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Es fällt nicht leicht, Orlando zu beschreiben. Ein ruhiger, besonnener und sympathischer Kerl im fortgeschrittenen Alter würden die einen sagen.
Man könnte ihn als auch ein Mythos von Muttenz vorstellen, einem kleinen Kaff vor den Toren der Industriestadt Basel im Dreiländereck zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich. Fragt doch Mosh, warum er für ein Tattoo immerhin einige Autostunden im Kauf nimmt, oder lest doch, was der Künstler so zu sagen hat.
von Dodo, März 2005
Orlando, gebürtig Roland Andermatt, kam im Jahre 1959 in der Gegend um Basel zur Welt.
Schon sehr früh wusste der gute Mann wohl was er mal machen will und fing mit dem Zeichnen bereits im Kindergarten an.
"Das war doch toll, da hatte ich immer Gratispapier!"
Bis zum 12 Lebensjahr hatte Orlando schon alles mögliche zu Papier gebracht, von Raumschiffen über Autos bis zu Indianern oder Flugzeugen und anderen Lieblingsobjekten von Kindern in dem Alter.
"Ich glaube, ich kann von den ganz frühen Zeichnungen bis heute noch profitieren, denn vieles hatte ich schon als ganz kleiner Knirps erlernt."
Schon etwas älter besuchte Orlando mit seinem Großvater das Kunstmuseum in Basel und sah zum ersten Male Gemälde von Salvatore Dali.
"Wenn es so was wie ein Vorbild für mich gibt, dann ist das Salvatore Dali."
Anfangs der 70er Jahre nahm also die Karriere von Orlando die ersten Formen an.
Leider passte der junge Orlando nicht so sehr in der Schule auf und war zu fest mit seinen Zeichnungen abgelenkt, bis er die obligatorische Schule sogar deswegen verlassen musste.
Er hatte großes Glück und konnte auf der Kunstgewerbeschule zu Basel erfolgreich einen Vorkurs absolvieren. Musik war Orlando auch vor der Punk Rock Explosion nichts unbekanntes, doch hatte er eigentlich schon lange die Schnauze voll von Jazzrock und Stadionrock.
"Punk kam genau zur richtigen Zeit und war die Erlösung von all dem langweiligem Zeux, den wir uns bis anhin anhören mussten."
Bereits Mitte der 70er Jahre entdeckte Orlando auch die Drum Sticks für sich und fing mit dem Schlagzeug spielen an.
Natürlich wusste er zu der Zeit noch nicht, in welche Richtung sich alles entwickeln sollte, und so jammte er mit Freunden, in der Hoffnung, Jazzrock spielen zu können.
Als Orlando aber über das Fernsehprogrammheft TR7 von der Punk Rock Welle erfuhr, war Schluss mit Jazzrock und im Winter 77/78 gründete man unter dem Namen VOLCAN die erste Punk Rock Band aus der Gegend Basel.
Leider hatte Orlando aber mit Musik weniger Glück als mit der Kunst und so hielten es VOLCAN vielleicht ein ganzes Jahr durch.
Immerhin konnten sie einige Gigs in der Zeit spielen.
"Es war einfach verdammt schwer, die geeigneten Musiker zu finden. Die meisten Gitarristen standen auf Heavy Metal oder Bluesrock und ich war der einzige Punker in der Band."
In der Frühphase des Punk Rock konnte sich Orlando auch in der Punk Rock Szene einen Namen schaffen und gestaltete für das legendäre Zürcher Fanzine "No Fun" eine Seite.
Ab da ging es eigentlich so richtig los mit dem Zeichnen und Orlando entschloss sich, eine Berufsausbildung zum Steinmetz zu absolvieren. In dieser Zeit fertigte er hunderte von Grabsteinen an und arbeitete anschliessend noch acht Jahre auf dem Bau.
Doch diese prägenden Jahre vergingen nicht ohne Zeichnen. Ganz im Gegenteil.
"Während all diesen Jahren zeichnete ich drei Stunden täglich, und auch wenn meine Freundin am Sonntag bei strahlend blauem Himmel raus wollte, war ich besessen am Zeichnen."
In den 80er Jahren schuf sich Orlando viel Anerkennung in den Untergrund Szenen der Musik, Science Fiction und Fantasy Illustration.
Er entwarf unzählige Plakate, Fanzinecover, T-Shirt Designs, Firmenlogos und noch viel mehr. Die logische Entwicklung daraus war sein eigenes Fanzine, das "Artcore" Magazin.
"Das war schon toll, da bekam ich eines Tages einen Brief aus New York, indem ich informiert wurde, dass mein Magazin offiziell vor den Pforten des New Yorker Museum of Modern Art verkauft wird. Somit wurde also mein Magazin von zertifizierten Straßenverkäufern unter das Volk gebracht."
Das klingt auf der ersten Stelle gut, doch wie das so ist mit Kunst, gestaltete auch Orlando lange Jahre eigentlich alles umsonst und ohne Entgelt.
Die meisten Leute mit einer besonderen Begabung wollen aber früher oder später vielleicht doch mal Kapital aus ihrem Talent schlagen, und so träumte auch Orlando von einer Karriere als Illustrator.
Aus dem Illustratoren Orlando wurde aber nichts, und gegen Ende der 80er Jahre befasste er sich zum ersten Male ernsthaft mit dem Gedanken ein Tattoo Künstler zu werden.
Bereits 1981 holte sich Orlando sein erstes Tattoo, damals noch bei Tattoo Legende Werner Grob in St. Gallen.
"Ich ging mit einem Six Pack ins Studio, und möchte heute eigentlich auch nicht detailiert wissen wie es mit der Higyene aussah, aber als ich mein erstes Tattoo hatte, war ich sofort infiziert von der Droge Tattoos."
Zehn Jahre nach seinem ersten Tattoo eröffnete Orlando zusammen mit seiner Freundin Sabine das bis heute bestehende Orlando's Tattoo Studio.
Bevor es aber überhaupt so weit war, reiste Orlando in die USA und nach England, um die Kunst zu erlernen.
"So richtig erlernt habe ich das Handwerk bei Louis Molloy in Manchester, er war so zu sagen mein Lehrmeister."
Harte Arbeit, viel Fleiss und Ausdauer und ein bescheidener Lebensstil führten schlussendlich zum Erfolg und zahlten sich für Orlando aus.
Seit Anfang der 90er Jahre hat sich Orlando unter den Tattoo Fans einen guten Namen geschaffen, und das auch International.
"Meine Kunden kommen zu mir um was Spezielles auf ihrem Körper zu haben. Ich tätowiere dann am liebsten, wenn ein Kunde einen Wunsch hat, und ich seinen Wunsch in ein Tattoo umsetzen kann."
Orlando beabsichtigte nie ein Künstler für die Masse zu werden, und so sind bis heute ca. 90% seiner Tattoos Kustom Tattoos.
"Wenn du mich fragst, gibt es heute zu viele Tattoo Artisten, und viel zu viele davon sind schlecht. Den meisten fehlt die Fähigkeit und Feinfühligkeit, Kunst und Handwerk verbinden zu können."
Trotz der immer stärker wachsenden Konkurrenz und der körperlich anstrengenden Arbeit kann sich Orlando eigentlich nichts besseres und anderes im Leben vorstellen.
"Ich kann mir durchaus vorstellen Leute zu tätowieren bis ich 60 Jahre alt bin. Zudem bin ich selber ein Tattoo Freak und hab noch Platz auf meinem Körper."
Noch ist Orlando nicht 60 Jahre alt, doch Material für ein ganzes Buch hat er in all den Jahren schon genügend gesammelt. Sein erstes Buch "Orlando's Punk Rock Flashback & Tattoo Arto Book" ist vor kurzer Zeit in Eigenregie erschienen und sollte noch viele Herzen erfreuen.
"Noch immer zeichne ich gratis für Freunde, noch immer sammle ich Tattoos und noch immer höre ich Rock N' Roll und bin ein grosser Pin Up Fan.”
13.01.2012



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