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Das BLIND TAPE geht in eine neue Runde, und da Hupe diesmal keine Zeit hatte, sich darum zu kümmern, habe ich diesen schweren Part übernommen. Die Regeln dürften bekannt sein: Eine Band bekommt ein Tape mit Songs vorgespielt, und diese müssen nun erraten, um welche Stücke und Bands es sich handelt.
Ich habe mich in diesem Fall für einen Fanzinemacher entschieden, und zwar für Ben, der das großartige französische Une Vie Pour Rien-Skinheadzine herausbringt und nebenbei das gleichnamige Label betreibt Insgesamt waren dann zehn mehr oder weniger große Klassiker französischer Herkunft zu erraten, in der Hoffnung, Ben würde die meisten der Songs erkennen und ein paar illustre Anekdoten über die Bands zum Besten geben.
Und genau so ist es gekommen - Ben erkannte sogar alle Songs. Hier nun sein Report, und ein dankbarer Gruß an die liebe Sandra (sandra@diepucks.de), die diese Story ins Deutsche übersetzt hat!
Track 01
CAMERA SILENS: "Une vie pour rien"
Der Song, der dem Zine den Namen gab und auch meine Lieblings Oi! Band aus den 80ern. Eine der wenigen Oi! Bands aus den 80ern in Frankreich, die mehr links- als rechtsgerichtet waren.
Aber die hatten nichts zu tun mit den Militanten und Slogan-Bands, die man heute kennt oder mit der Punkszene aus dieser Zeit: Ihre Songs handelten über die Realität des Lebens, Selbstmord, der Working Class, der Lower Class und auch der Criminal Class - so auch der Name einer ihrer Songs.
Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, den ehemaligen Sänger zu treffen, um mich davon zu überzeugen, ob das die reellen Erfahrungen waren, über die sie da sangen. Ihr erstes Album "Reality" ist das beste französische Oi! Album für mich, das Cover, die Songs, die Texte, der Sound, alles ist perfekt. Der Song "Une vie pour rien" stammt von der zweiten Wave, mit mehr Reggae/ Soul, mit mehr poetischen Texten, ich mag den Song auch sehr.
Sie waren etwas mysteriös, weil der Sänger nie irgendwelche Interviews nach dem Split der Band 1987 gab, deswegen war es eine echt große Freude, als er mich vor zwei Jahren kontaktierte, um mir zu sagen, dass er das Zine gelesen hatte und es okay fand, darin nochmal über diese Periode zu sprechen.
Track 02
THE JANITORS: "Workers Right"
Die Band, auf die ich lange Zeit gewartet hatte. Als ich in den Mitt 90ern anfing, rumzuhängen, waren meine zwei französischen Lieblings Oi!Bands zu der Zeit Les Teckels -mit einem großartigen frühen Oi! Sound und Humor - und Toltshock mit starken Texten über die Arbeiterklasse und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Als ich das Demo der Janitors vor 3-4 Jahren hörte, hatten die genau das alles!
Und sie waren damals erst 20 (vor ner ganzen Zeit waren die Skins und Besucher der Oi! Konzerte 25-35 Jahre alt). Jetzt ist es ein bisschen wie eine gemeinsame Story (Anm. tr: Die Band ist auf seinem Label)
Track 03
KIDNAP: "Salut les gros bras"
Ein Song, der sehr charakteristisch für die gesamte französische Oi! Szene nahezu aller Zeiten ist. Er erzählt von den Konzerten mit dieser verdammt schlechten Atmosphäre wegen der internen Kämpfe und Streitigkeiten.
Und das stimmt wirklich, in Frankreich ist die Atmosphäre bei vielen Oi! Konzerten ein bisschen angespannt, ganz besonders in Paris. Es gibt so eine Art Gruppentradition in der Pariser Skinhead Szene, mit oder ohne politische Ausrede, die ihre Überlegenheit den anderen Gruppen zeigen müssen.
Deswegen gibt es ne Menge Leute, die sich zusammentun und jeden auf den Konzerten misstrauen…
Track 04
RAS: "LVF"
Eine der seltenen antirassistischen Oi! Bands aus Paris von 1984, ihr Album ist ziemlich mythisch mit ihrem großartigen auffälligen Albumcover. Dieser Song ist gegen den Zusammenschluss Pro Nazis während des Zweiten Weltkriegs.
Der zweite Sänger, Remy, hatte Ende der 90er eine großartige Band namens P38 in Marseille, und jetzt spielt er in der “Sales Battards Fuckin Crew”. Er ist immer noch dem Oi! verschrieben, und er ist ein guter Saufkumpane! Der ehemalige Manager der Band, Philippe Roizes, ist schon seit Jahren kein Skinhead mehr - er ist jetzt Dokumentarfilmer und arbeitet gerade an einer Dokumentation über die Skinhead Bewegung der 60er bis Anfang der 80er Jahre, und es scheint ein großartiger Film zu werden.
Er hat Interviews mit dem meisten früheren englischen Oi! Bandmitgliedern und mit vielen Ex- Skinheads und jamaikanischen Künstlern gemacht… Ihr anderer Manager (der ihre Platten auf dem Fomb Record Label herausbrachte) Philippe Broussard ist jetzt ein ziemlich bekannter Journalist.
Er schrieb Anfang der 90er das, wie ich finde, beste Buch über Fußball Fans und Ultras namens "Generation supporters".
Track 05
SURVET SKINS: "Pop Oi!"
Survet Skins war ein großartiges Bandprojekt, das versuchte, die Criminal- und Lower Class-Seite des Skinheadkults zu besingen, zu einer Zeit als viele französische "nicht-politische" Bands über “death injury” (?), gegen die Vorstadt Troublemaker (meistens Söhne von Immigranten) und andere dumme Klischees sangen.
Sie sagten, sie wären ein bisschen wie die Vorstadt Troublemaker, über die ihr sicherlich letztes Jahr in den Medien gehört habt, also diese Ausschreitungen in Frankreich, die nur Oi! und Reggae hören, statt Rap und Raggamuffin. Und mein richtig guter Freund Charly, einer der Sänger (Ex Sänger der 8°6 Crew) ist ein wirklich guter Songschreiber!
Track 06
KOMINTERN SECT: "Les années d'acier"
Komintern Sect war eine sehr wichtige Band der 80er Jahre Szene, die einzige, die drei Alben veröffentlichte, viele Bands covern ihre Lieder, vor allem "Unis par le vin".
Sie waren zusammen mit Leuten von Reich Orgasm Gründer des mythischen Labels Chaos Production, das klassische Punk Oi! Compilations und viele Platten solcher Bands wie Collabos, Trotskids,… herausbrachte.
Dieses Label ist wie ein Symbol der nicht politischen Oi! Punk Szene des Frankreichs der 80er Jahre.
Der Drummer spielt jetzt bei Burning Heads, einer ziemlich bekannten Melody-Punkband (sie haben ein Album bei Epitaph rausgebracht).
Track 07
WARRIOR KIDS: "Ville Morte"
Warrior Kids ist eine spezielle Band, weil sie aus Marseille kamen, einer Stadt, die nichts mit Rock'n'Roll zu tun hat, sie waren die einzige Oi! Band aus dem Südosten Frankreichs der 80er Jahre.
Viele Bands covern ihren Oi! Klassiker "Adolescent", ich bevorzuge aber eher die Album-Zeit, mehr Rock mit gut geschriebenen Texten. Sie kamen vor 5-6 Jahren wieder zusammen, um eine komplette Studio Re-Edition herauszubringen, und ihr Reunionkonzert in Marsaille war der Wahnsinn.
Es war das erste Mal, dass ich nach Marsaille fuhr (es gibt eine sehr große Rivalität zwischen Paris und Marsaille, Paris ist die Hauptstadt und Marsaille ist sehr mediterran, es gibt einen Hafen und es ist ein bisschen wie eine Karrikatur des nördlichen Europas gegen die Karrikatur des südlichen Europas), und ich werde es nie vergessen, dass sie ein privates Set am Freitag vor 50 Freunden und deren Freunden gaben, und am Samstag waren es 250 Leute (das ist ne Menge für Marsaille) aus ganz Frankreich mit einer erstaunlichen Atmosphäre. Alle standen auf der Bühne, verrückte Parties und Aftershows…
Danach gaben sie weitere Konzerte, hatten einen großartigen Gig in Paris vor 500 Leuten (das letzte große Oi! Konzert in Paris) und dann haben sie noch ein paar neue Alben und Zeugs gemacht, aber ich glaube, es war nicht mehr so interessant - und ganz ehrlich: es hatten wirklich nicht mehr viele Leute Interesse daran.
Track 08
L'INFANTERIE SAUVAGE: "Les Poings levés"
L'infanterie Sauvage gab es nicht lange (zwei Jahre, von 82-84), aber sie haben ne Menge Songs gemacht. Die meisten davon unveröffentlicht, nur auf Demo erhältlich. Nur 7 Songs haben sie offiziell herausgebracht, aber sie waren trotzdem eine der besten Oi! Bands in Frankreich.
Sie haben viele großartige Songs über das Working Class Leben gemacht, genau wie dieses hier, voller Wut und Authentizität, obwohl sie noch recht jung waren. Sie lösten sich 1984 auf, als Geno, der Sänger, ein Nazi wurde (wie viele der französischen Skinheads zu der Zeit).
Er ertrank 1987 im Loire River unter mysteriösen Umständen (viele der ersten französischen Skinheads starben zeitig, besonders die erste Generation aus Les Halles 1978, dort, wo für viele die Drogensucht begann).
Track 09
LES VÉROS: “The way I feel”
Boni, der Sänger und Gitarrist von Les Véro's, ist ein richtig großartiger Musiker, er spielte Schlagzeug in vielen Bands seit Anfang der 80er: Snix, Les Gens d'ici, Elite, pre-Bleach Boys, glaube ich, und noch andere, an die ich mich nicht erinnere oder die keinen Namen hatten, und Vero's ist, so denke ich, sein persönlicheres Projekt gewesen und sie hatten einen echt großartigen Sound. (Anm. tr: Haben die sich etwa aufgelöst?)
Track 10
TOLTSHOCK: "Freddy"
Ich habe die meisten der Toltshock Konzerte rund um Frankreich gesehen, ich mochte ihren Spirit seit ihrem ersten Song, dem Klassiker "Brixton Boogie", der um '98-99 rauskam. Lug, der Sänger, ist seit Ende der 80er Skinhead, er besetzte Anfang der 90er Jahre Häuser zusammen mit Anarchisten und anderen Ex Skinheads aus den 80ern, seine Texten gingen um den echten Klassenkampf, und er singt nur über das, was er tat: über das Aufstehen 5 Uhr in der Früh und das zur Arbeit gehen für einen miserablen Lohn, und über die Verachtung der Higher Class…
Sie wollten nie etwas mit rechts- oder linksgerichteten Gruppen zu tun haben, also wurden sie dafür von beiden Seiten mehr oder weniger gehasst. Jetzt spielen drei von ihnen bei Old Cunts, zusammen mit Fabrice, dem Sänger der Les Teckels, und sie haben gerade ihr erstes Album draußen. Sie haben echt gute Konzerte gemacht, obwohl Lung nicht mehr die Songs schreibt, er spielt jetzt den Bass.
Sie haben auch schon viele noch unveröffentlichte Songs, und ich hoffe, sie werden eines Tages veröffentlicht.
28.02.2011




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