Mein Job als Domina

Andi Shay-Beltramo (SNAP HER) über ihren fesselnden Broterwerb
Mein Job als Domina
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Mein Job als Domina Artikel

1987, ich war gerade 21 Jahre alt, hatte ich zwei Freunde, die 10 Jahre älter waren. Sie hatten immer umfangreiche Sammlungen von interessanten Magazinen auf ihrem Wohnzimmertisch liegen und besonders eines erregte mein Interesse.
Auf dem Cover war eine sexy, in schwarzes Leder gekleidete Frau, die einen Mann auspeitschte, der an ein Andreaskreuz gefesselt war. "Wow, das sieht nach 'ner Menge Spaß aus", sagte ich.
Meine Freundin Getta erwiderte: "Du magst so etwas?" "Yeah, so etwas würde ich gerne mal ausprobieren." "Nun, ich habe eine Freundin, die das beruflich macht."
Ich dachte noch, wie kann man für etwas Geld kriegen, was so viel Spaß macht?
Getta fragte mich, ob ich ihre Freundin treffen wollte um herauszufinden, ob ich in ihrem Kerker arbeiten könne.
Zwei Minuten später telefonierte ich mit Kat und am nächsten Tag fing mein Training als Domina an.

Von Andi Shay-Beltramo; Übersetzung: tb & Bomml

Die Welt des klassischen BDSM ist extrem umfangreich, ich hatte keine Ahnung, was da vor mir lag und was ich alles lernen musste: Bondage, Disziplin, die Künste des Sadomasochismus.
Am wichtigsten sind Fragen der Sicherheit. Man muss wissen, welche Peitschen und Geräte an welchen Körperteilen angewendet werden können.
Man muss lernen, wo die Hauptblutgefäße und Nerven verlaufen, damit bei Fesselungen und anderen Manipulationen bleibende Schäden verhindert werden können.

Meine Chefin war Caren, eine schöne, muskulöse, blonde Domina.

Sie und Kat zeigten mir alles und machten zunächst einen Rundgang mit mir.
Es gab zwei Kerker mit Käfigen, Tischen, Andreaskreuz, Aufhängungsvorrichtungen, massenweise Peitschen, Schläger, Gurten, Nippelklammern, Seilen, Kerzen und vielem mehr. Es gab auch ein Krankenzimmer für sadistische Krankenschwesternummern.

Während meiner ersten Session trug ich eine Krankenschwestertracht.

Ich maß die Temperatur meines Patienten, überprüfte seine Reflexe und fragte ihn nach seiner Krankengeschichte.
Anschließend entschied ich, das Peitschenschläge auf den Hintern die richtige Behandlung für ihn wäre. Er fühlte sich sehr gedemütigt und liebte es.
Meine Bosse waren glücklich und ich liebte meinen neuen Job.

Der Job war aber auch gefährlich.

Wir mussten immer auf die Bullen von der Sitte achten, die als Kunde auftreten konnten.
Außerdem mussten wir auf der Hut vor Psychos aller Art sein, Killern einerseits und Freaks, denen es egal war, ob sie während einer Session draufgingen.
Eines Tages kam ich zur Arbeit und fand Caren vor Angst zitternd vor. Sie hatte einen Kunden, der ihr mehr Geld als üblich anbot.
Er wollte dafür am Hals aufgehängt werden und dabei masturbieren. Er wedelte mit 600 $ rum und das überzeugte Caren. Sie hängte ihn auf, zunächst mit einem Stuhl unter seinen Füßen.
Er holte sich einen runter, rutschte vom Stuhl und spritzte ab.
Dann hörte er zu atmen auf und wurde ganz blau im Gesicht. Caren konnte ihn nicht auf den Stuhl heben und auch das Seil nicht lockern.
Sie hatte Angst, dass er verrecken würde und sie eine Leiche am Hals hätte (hehe, makaberes Wortspiel – tr).

Nach einigen Augenblicken Panik suchte sie sich Messer und schnitt ihn ab.
Danach hatte sie Schwierigkeiten, das Seil um den Hals zu lockern. Irgendwie gelang es ihr und nach einer Herzmassage und Beatmung kam er auch zurück.
Er sagte, das sei sein bester Orgasmus gewesen und er würde gerne zurückkommen. Caren schrie nur, "verpiss dich und komm' nie wieder, Arschloch!"

Wir hatten einen Haussklaven, Frankie.

Er machte für uns sauber, brachte den Müll raus, wusch für uns und lackierte uns sogar die Zehennägel. Er machte sich sehr nützlich.
Dafür spielten wir manchmal mit ihm und unseren Peitschen.
Ich habe 3 oder 4 Tage pro Woche gearbeitet und das ganze Geld gleich wieder rausgehauen. Die Kohle war für mich selbstverständlich und ich investierte in eine unglaubliche Garderobe, inklusive Schuhen und Stiefel, außerdem Gitarren, Verstärker und Alkohol.
Jetzt bin ich pleite und ärgere mich, dass ich nicht auch ein Sparkonto eingerichtet habe.
Nach zwei Jahren hörte ich auf, weil Caren und Kat auch aufhörten und der Kerker von einem dreckigen, stinkenden Kerl namens Dave übernommen wurde.
Er heuerte Nutten von der Straße an, der Ort wurde zu einem dreckigen Puff und ich ging.

Fünf Jahre lang arbeitete ich als Kellnerin.

Ich servierte Alkoholikern Cocktails in Mafia-Kneipen.
Eine Weile machte ich gutes Geld, aber mit Bush begann die Wirtschaft den Bach runter zu gehen.
Ich hatte Glück, wenn ich 15 $ die Nacht machte. Wer kann davon leben? Außerdem beschloss die Stadtverwaltung von West Hollywood, das freie Parken abzuschaffen. Tickets für 55 $ waren die Folge, egal ob man in der Gegend arbeitete oder nicht.

Ich ging ins Domina-Gewerbe zurück.

Aber bei der schlechten Wirtschaftslage war das keine Offenbarung.
Klienten riefen an und tauchten nie auf. Um das Ganze noch schlimmer zu machen, wurde mein Truck geklaut.
Und ohne Auto bist du in Los Angeles gefickt, denn der öffentliche Nahverkehr ist ein Witz.

Danach arbeitete ich bei einer Telemarketing-Agentur. Ich hasste den Job, aber ich konnte meine Rechnungen begleichen.
Nach 9 Monaten konnte ich die Beschimpfungen von meinem Boss nicht mehr ertragen und kündigte.

Dann versuchte ich es wieder in verschiedenen Studios und dieses Mal lief es zunächst besser. Allerdings war die Konkurrenz ziemlich groß, da es sich herumgesprochen hatte, dass man als Domina leicht gutes Geld machen konnte.
Außerdem änderte sich der Kundengeschmack. Die Leute wollten jetzt lieber unterwürfige Mädchen haben, die Masochistinnen machten jetzt das Geld, während es für Dominas immer schlechter lief.

Ich ging und fing in einem gigantischen Kerker an.

Das Teil war wirklich riesig. Nur Dominas und keine Profi-Masochistinnen.
Das Problem war, dass wir in einer ziemlich miesen Nachbarschaft residierten. Sehr viel Gangs waren dort unterwegs.
Wir gingen nie ohne Waffe raus, was allerdings illegal war.
Ich arbeitete zwei Monate und hatte nur zwei Sessions, das heißt auch nur 300 Dollar verdient.
Zum Glück konnte ich bei meiner Mutter essen, wann immer ich sie besuchte. Dann wurde ich gefeuert, weil ich angeblich Geld gestohlen hatte, was nicht stimmte.
Eine Kollegin konnte mich nicht ausstehen - warum auch immer - und schwärzte mich an.

Ich konnte keinen neuen Job finden und musste meine Wohnung aufgeben. Meinen ganzen Krempel brachte ich in eine Lagerhalle.
In den nächsten Wochen machte ich eine Couchtour durch die Wohnungen von Bekannten. In der Zeit probten wir für die Snap-Her-Tour.
Es war eine obdachlose, abgebrannte Domina, die da nach Europa ging.

Kurz nach der Rückkehr von unserer Tour fasste ich den Entschluss, mich selbst um mein Marketing und die Werbung für meinen Job als Domina zu kümmern!
Ich arbeitete auch auf Freelance-Ebene und immer dann, wenn ich einen Kunden hatte, dann mietete ich einfach stundenweise Studios, um mit den Kunden zu arbeiten.
Das funktionierte eigentlich wunderbar, mein Zeitplan war immer perfekt eingeteilt und auch finanziell ging es bergauf!
So hatte ich genug Kohle um mir eine neue Wohnung anzumieten, und einen Raum richtete ich als eigenen „Kerker“ ein, damit meine Kunden immer direkt zu mir kommen konnten.
Ich investierte 12000 Dollar in Equipment, machte viel Werbung und besuchte viele SM Parties, um mehr auf mich aufmerksam zu machen, das alles lief ziemlich gut!

Zu diesem Zeitpunkt begann auch meine Liebe zu Tattoos und so ließ ich mich regelmässig stechen.

Aus diesem Grund verlor ich mehr und mehr meiner Stammkunden und es kamen auch nur sehr wenige neue dazu.
Mir war das irgendwie egal, Tattoos gehören einfach zu meinem Leben...
Um mein Gehalt aufzubessern, vermietete ich meine Räumlichkeiten einfach an andere professionelle Dominas und so konnte ich mich dann doch noch ganz gut über Wasser halten.

Im August 1999, wiederrum kurz nach einer Snap-Her Tour hatte ich einen dummen Unfall und verletzte mich stark am Knöchel, sodass ich 3 Monate lang nicht gehen konnte!
Das grösste Problem war allerdings, dass ich keine Krankenversicherung hatte, und die Rechnungen vom Krankenhaus machten mir mein Leben schwer.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt kein Einkommen, und das Geld, das ich für die Vermietung meiner Räumlichkeiten bekommen hatte, reichte lang nicht aus, um alles zu bezahlen!
Mein Kontostand wanderte immer mehr ins Minus und alles endete mit einem Haufen an Schulden (an denen ich heute noch immer nagen muss!!).
Ich saß die drei Monate zuhause und konnte nur das Telefon abheben, um die Sessions mit meinen Kunden zu canceln, da ich eben keinen Schritt gehen konnte. Manche Kunden vermittelte ich zu befreundeten Dominas...

Irgendwie ging das mit dem Knöchel wieder halbwegs, aber mir fehlte einfach das Geld, um wieder auf mich aufmerksam zu machen, ich konnte mir die Werbung einfach nicht leisten und wenn ich pro Monat insgesamt 500 Dollar verdiente, dann war das eine Menge Geld!

Ich begann, einige Sachen von meinem Equipment zu verkaufen, nur um mir etwas zu Essen kaufen zu können und zu versuchen, den Schuldenberg nicht noch höher wachsen zu lassen!

Ich bin mit ein paar Tättowieren befreundet und die schenkten mir zum Geburtstag ein paar Tattoos, das war wirklich das tollste Geschenk, was man mir jemals gemacht hatte.

Natürlich schadete das aber weiterhin meinem Image als Domina, aber darum kümmerte ich mich einfach nicht, es ist mir auch heute noch egal!!!
Ich ging regelmässig zu SM Parties, einfach aus Spass und um eventuelle Neukunden zu finden!
Ich hatte zwar jede Menge Fun auf diesen Veranstaltungen, aber ich bekam absolut keine neuen Kunden.
Tattoos sind etwas, was in der SM Szene zwar unter den Leuten, die Sado Maso als Livestyle sehen, recht beliebt sind, aber potentielle Kunden können mit Tattoos einfach nichts anfangen!!! Unverständlich, aber es ist wirklich so!!!

Wieder war ein Jahr vergangen und ich konnte immer noch keine High Heels tragen.

Der Schmerz in meinem Knöchel war immer noch unerträglich und schon nach ein paar Minuten musste ich die Dinger immer wieder ausziehen, weil es einfach unausstehlich war.
Ich war nicht wirklich überrascht, als mir eine Freundin erzählte (sie war auch Domina), dass sie sich auch mal den Knöchel gebrochen hatte und ab dem Zeitpunkt war´s mit ihrem Dasein als Domina eigentlich zu Ende.
Bei mir war die Situation eben sehr ähnlich, man könnte sich einfach nicht mehr vermarkten, wenn man nicht mal mehr High Heels tragen konnte!
In meiner gesamten Zeit, die ich in der BDSM Szene tätig war, hatte ich nie Leute kennengelernt, die Bock auf eine Domina ohne High Heels hatten... der Wunsch waren immer extrem hohe Schuhe... ich hingegen konnte nur mehr low Heels tragen, also so 3-4 cm hoch aber meine Kunden verlangten eben 12-13cm hohe Absätze - ein Ding der Unmöglichkeit mit meinem Knöchel.

Langsam begann ich auch damit, meine gesamte Collection an hohen Schuhen und Boots zu verkaufen, um mich über Wasser halten zu können...

Das hat mir zwar sehr leid getan, aber ich hatte auch keine andere Wahl!
Zum Glück sind mir immer noch „meine“ Tättowierer treu geblieben und versorgten mich weiterhin mit Gratis-Tattoos, als Gegenleistung kochte ich manchmal Abendessen für sie und sie waren mehr als zufrieden!
Oder ich habe einfach ihre Studios weiterempfohlen, damit wenigstens sie an neue Kunden kommen konnten!
Das mache ich übrigens immer noch, also wenn Ihr mal in Los Angeles sein solltet, dann schaut auf alle Fälle bei Erika Stanley (www.artandsoul.net) oder Danielle Oberosler (www.tattooedlady.com) vorbei!!!

Im Laufe der Zeit wurden die Kunden wirklich immer weniger, ich hatte kaum noch Sessions.

Gleichzeitig wurde „Pro-Domination“ immer beliebter und populärer, sodass es mittlerweile alleine in LA mehrere tausend professionelle Dominas gibt! Abgesehen von all jenen in den anderen Städten.
Werbung wurde auch immer teurer, ganz abgesehen davon, dass niemand Bock auf eine tätowierte Lady hatte, die nicht mal High Heels tragen konnte! 
Somit musste ich auch noch den Rest meiner Ausrüstung verkaufen - den Bondagetisch, den Käfig, den Bondagesessel, Klammern, Schellen, Peitschen, elektrische Bestrafungsmittel und eben alles, was so dazugehört!
Natürlich gab es eine Menge an anderen Dominas, die auch über das nötige Kleingeld verfügten, mir das Zeug abzukaufen!

Ich habe dann einen Job in einem Delikatessengeschäft in LA gefunden, aber nach ein paar Monaten habe ich das aufgegeben und bin nach New England übergesiedelt!
Hier fühle ich mich wohl, die Luft ist besser und die Musikszene ist auch viel interessanter!
Ich wohne in Providence, Rhode Island (nein, das ist keine Insel, hehe), das ist übrigens der kleinste Staat in den Staaten! 
Außerdem war´s der erste Staat, der sich im Mai 1776 von der britischen Herrschaft löste!
Joan Jett lebt auch in Providence, wenn sie nicht ständig auf Tour wäre, würde ich wohl oft bei ihr herumhängen!

Mein erster Job hier war wieder in einem Delikatessengeschäft.

Allerdings habe ich da nach 5 Monaten wieder gekündigt, weil ich keinen Bock hatte, für einen Mafia-Boss zu arbeiten, der war ein richtiges Arschloch!
Im Moment bin ich auf der Suche nach einem neuen Job, ich hoffe, dass ich da meine Sprachkenntnise (ich kann auch spanisch und italienisch) nützen kann, desweiteren schreibe ich im Moment auch an zwei Büchern!
Seit letztem Jahr habe ich mir auch keine neuen Tattoos machen lassen, hoffentlich ändert sich das bald wieder.
Das Problem ist eben, dass ich hier an der Ost-Küste bin, ohne Geld und meine Lieblingstättowierer sind immer noch in Los Angeles!

Ganz egal, in welcher Situation ich mich jemals befunden hatte, ich habe immer in einer Band gespielt.

Sowas ist ja auch immer mit Arbeit verbunden, was eigentlich bedeutet, dass ich mehr oder weniger immer zwei Jobs gemacht habe. 
Keine Rast für die böse, tättowierte clad punk rock working class Heldin, hehe!
Auch wenn ich keine extremen Schuhe mit Absatz mehr tragen kann, meine Stahlkappenboots machen mich immer noch glücklich und motivieren mich auch für die Zukunft...

alles von:   

Kommentare (3)Kommentar schreiben

 

Interessanter Beitrag über ein leider tragisches Leben als Domina!

 

Kann ich nur bestätigen!

 

Toller Beitrag, das lesen hat echt Spass gemacht :-)

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