titelseite) gab’s dann Interviews mit der Psychobilly-Band BOGEYMAN, derMelodic Punkband IDENDITY, dazu eine Bandgeschichte von MAJOR ACCIDENT.

Verstärkt tauchten jetzt auch Berichte eines gewissen Dose aus Berlin auf, die in dem Sinne für etwas ‚Abwechslung‘ sorgten und nicht allzuviel mit dem Rest des Zines zu tun hatten…

In dieser Ausgabe gab es einen schönen Leserbrief von einem gewissen Paul aus Lübeck, der recht erregt wirkte, mich als ‚SHARP-Pisser‘ bezeichnete und mit den Worten ‚Odin spuckt auf Dich‘ schloss. Daß das Ganze natürlich anonym bei mir eintrudelte, versteht sich wohl von selbst…!

Im Juni 1990 kam die #12 heraus und wieder gab es einen herausragenden Leserbrief, diesmal von The Man Himself, Steffen Hammer, der sich mit seiner Stellungnahme endgültig selbst disqualifizierte.
Sein Brief wurde von mir kommentiert, allerdings nicht, um mich zu rechtfertigen (das war meiner Ansicht nach nicht notwendig), sondern um meine Meinung nochmal darzulegen. Das war nämlich notwendig, denn ‚Freund Hammer‘ hatte teilweise gar nicht verstanden, um was es ging.

Der Auslöser für diesen Zwist war eigentlich recht harmlos gewesen, ich hatte eine Ausgabe zuvor in einem Fanzine-Review angemerkt, daß es jetzt wohl reichen würde, Interviews mit Bands wie u.a. WERWOLF und NOIE WERTE zu machen, denn davon gab es in jedem Fanzine welche und das wurde wirklich langsam langweilig (nicht nur, weil die Bands auch wirklich langweilig waren).
Das hatte den Hammer natürlich in Rage gebracht und er fühlte sich samt seiner Genossen, pardon: Kameraden, beleidigt.

Übrigens: Im Anschluß an diesen Leserbrief folgte dann einer von einem gewissen Martin Schmitt vom FAP-nahen QUERSCHLÄGER-Fanzine, der anmerkte, daß ihm das SHOCK TROOPS ganz gut gefiele… – verrückt!

Aber auch in dieser Ausgabe stand Musik (zusammen mit dem Fußball & deren Randerscheinungen) im Vordergrund und nicht die Politik. Deswegen gab’s Interviews mit KLASSE KRIMINALE und den LOKALMATADOREN, Liveberichte über HOTKNIVES und MARK FOGGO, einen Artikel über die BECK’S PISTOLS, dazu als Schmankerl ein Interview mit der Nachwuchsband „VOLKSZORN“…!

Erstmals mit einem Artikel dabei – soweit ich das überblicken konnte – war Kay aus Potsdam, er berichtete über seine Sylvestererlebnisse in Berlin.

SHOCK TROOPS Nr. 13 erschien im August 1990 und ist meiner Meinung nach irgendwie richtig gut, das habe ich beim jetzigen Durchblättern einfach mal so festgestellt!

Das fängt gleich mal an mit einem Artikel/Interview mit einer der besten Bands der Welt: RED LONDON.
Dem FCK wurde selbstverständlich auch gehuldigt, schließlich vermied er den im Februar sicher geglaubten Abstieg und gewann das Pokalfinale im Mai als krasser Außenseiter mit 3:2 gegen Werder Bremen. Das war logischerweise einen vierseitigen Erlebnisbericht wert.

Jaja, ich geb’s zu, die beiden anderen interviewten Bands in dieser Ausgabe waren ziemlich Banane: HANNEN ALKS und BARON TITUS & THE NONSENSE OF ROCK – was soll das?!?
Aber andere Bands hatten halt nicht geantwortet.

Weiterhin gab’s einen Artikel über INFA RIOT, der wie schon das MAJOR ACCIDENT-Teil sehr gut ankam, Wieder mit dabei: Kay mit ’nem BOOTS & BRACES-Gigbericht in Berlin. Immer noch: Dose mit seinen etwas ‚eigenwilligen‘ Beiträgen. Auf dem Titelbild dabei: Tom, Steve, Gary und John. Na, welche Band ist das?

Ach ja, im Vorwort wurden – unter anderem – gegrüßt: alle SHARP-Skins, die auf die Antifa scheißen. Das waren noch Zeiten… SHARP-Skins, gibt’s sowas überhaupt noch (warum gab’s das mal?)?

Bis zur Nr.14 dauerte es etwas länger, wir schreiben jetzt Januar 1991. Die gefeatureten Bands hätten unterschiedlicher nicht sein können, aber auf ihre Art und Weise alle sehr gut und interessant: Die Dicken von POISON IDEA, die Smarten von SKINDEEP/100 MEN und die GUTTERSNIPES (dafür fällt mir keine Bezeichnung ein).
Ansonsten finde ich diese Ausgabe wieder ganz gut, Standart eben mittlerweile.

Im Oktober 1990 tourten übrigens erstmals AGNOSTIC FRONT durch Deutschland. Wir wollten natürlich hin, nur kamen wir leider aufgrund diverser Terminangaben in Fanzines wie ZAP eine Woche zu spät nach Schorndorf… Am 28. waren wir dort, am 21. hatten AF dort gespielt – absolut klassisch!

Fußball und Gewalt waren natürlich auch vertreten, und ein gewisser Kalle Stille schrieb mir einen Konzertbericht über DAILY TERROR, der Gute schreibt mittlerweile für’s PLOT-Fanzine, falls das hier jemand kennt.

Auch in der #15 (Mai 1991) gehörten die Interviews wieder eher unbekannten Bands: TRINK 10 aus München und die SMURFTORKS aus Oberhausen, wo Collaps Strauch Schlagzeug spielte und auch die Fragen beantwortete.

Eine ganze Seite gehörte in dieser Ausgabe dem britischen Barden lan Stuart Donaldson, der war nämlich – exklusiv fürs SHOCK TROOPS! – back in black!
Manche Leute fanden das lustig, andere nicht!

Auf dem Cover waren RED ALERT, die tourten im April mit RED LONDON und PKRK und hinterließen einen starken Eindruck. Immer noch um Welten besser als viele neue Oi!-Bands. Einen guten Brief bekam ich auch mal wieder, diesmal von einem Bruder aus den USA (Maryland). Jim hieß der Gute, das Ganze fing mit „Heil German Brothers, racial greetings… how are things looking in the fatherland…“ und hörte mit „White power hail victory 88!“ auf…!
Absolut geil!

Keine Angst, es geht nicht mehr allzu lange, noch 2 bzw. 3 Ausgaben, dann ist es geschafft.

Bis zur nächsten Ausgabe dauerte es dann wieder etwas länger, November 1991, um genau zu sein.

Der Fußball hatte noch immer einen relativ großen Anteil, nicht zuletzt deshalb, weil der FCK ein Jahr nach dem Pokalsieg, ebenfalls als totaler Außenseiter, Deutscher Meister wurde!

Diese Saison 90/91 kommt mir heute noch immer so unglaublich vor, wie sie tatsächlich war. Fünf Jahre später stieg der Verein dann ab (genauso unglaublich), jetzt – ein paar Tage nach dem 7:0-Sieg gegen den VfB Lübeck – ist der sofortige Wiederaufstieg geschafft.

Aber wieder zurück zum ST Nr. A16. Dieser Ausgabe merkte man an, daß sie über einen relativ langen Zeitraum entstanden ist, denn sie wirkte irgendwie recht „zerissen“, soll heißen, irgendwie fehlte der innere rote Faden, auch was Inhalt und Layout/Aufmachung anging.

Dies war auch schon als Grund der fehlenden Lust, die dann auch kurze Zeit später dazu führte, das SHOCK TROOPS einzustellen.

Diese Ausgabe hatte sogar 44 Seiten, ’ne Menge zu lesen gab’s also auf alle Fälle, u.a. Interviews mit RED ALERT, ZAKARRAK und den BÜDCHEN BOYS.
Leserbriefe gab’s auch wieder reichlich, allerdings keine Bolzen wie in früheren Ausgaben, irgendwie verflachte das Ganze ein wenig.

Die letzte Ausgabe finde ich dann eigentlich wieder recht gelungen, mittlerweile war es März 1992. Kein Fußball (!) in dieser Ausgabe, weshalb weiß ich gar nicht mehr, wird wohl seinen Grund gehabt haben.

Die Nr. 17 war wirklich eine reinrassige Musikausgabe, mit Artikeln über ROSE TATTOO, BLONDIE (Huldigung!), Interviews mit THE STAB (geile Band, viel zu unterbewertet und unbekannt), BULLSHIT (naja), SPRINGTOIFEL, VOID SECTION (zu lang das Interview, nicht so interessant), sowie ein Interview mit den damals aufstrebenden Nachwuchs-Labels DIM und NIGHTMARE Records.
Weiterhin einen Artikel über die ausgefallene RED LONDON/RED ALERT-Deutschlandtour im November 1991, eine Seite mit Filmtipps plus die üblichen Platten und Fanzinebesprechungen.

Ich finde, mit dieser Ausgabe habe ich mich ganz ordentlich aus der Fanzinelandschaft verabschiedet, obwohl’s das noch nicht ganz gewesen sein sollte. Nicht, weil ich immer mal wieder was für andere Fanzines (Schmutzige Zeiten, SOS-Bote) schrieb, sondern weil ich im August 1993 nochmal eine achtseitige Sonderausgabe rausbrachte. Viele Leute dürften das Teil allerdings nicht zu Gesicht bekommen haben, denn es war auf 100 Exemplare limitiert.

Der Grund für diese Sonderausgabe war, dass ich bei mir zuhause ein 100 MEN-Interview rumliegen hatte, was ich irgendwie in keinem anderen Zine unterbringen konnte. Zusammen mit einigen anderen Dingen, die mich zu der Zeit ‚bewegten‘, gab es eben diese Sonderausgabe.

Irgendwie ist es echt jammerschade, wenn eine so gute und talentierte Band wie 100 MEN in diesem Interview eine EP ankündigt, die nie erscheinen sollte. Eine Flexi, eine selbstproduzierte Split-7″ mit SKAVILLE TRAIN (von 1994), einige Samplerbeiträge mehr gibt’s von dieser großartigen Band nicht auf Vinyl.

Hat irgendjemand ’ne Ahnung, was die eigentlich heute machen?

So, das war jetzt die Geschichte vom SHOCK TROOPS, vielleicht habt Ihr Euch ja nicht allzu sehr gelangweilt. Falls es jemanden interessiert, was ich mittlerweile mache: Ich bin immer noch Skinhead, auch wenn mich das meiste, was musikalisch aus dieser Ecke zu vernehmen ist, nicht mehr so sonderlich interessiert. Viele Bands finde ich einfach zu uninspiriert und zu unoriginell, irgendwelche Entwicklungen sind kaum auszumachen, zuviele treten einfach auf der Stelle (nicht nur, was die Musik angeht)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.