Rock-O-Rama Records

"Schock & Drama, Rock-o-Rama, mit jeder Band das gleiche Drama"
Rock-O-Rama Records Artikel

"Hardcoreband in Großstadt, / ohne Auftrittsmöglichkeit, / Platte machen, großes Ziel, / da kommt Herbert mit ins Spiel / Ab ins Studio, Herbert zahlt, Cover ist bereits gemalt / Eigene Platte, das macht Bock, doch dann kommt der große Schock
REF.: Schock & Drama, Rock-o-Rama, mit jeder Band das gleiche Drama
Herbert mit dem Scheckheft winkt, / schon hat er die Band gelinkt / Der Sound wird mies, der Mix ist Brei, / doch Egold, der ist voll dabei / Er bringt die Platte auf den Markt, damit er seine Kohle macht / der Profit ist riesengroß, doch die Gruppe sieht kein Moos
REF.:
Er schmeisst das alte Cover weg, / auf dem neuen rennen Soldaten / Er verspricht der Band ´nen Scheck / doch darauf kann sie lange warten / Hardcoreband in Großstadt, / die man nun beschissen hat, / Schweineplatte, Ruf dahin, / weiterspielen hat kein´ Sinn"

So beschrieben anno 1984 die Münsteraner Nachwuchs-Punx der damals recht bekannten Formation ÄNI(X)VÄX (die es aber, abgesehen von einer posthum erschienenen Bootleg-„7“ nie auf eine eigene Scheibe gebracht haben) das Verhängnis mit dem allseits unbeliebten Label Rock-O-Rama, um das es in den folgenden Zeilen gehen soll.
Für Nostalgiker: der Song findet sich auf ihrem Demotape „Live auf Teneriffa“, das sich seinerzeit einiger Beliebtheit erfreute und überregional bekannt wurde, nicht zuletzt dank einer unermüdlichen Promotion seitens des „Sangesgottes“ Adam Riese, woraufhin in dutzenden von Zines Storys von/über ÄNI(X)VÄX (sprich: Änimälwäx) auftauchten.

Ein heißes Eisen, zugegeben, war doch der oben beschriebene Umstand beileibe nicht der einzige Grund, warum Mastermind und Labelchef Herbert Egoldt ein bis heute grottenschlechten Ruf „genießt“ – und das zurecht.

Nazi-Rock-Label Nr. 1

Die kurz nach Entstehung des obigen Textes einsetzende Entwicklung zum weltweiten Nazi-Rock-Label Nr. 1 war seiner – ohnehin wohl nie vorhandenen - Beliebtheit nicht eben förderlich und spätestens ab Störkraft und Co. verlor sich für alle einigermaßen geistig gesunden Mitmenschen die Spur dieses irgendwie immer schon mehr als obskuren Labels.

Doch der Reihe nach.

1980 begann Herbert Egoldt mit den ersten Produktionen auf seinem neugegründeten Rock-O-Rama Records-Label, und war damit immerhin früher dran, als Karl -Ulrich Walterbach, seines Zeichens Boß des anderen „großen“ deutschen Punklabels der Früh-Achziger – Aggressive Rockproduktionen.

Zur Erinnerung: Labels wie Konnekschen, Mülleimer, Moderne Musik und Pogar (s. Story im M+ #11) waren entweder später eingestiegen oder hatten, schon wegen fehlender Quantität, nicht die Bedeutung auf dem hiesigen Punkmarkt, der nach deutschen bzw. deutschsprachigen Platten lechzte.
Außen vor bei dieser Auflistung bleiben auch Labels wie Pure Freude und Rondo, da diese schon durch ein vielschichtigeres Programm nur teilweise Akzeptanz in der Punkszene fanden, die sich ohnehin mehr und mehr dem Hardcore zuwandte.

Schon in den 70ern ein Plattenvertrieb

Herbert jedenfalls, immer schon geschäftstüchtig, hatte neben seinem angeblich heute noch existenten Malerbetrieb schon in den 70ern einen Plattenvertrieb mit Schwerpunkt Rock’N’Roll aufgezogen, fuhr dann aber nach der Punk-Revolution zumindest musikalisch mehrgleisig und bediente seine Kunden nunmehr auch mit einem ziemlich teuren, aber recht gut sortierten Programm aus den Bereichen Punk und New Wave.

In der Kölner Weidengasse unterhielt er dann auch den gleichnamigen Plattenladen, zu bewundern auf dem Cover der Cotzbrocken LP „Jedem das seine“, auf die im Laufe dieses Artikels noch einzugehen ist.

Ein seinerzeit weit verbreiteter Irrtum innerhalb der Szene war die Vermutung, eben dieser Laden würde sich an der auf den Katalogen bzw. Platten angegebenen Adresse in Brühl nah bei Köln befinden.

Im Sommer '83 lenkte ich also meine Schritte zusammen mit einem Bundesgenossen per Bahn nach Brühl, um dort das kärgliche Taschengeld zu verprassen.
Groß war unsere Enttäuschung, als sich uns nicht etwa der erwartete Plattenladen, wohl aber ein gut situiertes Wohnhaus in bester Lage präsentierte – davor parkte ein weißer Mercedes-Sportwagen, in den ein untersetzter kleiner Mann Plattenkisten einlud.

Auf unsere Frage entpuppte sich dieses Männchen tatsächlich als Herbert E., verwies uns auf den genannten Laden in der Kölner Weidengasse und versprach uns beim Einkauf einen Rabatt zu gewähren, da wir ja nunmehr den Weg umsonst gemacht hatten.

Zuhälter-Schnauzbart

Abgesehen von dem Zuhälter-Schnauzbart, den er – wie man das eben so macht – in Höhe der Oberlippe trug, fiel uns besonders die Wahl seines Schuhwerks negativ auf: weiße Stiefeletten, heute durch Herrn Lemmy Kilmister irgendwie schon fast wieder salonfähig, damals jedoch eher nicht so cool.
Fanden wir als kleine Provinz-Punker zumindest, die Kleiderordnung immer im Blick.

Tags darauf, wir hatten die Nacht mit diversen K-Punx stilecht an der Domplatte verbracht (man nächtigte in den draußen ausgestellten Steinsärgen am Ägyptischen Museum), gab’s dann zwar keinen Rabatt, Herbert schenkte uns jedoch – ganz der Großzügige – jedem eine „7“, wobei mein Kollege mit Stoßtrupp irgendwie besser bedient war, bekam ich doch leider die (damals schon) blöde Vorkriegsphase-EP ab.
Na ja, man kann nicht immer Sieger sein.

Ich ließ für meine damaligen Verhältnisse viel Geld in dem Laden, war aber aufgrund des wirklich guten Angebots mehr als begeistert, man war schließlich aus unserer Provinzmetropole ein eher spärliches Sortiment gewohnt.

Demolierte Schaufensterscheiben

Mitte der Achziger schloß dann der Laden, der immer auch den Kölner Punx und Skins als Treff gedient hatte seine Pforten, da autonome Rheinländer irgendwie – ganz entgegen ihrer sonstigen Art – diesen „Spaß“ (der keiner war) nicht verstanden und fortwährend die Schaufensterscheiben des Ladenlokals demolierten.
Herbert gab also den Laden auf und machte nur noch als Mailorder und Label weiter.
Und man darf nicht vergessen: außer RoR gab es sonst nur Mülleimer im Schwäbischen und die Junx vom Vinyl Boogie mit ihren „pißgelben Punklisten“ in Berlin als Bezugsmöglichkeit für aktuelle Tonträger .

Noch Ende der Achziger konnte man in seinem ziemlich umfangreichen Katalog so manches Punk-Schnäppchen ausfindig machen, Singles von eher nicht so bekannten Bands wie Expelled oder Resistance 77 wurden nach wie vor für 6.90 DM veräußert, dürften aber wohl trotzdem kaum Käufer gefunden haben, denn wer bestellte schon noch bei diesem Prototyp der politschen Unkorrektheit?
Abgesehen natürlich von seinen neuen Kunden von Rechtsaußen, doch die dürften sich kaum für genannte Kapellen interessiert haben.

Selbst Scheiben der Redskins und natürlich politisch neutraler Oi-Stoff war im Programm zu finden, und zur Ehrenrettung derjenigen, die trotz allem bei RoR bestellten, sei gesagt, daß es zu dieser Zeit eigentlich fast unmöglich war, anderweitig überhaupt irgendwelche Skinhead-relevanten Tonträger zu erwerben.

Keine Böhse Onkelz-Platten

Später eröffnete an selber Stelle der Indie-Plattenladen „Normal“, der bis zu seinem Umzug in eine Nachbarstraße vor etwa zwei Jahren noch immer ein Schild im Fenster hatte, mit dem Hinweis, keinen Skinhead-/Nazikram zu veräußern und auch keine Böhse Onkelz-Platten im Programm zu haben.
Offenbar hatten simple Gemüter die Betreiber mit diesbezüglichen Nachfragen noch jahrelang genervt.
Das Haus in der Weidengasse gehört immer noch dem Egoldt und beherbergt derweil eine türkische (!) Metzgerei.

So kann das gehen.

Aber zurück zu dem Label.

Unter der ulkigen Label-Nr. RRR0801 erblickte als erste Scheibe die seltsame EP „Punks are the old farts of today“ das Licht der Welt, zusammengeschrammelt von einer Frankfurter Band namens Vomit Visions.

Vomit Visions

Diese zeichnet sich durch eine Wohnzimmerproduktion a la Billy Childish aus und glänzt mit einem wahrhaften Garagen-Schrammel-Rudimentär-Sound, der unseren Kollegen vom „Useless Earlyripes“ gefallen müßte.
Die Band durfte später sogar noch weiteres Material unters verblüffte Volk streuen, einzelne Mitglieder machten unter dem vielsagenden Namen Der Durstige Mann weiter, die später auch auf RoR eine LP veröffentlichten.

Razors

Der Punkfaktor der EP jedenfalls war mehr als gering, was sich aber mit den Razors-Platten („Low down kids“-„7“, RRR 45000, 1980 und der selbstbetitelten LP, RRR 8000, 1980) ändern sollte: die Hamburger liefern ein bis dahin aus deutschen Landen kaum gekanntes Punkbrett ab, das auch heute, 20 Jahre später, zu gefallen weiß.

Ein Klassiker, der dieses Etikett auch wirklich verdient, besonders die LP besticht durch gelungene Arrangements, die, gekrönt durch einen prima Sänger, grandios aggressiv daherkommen.
Und erstmals sitzt ein Mann am Regler, der später noch so manches Scheibchen „veredeln“ sollte: Herbert höchstselbst.
In Anbetracht seiner späteren „Glanzleistungen“ ist – zumindest die LP – geradezu gut produziert.

Aufgenommen wurde die Chose in Köln, wobei einige K-Punx bei einem Stück sogar Chor-mäßig Hilfestellung leisteten.

OHL

Egoldt schien wohl irgendwie selbst nicht mehr durch seine Labelnummerierungen durchzusteigen, zumindest wurden in der Folge die Platten kurzerhand numerisch gelistet, so daß als RRR4 und 5 zwei Singles des späteren Flaggschiffs des Labels erscheinen sollten (beide 1981): Oberste Heeresleitung, kurz OHL.
Alle enthaltenen Songs wurden im selben Jahr noch einmal auf der Debut-LP(RRR6) verwandt, so daß sie sich von dieser LP eigentlich nur dadurch unterscheiden, daß die Qualität der Produktion besser ist.

Wie man weiß, ist die LP nach Jahren dann irgendwann auf dem Index gelandet, ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt, ebenso mißverständlich, zwiespältig, merkwürdig, undurchsichtig und peinlich/platt wie die Texte von OHL sind die Begründungen der Bundesprüfstelle.
Doch, so seltsam das auch aus heutiger Sicht sein mag, die Platte schlug ein wie eine Bombe, es gab kaum einen Punk, der sich dieses Teil nicht besorgte und die textlichen Irrungen und Wirrungen des hinlänglich bekannten Sängers Deutscher W fielen irgendwie kaum einem auf.
Man war im Gegenteil froh, endlich mal eine deutschsprachige harte Platte in Händen zu halten, über Inhalte machte man sich, wenn überhaupt, dann nur am Rande Gedanken.

Bandname, Plattentitel („Heimatfront“) und das hier erstmals verwandte Kriegsmotiv (das Cover zeigt einen Wehrmachtssoldaten) hätten zu denken geben müssen, wurden aber kaum hinterfragt.
Welche Intention auch immer hinter dem Ding steckte, es kam gut an und der zunächst gute Ruf von RoR war, trotz hundsmiserabler Produktion (verantwortlich: Herbert E.) zunächst etabliert.

Cotzbrocken

Und dann kam der Geniestreich: als RRR7 erschien 1981 zweifellos eine der schlechtesten Platten, die jemals eine Punkband verbrochen hat – die LP „Jedem das seine“ der Kölner Gruppe Cotzbrocken!

Hier stimmt wirklich nichts: die Band kann nicht spielen, der Sänger ist völlig unfähig, die Texte saudoof, die Produktion eine Katastrophe.

Das merkwürdige Selbstverständnis („Wir wollen keine Penner sein“), das krude Weltbild („R.A.F.) und der tatsächlich ernstgemeinte Fußball -Prollsong „Südkurvenpogo“ („ ... wir sind die Fans vom FCK, prügeln uns gern und sind immer da, Samstags auf dem Fußballplatz, da machen wir viel Rabatz ...“) zeugen von einer unfaßbaren geistigen Armut, die auch damals schon ihresgleichen suchte.

(Noch 'ne Kostprobe gefällig?: „RAF verbindet sich mit dem rechten Kern – dann geht in Deutschland auf der Terrorstern“). Tja.

Der totale Scheppersound und als Krönung der 8.07-Minuten-Instrumental-Dampfhammer „Massaker“ – wie gesagt, die Band kann nicht spielen – alles in allem wirklich unglaublich.
Die Platte landete irgendwie auch Jahre später, als den Mist wirklich keinen mehr interessierte, auf dem Index, was beweist, das die Damen und Herren bei der Bundesprüfstelle den Schwachsinn Ernst genommen haben.
Das hat dann doch immerhin die 2nd Hand-Händler auf Plattenbörsen gefreut, konnten sie doch das Vinyl mit horrenden Preisen auszeichnen und auf den Indexierungs-Status verweisen.
Als Dokument schon fast wieder lustig.

Die Deutschen kommen

Ein Jahr später, wir schreiben das Jahr 1982, schickt Egoldt erstmals einen Sampler ins Rennen, unter ausschließlicher Beteiligung von Bands aus seinem geographischen Umfeld, nämlich dem Köln-Leverkusener Raum.
Das Ding nennt er zu allem Überfluß auch noch „Die Deutschen kommen“ und druckt frech auf die Rückseite folgende Aufschrift unter die Coverabbildungen des bisherigen Label-Outputs: „Frage auch nach diesen, zum Teil schon legendären Punk-Scheiben“.

Die Erstauflage glänzte sogar durch rotes Vinyl (damals noch was wirklich besonders) und bot mit Fasaga, Der Fluch, Cotzbrocken, OHL und Stosstrupp einen bunten Reigen illustrer Bands, die später teilweise noch zu weiteren Ehren kommen sollten.
Dieses gilt leider nicht für die Fasaga, die erstmals in der Labelgeschichte so etwas wie Humor in ihren Texten zum Ausdruck brachten („Pogo in der Straßenbahn“, „Ich hab‘ kein Gehirn mehr“).
Hier sang ein gewisser Dirk Scheuring, der später langweilige Artikel für die ebenso langweilige Studenten-Bravo „Spex“ schreiben sollte.

Der Fluch, ein Minimalistenprojekt, bestehend nur aus Schlagzeug, Gitarre und Gesang unter Beteiligung von Deutscher W (s.o.) vertonte hier erstmals Horror- und Trashfilm-Themen (Stichwort Hexen, Satan, Tod) und können damit sogar halbwegs überzeugen.
Erstaunlicherweise „weiterentwickelt“ zeigen sich die erwähnten Cotzbrocken, sind ihre drei Beiträge doch immerhin hörbar und mit ihrer Hommage an Exploited, Discharge und die Cockney Rejects („Oi Oi Oi“) entsprachen sie wohl dem damals allgemein üblichen Musikgeschmack der Punkszene.

Erste Tendenzen in Richtung Skinhead-Szene sind zu verzeichnen und auch die Anti-Kiffer-Hymne („Kiffer“) stand stellvertretend für das Weltbild so manches damaligen Zeitgenossen.
Der ein oder andere sollte sich den Text, so peinlich er auch irgendwie ist, noch mal genauer durchlesen..

Auch OHL geben sich verbessert und hatten mit der Anti-Kirchenhymne „Die Macht des Feuers“ sogar einen Hit im Köcher.
Lediglich der Leverkusener Stosstrupp weiß so gar nicht zu gefallen, zu bollerig und unausgereift kommen die drei Titel daher und textliche Fehlgriffe („Im Wald und auf der Heidi verlor‘ ich Kraft durch Freudi“) konnten beim besten Willen nicht überzeugen.
Insgesamt ein gar nicht schlechter Sampler, allerdings wieder garniert mit dem inzwischen obligaten Soldaten auf dem Cover, der, wenn ich mich Recht erinnere, aber 1:1 aus dem Spiegel (oder war’s der Stern?) geklaut war.
Am (Ver-)mischpult wie immer kein geringerer als Herbie höchstselbst.

Der Fluch

Gleich zwei Platten brachten Der Fluch dann noch im Jahr 1982 bei RoR unter (same, RRR9 und die Maxi „Die Gesandten des Grauens, RRR11).
Beide Scheiben mit dem erwähnten Mix aus Minimalisten-Punk düsterer Färbung und den dazu passenden Texten, ganz nett aber auf Dauer etwas nervig und öde.
Beide Platten hat Rüdiger von Teenage Rebel Records vor einiger Zeit zusammen auf einer LP + Bonustracks auf den Markt geschleudert.

Stress

Dazwischen erblickte noch die Stress LP (same, RRR10) das Licht der Welt, eine in jeder Hinsicht belanglose Scheibe, die zu Recht ziemlich vergessen worden ist (allerdings würde es nicht verwundern, wenn irgendwelche Bootlegger, denen allmählich das Material ausgeht, das Ding nochmal als vermeintliche Deutschpunk-Rarität und angeblichen Kult unters Volk bringen wollen).

OHL

Mit RRR12 kam dann die 2.LP von OHL auf die Pogo-Gemeinde zu, „1000 Kreuze“ (von 1982) zeigt sich in allen Belangen verbessert gegenüber dem Debut, die Texte nach wie vor kontrovers aber nicht mehr so abstrus, die Musik aber für damalige Gegebenheiten ein Killer, schnell und direkt, ein Dauerbrenner auf den Plattenspielern der Seifenköpfe von `82, trotz der berüchtigten Herbert-Produktion.
Später hat mal einer den Begriff „CDU-Punk“ kreiert, vielleicht trifft das die Sache am ehesten.

Erneut ziert das Cover eine Soldaten-Darstellung, das Motiv ist allerdings dem Anti-Kriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ entnommen, was auch immer man daraus für Schlüsse ziehen soll.

ChaosZ

Ohne Gnade“ hieß dann die erste „ LP der Stuttgarter Formation ChaosZ (RRR13, 1982), die bereits zuvor eine EP bei Mülleimer veröffentlicht hatten.
Gute Ansätze gingen im gewohnt trashigen Sound leider unter, die Platte hätte unter anderen Voraussetzungen ein Hit werden können.
Mülleimer-Boß Thomas Ziegler, später auch nicht gerade gut beleumundet, produzierte hier im Duett mit Egoldt und beide bewiesen, daß sie vom Knöpfchendrehen nun wirklich keine Ahnung haben.

Das Cover der ChaosZ-LP trägt übrigens ein ziemlich schlecht aufgemaltes „Ultra-Hardcore-Siegel“, was die Damen und Herren Punker wohl zum Kauf animieren sollte.
Schneller, lauter, härter halt.

Das Cover selbst mit dem schießenden Polizisten kam aber irgendwie ganz gut.
Auf Börsen hat man die Langspielplatte schon für 70DM gesichtet, was nahezu lachhaft ist.

B.Trug

Für damals happige 20DM (nirgends sonst als bei Egoldt selbst waren seine eigenen Platten so teuer) orderte ein Bekannter einst die LP „Lieber schwierig als schmierig“ der seltsamen Kombo B.Trug (RRR14), von der man später nie wieder hörte und von der auch damals nichts bekannt war.
Was nicht weiter schlimm ist, war das Gerät doch eine 100%ige Katastrophe, und der Bekannte veräußerte den Fehlgriff flugs.

Wir schreiben übrigens immer noch das Jahr 1982, Herbert produzierte ohne Rücksicht auf Qualität wie am Fließband, offenbar aber mit großem kommerziellen Erfolg.

Die Alliierten

Sein nächster Wurf war dann die meines Wissens erste deutsche Skinhead-Platte der Wuppertaler Alliierten („Ruhm & Ehre, RRR15, 1982), die, trotz des martialischen Titels durchaus politisch integer war, man gab sich „united“ („Skins & Punks“), sang gegen Ausländerfeindlichkeit („Blinder Hass“) und bedachte die Coiffeur-Innung im Bergischen Land („Mein Friseur“).
Musikalisch konnte das Werk durchaus überzeugen, wenn auch nicht unbedingt im internationalen, sprich britischen Vergleich.

An der Gitarre stand übrigens kein Geringerer als Caspar Brötzmann (falls den hier jemand kennt), der lt. Aussagen der Band für die „allzu liberalen“ und Punk-freundlichen Texte verantwortlich zeichnete, für die man sich im Nachhinein bei den Lesern des „Clockwork Orange“ quasi entschuldigte.
Was selbstredend zur Suspendierung eben jenes Caspar B. führte.

OHL
Eine Sammlung munterer Weisen antikommunistischen Inhalts bot dann die 1983 veröffentlichte Mini-LP „Oktoberrevolution“ von OHL (RRR16), die mit einem unglaublich billigem Cover und Songs wie „Russen in Afghanistan“, „Schreckensherrschaft“ und „Roter Terror“ aufwartete.
Da die Songs später fast ausnahmslos noch einmal auf der dritten LP wiederveröffentlicht werden sollten, wäre diese Mini-LP kaum erwähnenswert, für das OHL-Selbstverständnis allerdings symptomatisch der Text auf der Cover-Rückseite: „Die Oberste Heeresleitung ist absolut überparteilich! Politsche Strömungen und Richtungen in ihren extremen Formen laufen dem Selbstverständnis der Gruppenmitglieder zuwider.
Daher erscheint es notwendig, nach den Anklagen gegen die Nationalsozialistische Vergangenheit und die Neonazis der Gegenwart (siehe 1.LP Heimatfront und 2.LP 1000 Kreuze) nun auch gegen die extreme Linke Stellung zu beziehen.
Rechts wie links wollen die Manipulierbarkeit der Massen!!
Wehrt Euch rechtzeitig!!!!!“

Ein Statement, über das es sich, damals wie heute, nachzudenken lohnt.

Skeptix

Kommen wir nun zur ersten internationalen Platte, die bei RoR erschien, nämlich die wirklich großartige LP „So the youth“ der britischen Skeptix (RRR17).
Typisch 82er England-Punk, leicht blechern durch die – man mag es kaum noch sagen – gruselige Abmischung, aber mit Charme, Power und Energie.
Alle 14 Songs sind mindestens gutklassig, mit dem Material hätten sie auch bei Riot City oder Beat the system stilistisch unterkommen können.
So wurden sie in der britischen Heimat wohl ignoriert und in unseren Breitengraden verschmäht.
Schade, denn es handelt sich um einen der wenigen Höhepunkt im Katalog des Herbert E.

Im zweiten Teil der Rock-O-Rama-Punkjahre-Story im kommenden Moloko Plus geht es dann um die sich damals langsam durchsetzende Erkenntnis, daß der gute Herbert ein übler Abzieher ist (s. ÄNI(X)VÄX-Text), seine daraufhin einsetzende Finnland-Hardcore-Schwemme und die sich anschließende Kehrtwendung in Richtung Nazi-Rock.

Der nunmehr folgende zweite Teil ist für alle Beteiligten der unangenehmere – für den Autor, weil er sich durch diverse Finnen-Krach-Attacken wühlen muß und für die geneigte Leserschaft, weil es jetzt wohl bisweilen etwas undurchsichtig und schwurbelig wird, nicht nur wegen der zu erwartenden „weltanschaulichen“ Entgleisungen.
Und hier beginnt das Problem – wo ist die Reißleine zu ziehen ?

OHL

Nun, zunächst aber befinden wir uns wieder im Jahr 1983 und Herbert schickt erneut sein bestes Pferd im Stall – OHL – ins Rennen.
„Verbrannte Erde“(RRR 18, 1983), die nunmehr dritte LP der Leverkusener, ist das ausgereifteste Werk der Band, stramm antikommunistisch ausgerichtet (aber ebenso antifaschistisch), musikalisch aber den Nerv der Zeit treffend: treibend, kraftvoll und mit Abstrichen auch heute noch durchaus genießbar.
Songs wie „Schwarze Rose“ und besonders „Macht des Feuers“ (war zuvor schon mal in einer anderen Version auf dem „Die Deutschen kommen“-Sampler zu hören) gehören in jede halbwegs ernstzunehmende Sammlung deutscher Punk(er-)zeugnisse.

Wie auch schon zuvor bei der Skeptix-LP stürzte sich Egoldt– ganz entgegen seinem Naturell – in Unkosten und legte als Schmankerl ein Poster nebst Texten bei.

OHL/Skeptix

Zwei Songs dieser Scheibe fanden dann auch noch Eingang auf der Split-EP OHL/Skeptix „The kids are united“ (RRR19, 1983), die darüberhinaus zwei ebenfalls von deren Longplayer bekannte Stücke der Skeptix bot, die Fotos auf dem Frontcover sind die erwähnten Poster und auch sonst muß man das Ding nicht haben, wenn man die Platten sein eigen nennt, trotzdem ist die Single inzwischen eine sauteure Rari.

Stoßtrupp

Schon wieder mit Poster, dafür aber mit einem Dutzend Druckfehlern auf dem Cover kam die LP „Wie lang noch ...“ (RRR20, 1983) der ebenfalls aus Leverkusen stammenden Formation Stoßtrupp ins Haus des plattensammelnden Punkrockers.
Der Song „Bullenstraat“ ist also nicht etwa eine Ode an ein niederländisches Gäßchen, sondern eine Hommage an die hiesige Exekutive.
Und „Produziert bon Herbert Egoldt“ ist druckfehlerteufeltechnisch etwa auf dem Niveau eben dieser Produktion.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz – ein dünnes Stimmchen, naiv-dumpfe Texte, die üble Abmischung – irgendwie hat die Platte was.
Es sind die zwar schlichten, aber entsprechend bohrenden Song-Ideen, die man so schnell nicht vergißt.
So sahen es damals auch einige junge Herren aus einer westfälischen Provinzhauptstadt, die flugs einen Fan-Club namens „Die Säcke“ (nach einem, wen wundert’s, Stoßtrupp-Titel) gründeten und Kontakt mit der Kombo aufnahmen.
Irgendwie verlief die Sache dann aber, wie das eben so ist, im Sande, lustig war’s aber doch.

Outfitmäßig gaben sich die Chemiestädter offenkundig etwas unentschlossen, irgendwo zwischen Skin-Wear (neudeutsch) und Punk-Rocker-Kluft pendelte die Garderobe der wackeren Männer, die im Deutschunterricht, Abteilung Lyrik, besonders gut aufgepaßt hatten („Bonzen gehören auf die Streckbank, um zu sehen, wie lang sich Dreck spannt“). Toll!
Oder: „Der Malocher kaputt nach Hause latscht, der Regen ihm in die Fresse klatscht“.
Heute wird so was Streetpunk genannt.

Für Leute mit schmalem Budget gab’s dann noch eine Auskopplung in Form einer „7“ („Kein schöner Land“, RRR 21, 1983).
Der Schreiberling nennt das Gerät leider nicht sein eigen, ärgert sich aber entsprechend, waren doch immerhin zwei der vier enthaltenen Titel anderweitig unveröffentlicht, darunter der Anti-Nazi-Knaller „Neos“.

Erst unlängst erzählte mir ein Zeitzeuge von einem Stoßtrupp –Gig im Sommer ’84, bei dem sich die Bandmitglieder als superprollige Saufsäcke entpuppten, es sich aber nicht nehmen ließen, genüßlich über Herbert herzuziehen.

Vorkriegsphase

Was dann kam, war auch für hartgesottene Deutschpunker eine Nervenzerreissprobe allererster Güte und gehört an sich vor die UN-Kommission für Menschenrechte wegen akustischer Folter.
Die aus dem süddeutschen Raum stammenden Vorkriegsphase (LP „Auf in den Tod“, RRR 22, 1983 und EP „Scheißkrieg“, RRR 23, 1983) raspeln sich holzfällerartig durchs Programm, fallen auch für damalige Verhältnisse durch plumpeste Texte auf und hängen spieltechnisch Lichtjahre hinter etwa finnischen Knatterkollegen hinterher.
Hart und schnell sollte es sein, war es auch, aber das allein reichte nicht.
Damals 16-jährig entschloß ich mich kurzerhand, dieses Machwerk wieder zu veräußern, bevor sich die „Qualität“ des Produkts herumspricht.
Bereut hab ich’s nie.

M.A.F.

Mein Gott, dann enterten M.A.F. aus Rüsselsheim die Bildfläche: „Hau ab!“ (RRR 24, 1983), eine furchtbare Platte mit einem Sound wie live aus der Blechdose, unfaßbar debilen Texten („Totsaufen“, „Alkoholiker“, „Nur noch saufen“), einer begnadet schlechten Version des allseits bekannten Zeichentrick-Blagen-Schmachtfetzens „Heidi“ (Deine Welt sind die Berge ...) und Allerwelts-Songideen, die keinen vom Hocker zu hauen vermochten.

Ich hatte mir Weihnachten `83 von meinen Erzeugern Bares gewünscht, um es bei Mülleimer-Records in Vinyl umzusetzen und war unterm heimischen Weihnachtsbaum schier entsetzt ob dieser musikalischen Darbietung (mein Vater übrigens auch – ich mußte mir dann alternativ Weihnachts-Gospels von einer Interpretin namens Mahelia Jackson anhören und war nicht sicher, was nun schlimmer ist).

Ein Wendepunkt in der Labelgeschichte von Rock-O-Rama

Trotzdem war gerade diese Platte ein Wendepunkt in der Labelgeschichte von Rock-O-Rama: waren bisher nur Gerüchte im Umlauf, M.A.F. gingen mittels der Fanzinepresse an die Öffentlichkeit und plauderten das aus, was man immer schon geahnt hatte: Herbert hatte die Band (M.A.F. heißt im übrigen „Mut aus Flaschen“ – noch Fragen?) nach allen Regeln der Kunst übers Ohr gehauen.

Die Fakten sind im Laufe der Jahre im Nebel der Erinnerung verblaßt, doch die Rede war von verworfenen Coverentwürfen der Band (Herbert nahm lieber eine Comic-Szene aus der TV-Serie „Die Straßen von San Francisco“, in der ein Polizeiwagen einen PKW-Fahrer, nämlich Karl Malden, verfolgt, der darauf mittels Sprechblase den Titel der Platte „Hau ab“ von sich gibt.

Auch den Titel hatte sich die Gruppe anders vorgestellt.
Abgesehen davon war wohl vereinbart, die Texte abzudrucken (man fragt sich allerdings im nachhinein wozu?), was Herbie selbstredend unterließ.
Eine von der Band erstellte Dankesliste wurde kurzerhand nahezu ersatzlos gestrichen und durch einen schlichten „Dank an Herbert Egoldt“ – von ihm selbst natürlich - ersetzt.
Von den Misch(-Masch)-künsten des Label-Masterminds war ja nun in diesem Text mehrfach die Rede, allerdings die Modalitäten der Bezahlung der Band waren dann doch etwas zuviel für das sensible Feeling der Punkszene für korrektes Verhalten: die Band bekam, wenn ich mich recht entsinne, 100 Freiexemplare, die sie im Freundes- und Bekanntenkreis dann verkaufen durfte.

Im vergangenen Jahr brachten findige Bootlegger die M.A.F.-Platte erneut auf den Markt, diesmal mit Bandbild als Cover, aber 16 Jahre später brauchte das Ding wohl wirklich niemand mehr.

M.A.F. war die Platte derart peinlich, daß sie sich kurz darauf auflösten, haben aber noch eine 4-Song-Demokassette veröffentlicht, auf der sie in dem Song „Lieber Egoldt“ mit eben jenem abrechnen.

Man kann sicher sein, daß es anderen Bands bei ROR nicht viel besser erging, außer vielleicht OHL von denen es zumindest damals hieß, ihr Sänger unterhielte eine freundschaftliche Beziehung zum Chef.

Ähnlich fürstliche Vergütung wurde übrigens später bei den Bodychecks ruchbar, aber das ist eine andere Geschichte.

In kürzester Zeit quantitativ den Markt überschwemmt

Rock-O-Rama hatte in kürzester Zeit quantitativ den Markt überschwemmt (man beachte allein das Output im Jahr 1983!), aber mit billiger Aufmachung, liebloser Gestaltung und durchgängig übler Abmischung die Kundschaft verprellt.
Aber jetzt lief das Faß über: ein Label, das seine Bands abzieht, war in der bundesdeutschen Punk-Öffentlichkeit praktisch über Nacht zum Aussätzigen gestempelt – die Anschaffung von RoR-Platten war dem korrekten Stachelhaarträger – und die waren damals noch in der Überzahl – aus Überzeugung verboten.

Brutal Verschimmelt

Diese Entwicklung hatten Brutal Verschimmelt wohl verpennt, sie machten, wir schreiben immer noch das Jahr 1983(!), keine Gefangenen und veröffentlichten eine Langspielplatte (same, RRR 25), die als Prototyp der miesen Rock-O-Rama-Scheibe herhalten kann: Songs, Texte, Produktion, Cover und das Drumherum sind schlicht und ergreifend unter aller Kanone.

In bundesdeutschen Landen wollte nunmehr keine Punkband mehr mit Egoldt zusammenarbeiten und selbst die Formationen, die ihm bereits auf den Leim gegangen waren, riefen zum Boykott (!!) ihrer eigenen Platten auf.

Verkaufen ließen sich die Bestände aus naheliegenden Gründen ebenfalls nicht mehr, wobei gesagt werden muß, daß wohl kaum eine der Bands jemals eine Abrechnung gesehen hat, bzw. gesicherte Informationen über Auflagen und verkaufte Stückzahlen bekam.
Bei mickrigen Produktionskosten und noch spärlicheren „Zahlungen“ an seine „Künstler“ dürfte die ein oder andere Mark im Brustbeutel des Herbert E. hängengeblieben sein.

Allerdings darf eines nicht vergessen werden: mit Aggressive Rockproduktionen, Mülleimer und vor allem Weird System gab es zu dieser Zeit für Bands und Kunden bereits qualitativ weit hochwertigere Alternativen, trotzdem kam man um Rock-O-Rama irgendwie nicht herum, wenn man sich mit Punkrock aus hiesiger Hemisphäre beschäftigte.
Das garantierte schon die Masse seiner Veröffentlichungen und – auch wenn hier Ausnahmen die Regel bestätigen – die ein oder andere Perle war ja dabei!

PROPAGANDA

In einer Zeit, in der der soeben an die Kanzlerschaft geratene Herr Kohl ein neues Verständnis von sozialer Marktwirtschaft propagierte, dachte sich Herbie bei sich, es muß doch möglich sein, neue Geldquellen aufzutun.
Gesagt, getan, und findig, wie er nun mal ist, (oder zumindest war) fand er auch schnell im fernen Skandinavien die neue Monetenquelle: das finnische Hardcore-Label PROPAGANDA!

Die gewisse, landschaftlich und wetterbedingte Tristesse der finnischen Weiten (nachzuprüfen in den extrem melancholischen Filmen finnischer Regisseure), gepaart mit dem Anfang der 80er im hohen Norden offenbar grassierenden Irrglauben, Discharge hätten den Punk erfunden, führte zur Gründung einer ziemlich unübersichtlichen Phalanx von Hackepeter-Epigonen, die sich gegenseitig geschwindigkeitsmäßig zu übertreffen suchten.

Oder anders gesagt: wer bisher dachte, die Varukers wären stumpf, wurde eines besseren belehrt.

(Nur, daß man den Ersteller dieser Zeilen nicht falsch versteht: selbstverständlich ist mir bewußt, daß in Finnland bereits in ´77 ein Punkrock zelebriert wurde, von dem teutonische Anhänger nur träumen konnten, besonders angesichts hiesiger Aktivitäten a la Strassenjungs und Co.)

Heimstätte all dieser besagten Knüppel-Orchester war nun mal PROPAGANDA-Records, geleitet von einem Herrn namens Heikki Vilenius.

Dieser hatte harte D-Mark im Sinn, als er mit dem uns inzwischen als Abzocker bekannten Herbert einen Kontrakt schloß, der es ROR ermöglichte, die PROPAGANDA-Sachen hierzulande in Lizenz zu pressen.
Auf entsprechende Schecks als Gegenleistung dürfte Herr Vilenius bis heute warten, wenn er sich nicht mit selbstgebranntem Fusel totgesoffen hat.

Terveet Kädet, Appendix und Riistetyt

Erste Ergebnisse dieser etwas einseitigen Zusammenarbeit wurden zügig auf das Volk herabgelassen in Form der ersten LPs der im traditionell verschlafenen Deutschland noch völlig unbekannten Terveet Kädet, Appendix und Riistetyt.

Um das Verfahren ein wenig abzukürzen, werden die relevanten Bands nun in Kürze in einem Aufwasch hintereinanderweg abgearbeitet, was zwar auf Kosten der dokumentarischen Vollständigkeit geht, der Flüssigkeit dieses Beitrags im Zweifel aber zuträglich sein dürfte.

Appendix („Money is not my currency“, RRR 26, 1983/“Top of the pops“, RRR 37, 1984) sind die Lieblingsfinnen des Autors (zumindest aus diesem zeitlichen Abschnitt der Punkrock-Historie), immerhin lassen sich die Songstrukturen mühelos voneinander unterscheiden und man erwischt sich gelegentlich beim Mitsummen – ein gutes Zeichen.

Selbiges kann man von Riistetyt nur mit Abstrichen behaupten („As a prisoner of state“, RRR 27, 1983/“Nightmares in darkness, RRR 34, 1984/“Raped future“, RRR 44, 1984), lieferten sie doch zumindest anfänglich ein wildes Gewemmse, um sich dann mit den späteren Werken etwas melodischer zu geben, trotzdem nur für Freaks zu empfehlen.
Wie viele Skandinavier überzeugten die Mitglieder bei Riistetyt (was angeblich soviel heißt wie „Heilige Puppen“) durch ihre Verdienste um die Eisenwarenindustrie, hatten sie doch ein nicht unerheblichen Teil ihrer Gagen offenbar in Nieten, Ketten, Armbänder und andere Accessoires aus dem Punkrock-Bilderbuch anno`83 angelegt.

Die mit Abstand bekannteste und erfolgreichste (nicht beste!) Formation aus dem Reigen der Nordländer waren zweifelsohne Terveet Kädet („Haloween“, RRR 28, 1983/“Black god“, RRR 36, 1984).

Permanentes Gekloppe

Zwar handelt es sich bei dem Material um ein permanentes Gekloppe, mit ein bisschen guten Willen läßt sich aber durchaus ein System erkennen, und nicht umsonst werden Terveet Kädet bis heute von führenden Speedmetal-Orchestern immer wieder gerne als maßgeblicher Einfluß genannt.

Später gab’s dann bei Weird System einen durchaus ansprechenden Nachschlag in Form einer Split-LP mit Kaos (So much fun, 1984), die den RoR/Propaganda-Sachen vorzuziehen ist.

Terveet Kädet gibt es wohl heutzutage immer noch, und wenn sich meine Informanten nicht täuschen, sind sie weitgehend bei ihrem Sound geblieben.
Respekt.

Bastards, Kansan Uutiset, Destrucktions, Vaurio, Siste Dagers Helvete

Bei den Bastards („Sibirian Hardcore“, RRR 29, 1984) handelt es sich um eine ganz interessante Platte, die mir durchaus gefällt (weil sie aus dem HC-Rahmen herausfällt), was man leider nicht von Kansan Uutiset („Beautiful dreams“, RRR 32, 1983) nicht behaupten kann, verbrechen die Junx doch ein ein ebenso wildes wie schlichtes Geprügel ohne besondere Vorkommnisse.

Ähnlich habe ich die Destrucktions („Vox populi“, RRR 31, 1983) in Erinnerung, etwas besser waren da Vaurio („A shout from the night“, RRR 45, 1984), die aber auch nur bedingt zu gefallen wissen.
Richtig klasse hingegen ist die Scheibe von Norwegens Siste Dagers Helvete („The hell“, RRR 38, 1984), die alles hat, was eine GUTE Hardcore-Platte haben muß.

Finnish Spunk, Propaganda Live

Bleiben noch zwei Sampler zu erwähnen (Finnish Spunk, RRR 41, 1984 / Propaganda Live, RRR 42, 1984), die beide nicht gerade durch Abwechselung zu glänzen wissen und gerade im Livebereich dem Hörer einiges an Toleranz abverlangen.
Die Firma Oropax wird’s gefreut haben.

Bleibt festzuhalten, daß mit wenigen Ausnahmen (Bastards, Appendix) der ganze Finnen-Kram aus heutiger Sicht ziemlich unanhörbar daherkommt, aber, man höre und staune, Punk-Deutschland in den Jahren 83/84 war begeistert!
Sicher mag es auch am Exoten-Bonus gelegen haben, trotzdem war es wohl eher diese ungezügelte Härte, die die Leute, so auch mich, zwar vielleicht nicht wirklich begeistert, aber doch immerhin fasziniert hat.

In Zeiten von Trash- und Death-Metal ist das natürlich alles irgendwie Kindergarten, damals aber war das Tragen eines „Riistetyt“-Logos auf der Lederjacke nicht nur ein Beweis von Szene-Kenne, sondern vor allem von unbändiger Härte des Schmachthakens unter der Pelle.

Von den heute wieder voll salonfähigen Clash und Co. sprach wirklich keiner. So waren die Zeiten !!

Nikoteens

Und – man höre und staune – dann hatte unser Mann in Brühl doch noch eine Sternstunde: mit der Nikoteens LP „Aloah Oehh“ (RRR 30, 1983) war aus dem Nichts ein Highlight geboren: die Platte ist definitiv ein Meilenstein bundesdeutschen Hardcores, hier stimmt fast alles, selbst die Produktion geht ok, das Ding ist der Zeit weit voraus und das Songmaterial ist besser als etwa das Zeug vom Stil vergleichbarer Kombos aus der Zeit wie etwa Inferno.

Das die Platte derweil als Klassiker durchgeht, beweisen die Preise, die man auf Märkten zu berappen hat.

The Insane

Als RRR 33 sollte ursprünglich eine Live-LP der von mir überaus geschätzten englischen Band The Insane erscheinen, die ansonsten nur mit drei Singles auf sich aufmerksam machen konnten.
Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen erblickte die Scheibe bei RoR nie das Licht der Welt, was nicht allzu tragisch war, wie Retch-Records Jahre später zu beweisen in der Lage war, als sie das Ding doch noch posthum (Insane hatten sich 1985 nach 5 erfolglosen Jahren aufgelöst) unters Volk brachten.
Die Songs sind zweifellos von einer immensen Güte, allein die Qualität der Liveaufnahmen nimmt einem jeglichen Spaß an der Darbietung.
Nur für Komplettisten und Die-hard-Fans (wie mich).

Festival im Kölner Stollwerk anno 1982

Und dann war da noch dieses RoR-Festival im Kölner Stollwerk anno '82, bei dem, wenn ich mich recht erinnere, die „Creme“ des Egoldtschen Stalls aufspielte, so etwa die Skeptix, Cotzbrocken, Die Alliierten, B.Trug und OHL.
So oder so ähnlich lautete das Billing und das ganze sollte als RRR 39 in Form einer Live-Scheibe auf die Menschheit losgelassen werden.
Warum es dazu nie kam, wird möglicherweise auf ewig das Geheimnis des Herbert Egoldt bleiben.
Eigentlich schade, aber trotzdem ich um dieses Ereignis durchaus wußte, war Köln für uns als kleine Provinzpunx verhältnismäßig genauso weit, wie die Wüste Gobi.

Und dann kam der Tag, an dem Herr Egoldt entdeckte, daß es im Bereich der Subkulturen eine Spezies gibt, die durch ihr selbstgewähltes Working class-Image über eine viel größere Kaufkraft verfügt, als die Stachelhaar-Träger: die Kahlköpfe!

Und diese Klientel bediente uns Herbert ab 1984 mit Platten von Bands, die nie anderweitig die Gelegenheit gehabt hätten, irgendwelche Scheiben einzutrümmern: Combat 84 („Send in the marines“, RRR 35, 1984) und Skrewdriver („Hail the new dawn“, RRR 46, 1984) waren die ersten aus Großbritannien und aus deutschen Landen zogen nach die Bodychecks („Tätowiert & Kahlgechoren“, RRR 43, 1984, auf der Platte selbst steht übrigens irreführenderweise 1982!) und natürlich die Onkelz mit ihrem berüchtigen Debüt „Der nette Mann“ (RRR 40, 1984).

Mal kam das ganze mehr (Brutal Attack, Skrewdriver), mal weniger krass (Indecent Exposure, Snix), anrüchig war es aber allemal immer und somit enden spätestens hier die Punk-Jahre des Labels, um die es hier gehen sollte.

Above the ruins

Zwar überraschte Rock-O-Rama dann doch noch gelegentlich mit untypischen Produktionen, so etwa der Mini-LP von Above the ruins, die kruden (rechten?) New Wave zum besten gaben, oder der unsagbaren LP „Bier 4 tot“ von Der durstige Mann (s. Vomit Visions), doch ansonsten interessierten sich außer den Glatzen nur noch die Damen und Herren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften für die Erzeugnisse aus dem Hause Egoldt.

Indizierungen, Protesten und allerlei Repressalien

Trotz diverser Indizierungen, Protesten und allerlei Repressalien gibt es dem Vernehmen nach den Versandhandel nach wie vor und auch Label-mäßig macht der Malermeister unter anderen Namen (u.a. B.H.-Records) unverdrossen weiter.

Man kam um Egoldt und seine Platten kaum herum

Auch wenn es aus heutiger Sicht merkwürdig erscheint, so hatte Rock-O-Rama doch in den frühen 80ern zumindest hierzulande eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Punkszene.
Oder anders gesagt: man kam um Egoldt und seine Platten kaum herum.
Was natürlich u.a. daran lag, daß jeder, der in der Lage war, eine Gitarre gerade zu halten, bei Herbert einen - wenn auch abgezockten – Plattenvertrag bekam.

Nostalgie hin und schaler Beigeschmack her – ich jedenfalls hatte beim erneuten Durchhören meiner alten Schätzchen für diesen Artikel eine Menge Spaß.
Und darum geht’s ja schließlich..

Kommentare (28)Kommentar schreiben

 

Also ich habe mittlerweile Razors, Cotzbrocken, Der Fluch, Stress, Chaos Z, B.Trug, Die Alliierten, Stoßtrupp, Vorkriegsphase, Mut aus Flaschen, Brutal Verschimmelt und Nikoteens und find die sogar um welten besser als das was heutzutage unter dem "Namen" Punk rausgebracht wird.

 

sehr guter artikel, danke für die infos im nachhinnein.
auch uns - b.trug - ging es nicht anders und ich könnte noch ein paar lustige annektoten hinzufügen.
so scheisse wie hier beschrieben ist die scheibe gar nicht obwohl auch bei uns der egoldt am mixer sass und wir nur einen knappen tag zum einspielen der ganzen platte hatten.
mein bass ging bei der anreise kaputt und ich musste mit einem totalen schrottgerät spielen und gleichzeitig singen, ausserdem waren wir vorher nie in einem studio...egal.
wir haben dann einige zeit später tatsächlich noch im stollwerk gespielt, ua. mit vorkriegsphase und insane.
ich weiss aber nicht mehr wer der veranstalter war.

brutal verschimmelt zog übrigens dann nach berlin und gründeten irie daylie, carlo spielt momentan bei blanc.

 

Die Combat 84 wurde wohl von Victory Records ohne das wissen der Band an Egoldt verkauft.Nach den ersten Songs wurden sie ja schon als neue Sham 69 bezeichnet-die hätten also schon ein anderes Label gefunden.Da zu der ZEt die bekannte Doku. mit der Schlägerei in England lief traute sich das Label nicht mehr die Platte in UK rauszubringen.

 

Sehr sehr geiler artikel,
wobei ich echt nur 2 ror alben früher hatte (Nikoteens und Destrucktion), die aber auch sehr geil waren, irgendwie hatte ich die politische lunte ab den Onkels gerochen und der geruch war mir zuwider...
da waren die Aggressiven Rock Prods echt besser (Slime, Angry Samoans etc).
bei youtube hat auch gerade nen netter mensch die gesamte Destrucktions-scheibe eingestellt. Mal hoffen, dass die da auch bleibt. Nikoteens kauf ich nach (na bis 50,- euronen werd ich wohl ausgeben...)

 

Danke Sir Paulchen für diesen unterhaltsamen Artikel. Ich kann alle Angaben zu textlichen Ergüssen und akustischer Qualität der Werke nur bestätigen, da ich einen Grossteil der ROR Punkplatten selbst in meinem Regal aufbewahre und bis auf wenige Ausnahmen (aus gutem Grund) nie auf den Plattenteller lege. Aber ein gewisser Kultstatus bleibt.

 

hi, ja zu Finnland könnte ich sehr viel beitragen da ich zu allen Bands Kontakt habe und diese auch in regelmäßigen Abstand besuche. Der Typ von Propaganda hat nie Kohle gesehen!

 

Cotzbrocken ist ja wohl Kult!

 

@collaps:
above the ruins war das projekt das tony wakeford nach dem rauswurf bei death in june (einige wird das verwundern: er wurde aus der band geworfen,nachdem verbindungen zur nf bekannt wurden!!)
das von dir genannte stück "genetics" stammt allerdings NICHT von atr , sondern von der band (mit bezeichnendem namen)"final sound". also NICHT aus wakefords feder-der sich vom rechten lager lossagte und heute auch durch statements mit seiner aktuellen band gegen rechts/faschismus/rassismus in erscheinung tritt.

 

Anmerkung zu den Kommentaren:
Als im Jahre 2004 die Rock-o-Rama-Story auf die alte Version der Moloko-Page gestellt wurde, haben sich im Laufe der sieben Jahre etliche Kommentare angesammelt.
Die interessantesten davon habe ich hier übertragen, auf dass sie der Menschheit erhalten bleiben mögen.

 

Ich hab gerade mal gesucht und habe tatsächlich die Erstausgabe von 82, Die Deutschen kommen in roten Vinyl.
Was die wohl beim vrekaufen bringt?

 

Habe sie gerade für 20 Euro aufm Flohmarkt gekauft. Glaube aber nicht, dass der Mann wusste, was er da veräußert. Leider ohne Textbeilage.

 

ich trag mich eigentlich nie in internet-foren ein, aber nachdem ich das hier gelesen habe, muss ich auch mal was loswerden.
ich war in den 80ern dauergast in dem plattenladen in der weidengasse, gerade das angebot an singles und maxis aus england war unglaublich, sowas war sonst nirgends zu bekommen.
damals schon sehr erheiternd fand ich, dass egoldt (der zuhälterschnauzer war wirklich sehr ungewöhnlich) seine eigenen produktionen zur dekoration mit dicken nägeln voll durchs vinyl an die wände des kleinen ladens gehämmert hatte. dieser war nur an drei tagen in der woche geöffnet, soweit ich mich erinnere, er hatte darin eine super-stereoanlage, auf sich alles immer viel besser anhörte als später zu hause.
deutscher w von ohl war öfter dort, trug ne viel bessere lederjacke als die speckigen teile, in den die punks rumliefen und hatte für die damalige zeit auch ungewöhnlich lange haare, einmal kam ich gleich mittags um 12 uhr zur öffnungszeit, da war ian stuart im laden und ich sollte wieder gehen, weil an dem tag geschlossen sei. das erinnert mich auch an eine andere episode, als mal ein junger farbiger in den laden kam und egoldt in voller lautstärke den song "niggers out" (von einer skrewdriver-single glaube ich) spielte und tränen lachte, als der junge schnell wieder nach draussen ging, das hab ich aber selber noch als teenager damals gar nicht richtig registriert.
hatte fast alle ror-platten, diese aber schon mitte der 90er nach und nach verkauft, damals schon für sehr gute preise, wenn man sieht, was da heute möglich wäre...aber was solls.
in meinem damaligen fanzine hatte ich eigentlich in jeder ausgabe ein interview mit einer dieser bands, brutal verschimmelt, nikoteens oder vorkriegsphase, die auch berichteten, sie hätten lediglich 100 freiexemplare bekommen und für jedes bandmitglied eine lederjacke von einem dubiosen freund egoldts. das wär's soweit nach 25 jahren.

 

Ja wirklich fein gemacht!!! Auch der typisch- fanzinehafte ironische Schreibstil weiss zu gefallen. Interessant wäre es, auch über die anderen 'großen' Labels der damaligen Zeit (sprich: AGR, No Fun, Mülleimer, Weird System, Konnekschen, etc. ) ähnlich detailgetreue Artikel zu lesen.
Gibt es diese etwa schon? Wenn ja, kann mir jemand sagen wo's die zu lesen gibt.
Zu ROR gibbet eigentlich nix dolles mehr beizusteuern, außer dass sich jeder freuen kann der damals schon für bittere 20 Märker sich ne Platte von Chaos-Z, Vorkriegsphase, etc. oder Finnen-HC kaufte...
wenn ich beobachte was die Leute teilweise bei ebay dafür auf den Tisch legen, kann ich echt nur lachen ( und mich freuen ).

 

Von wegen "nicht stattgefundenes Festival":
Ich wußte doch, da war noch was und zwar ich - nämlich da! Zumindest bei der Halle.
Allerdings habe ich meine Zeit mit Sex und Saufen verbracht und lag anschliessend auf dem Festivalgelände im Delirium. Da war noch eine Schlägerei zwischen Duisburg (Beck's Pistols) und Kölnern (Cotzbrocken-Umfeld, glaube ich) auf der Rückfahrt und da war es noch hell.
Anscheinend habe ich also nix verpennt. Weiß nicht mehr, na ja, ich war 15. Warum ich das erzähle?
Weil ich das Ticket gefunden habe. Komisch, dass nicht alle Bands davon wußten.
Anzuschauen ist es hier: http://de.tinypic.com/view.php?pic=11grgjk&s=6 .

 

als schlagzeuger der alliierten kann ich ein paar dinge ergänzen:
1. caspar brötzmann (übrigens nicht von anfang an mitglied der band) hat nie für die band getextet
und wurde auch nicht suspendiert. die band fiel auseinander, weil das mit den skins & punx auch
intern nicht funktioniert hat. leider kam es so nicht mehr zur produktion einer geplanten maxi-
single, für die neue songs ( clockwork orange ) und das cover (gruss an pökel) schon fertig waren

2. für den sound unserer platte war nicht egoldt, sondern ein tontechniker namens jürgen fickel
verantwortlich. an stellen ohne gesang drehte er einfach die gitarre lauter-sonst lag sein input
eher bei null

3. bei den aufnahmen der lp hing deutscher w im studio rum. irgendwann machten egoldt und er den
vorschlag, soetwas wie eine rock-o-rama-supergroup zu gründen: die alliierten minus sänger (der
gefiel egoldt nicht) plus deutscher w. wir haben d.w. dann aus dem studio geschmissen.

4. ausser der einstreuung der druckfehler hatte egoldt bei uns keinen einfluss auf die cover-
gestaltung . da haben wir anscheinend glück gehabt.

5. die live-im-stollwerk-lp ist nie erschienen, weil es das festival auch nicht gegeben hat.
zum schluss: wir haben von egoldt 100 freiexemplare unserer lp zum eigenverkauf erhalten- er wollte 1000 stück pressen. es gab dann aber wohl mehrere neuauflagen, für die wir nichts bekommen haben.

also geht auch die schock-und-drama-bootlegversion vollkommen in ordnung.
danke dafür.
christoph

 

Eigentlich ein ganz cooler Text mit ner Menge Infos, die man sonst nirgendswoher kriegt, nur das nervige rumgekotze über fast jede Platte nervt, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, gibt sicher Leute ausser mir, die Platten wie die Cotzbrocken , Brutal Verschimmelt oder gar M.A.F. schätzen...

 

Wow, was für ein genialer Artikel!
Ich habe mich - trotz des eigtl. traurigen Themas - stellenweise bepisst vor Lachen. Klar, wenn Egloth schon von keiner "seiner" Bands gedankt wird, muß er das eben selbst besorgen....
Ergüsse wie sie einem anscheinend im Wald auf der Heidi kommen, habe ich zwar (leider?) nicht, aber dafür andere RRR-Verbrechen wie Bastards, OHL und Chaos Z, die auch ich damals geliebt habe, und die während ich Clash höre zumindest meine Punk-Rente sichern können.

 

Super Artikel, schön auch die ganzen ironischen Passagen!
Mann, ich hab auch noch einige Schätzchen von ROR im Regal...
Das waren so die ersten derben und schnellen Platten, die wir damals bekommen konnten und wir waren total begeistert... Wir waren 14/15 Jahre alt!!!
Die Vorkriegsphase war meine Lieblingsplatte; unglaublich wenn ich mir das heute anhöre, ein Gerumpel und Geschepper.
Trotzdem: Eine schöne Zeit! Auch wenn besagter Herr ja doch einige Lattenschüsse abbekommen hatte...
Er hat tatsächlich Leute und die Entwicklung von Szenen geprägt. Damit gings bei mir mit HC erst los!

Cheers!

 

Hallo zusammen!!

Ein echt unglaublicher Artikel und sehr detailgetreu,
Ich hatte auch das Glück bzw. pech Herbert Egolth persöhnlich zu kennen bevor er 2005 starb und kriegte auch einige male mit wie er diverse Bands, seis von rechts oder links eiskalt über den tisch gezogen hat.
Ich weiss auch von einigen Fällen, wo bands eine Rechts gerichtetes Plattencover ohne ihrers wissens bekamen...

Aber soweit ich weiss gibts den Versand immer noch, und es sind haufenweise verträge da die egolth abgeschlossen hat und wo man jetzt 3 jahre nach seinem tot immer noch nicht weiss bei wem die Rechte der lieder jetzt eigentlich liegen, da die verträge alle wasserdicht sind und die rechte nur auf egolth selber übertragen.
Selbst die Böhsen Onkelz brauchten Trotz erheblicher finanzieller mittel gut 15 jahre bis alle verträge nichtig waren und sie die die Rechte der Lieder wiederbekamen!

 

da ikch erst 16 bin und das plattenzeitalter verpasst habe aber mich sehr dafür interessiere wollte ich mal in die runde fragen ob irgendjemand infos über BRUTAL VERSCHIMMELT würde mich über eine antwort sehr freuen

 

Ziemlich guter Bericht, kann da nicht merkern.
Ein, zwei Randdetails, wie sie bereits Collaps unten anmerkte wären zwar noch sehr interessant gewesen, aber ansonsten ist das Resultat ziemlich interessant und lässt sich auch gut lesen!

 

Der Artikel ist sehr aufschlußreich.Unglaublich, wie es so ein Halsabschneider so lange geschafft hat ungeschoren Geld zu scheffeln. Jetzt wird er in der Hölle schmoren... Dennoch seine Glanzstücke (OHL: 1.+2. Ep,Heimatfront,1000Kreuze od. ChaosZ-ohne Gnade) werden heute auf Börsen zu sehr hohen Beträgen gehandelt.Das ist halt sein spätes Erbe.....! Mir persönlich gefallen die drei "Allgäuknaller" (Brutal Verschimmelt,B.Trug,Vorkriegsphase) am Besten.-Gerade weil die so amateurhaft sind.-rotziger,schrammliger,nicht massenkompatibler Garagenpunk.

 

Am 25 November 2005 Verstarb Herbert Egoldt an einem Herzinfakt
Rock O Rama gibt es nun nicht mehr sein Sohn hat sich ja schon zu lebzeiten davon Distanziert diese Produckte weiter zu vertreiben natürlich ist rechtlich nichts geklärt wie es mit den ganzen rechtlichen kram aussieht

cheers
Hilli

 

Ich fand den artikel sehr gut gemacht!Doch habe ich eine Frage!War der Plattenladen nun in Köln???Und lebt Herbert Egoldt noch?
Ich hab gehört der wäre gestorben???Gibt es Rock-o-Rama eigentlich noch???
wenn mir das jemand alles beantworten kann wäre net???mfg Stefan Hager
ps:meine e-mail adresse hab ich nicht falsch geschrieben!ich hab das mit absicht mit doppel f geschrieben!!!

 

SUCHE
Wuppertaler (Ex?) Glatze, die zwischen `87 und `91 in den JVAs Herford und Bochum kostenlose Mahlzeiten eingenommen hat.
Aus dem Alliierten Umfeld. Habe Deinen Namen vergessen. Deine Lieblingsband waren damals die Bodychecks.
Du trägst ein Boots und Eichenlaub Tattoo auf dem Hals, und Du trägst das von mir entworfene Onkelz Tattoo als einziger ausser mir selbst.
Wenn Du das liest, oder wenn jemand der ihn kennt das liest (z.B. Bodo, Wuppertal), dann möge er mir mailen.
Nostalgieschwangere Grüsse vom Bochumer: latexfarbe@yahoo.de

 

Rock o Rama Records war mal ne Plattenfirma. Das beste was die je hergestellt haben waren Mexico, Böhse Menschen böse Lieder und der Nette Mann von den Böhsen Onkelz. Solche Alben sind heute kult.

 

Die Platten sind aber auch nur "kult" weil sie so schrecklich scheisse sind.

 

Above The Ruins waren ein Projekt um den (Eso-)Fascho Tony Wakeford (damals beim Crisis-Nachfolger Death In June, heute Sol Invictus), bis heute in v.a. krud-neuheidnischen Fokierunenbaumanbetschlagmichtotgothkreisen sehr beliebt.
Auf seiner HP fanden sich Hinweise, dass angebl. Ian Stuart gitarrenmässig mitmischte, was er selbst aber nicht kommentierte. Das und der Text ihres Beitrages auf einem No Surrender-Sampler ("black pigmentation - genetic deviation") lassen wenig an der politischen Ausrichtung zu deuteln übrig.
Damals begannen die NF und White Noise in anderen als Skinkreisen zu wildern.
Ein paar Kommentare von heute noch Aktiven (etwa Fliehende Stürme -> Chaos Z) wären schick gewesen, ebenso mehr über die ROR/WN-Connection.
Oder was von angebl. gar nicht so argen Skinbands, die heute noch dort veröffentlichen, obwohl es nun doch wirklich genug andere Labels gibt. Aber deren Entschuldigungen kennt man ja eigentlich.
Dass Clash & Co. damals gegen Ratzepönk seine Söhne im ROR-Stil tatsächlich abgemeldet waren und heute wieder als gottgleich gehandelt werden, ist wirklich ulkig. Tja, those were the days, Punk in D und seine Pubertäts(w)irrungen. Die Stress-LP ist übrigens wirklich gebootlegt worden. Verglichen mit etwa den, ehem, Herbärds waren die Alliierten aber doch hervorragend.
Na ja, kein Kunststück. Der Durstige Mann ist doch ein schöner Panne-Punk-Vorläufer, ist es nicht?

Kommentar hinzufügen

Wird nicht veröffentlicht
To prevent automated spam submissions leave this field empty.
Fill in the blank
Login