• Allgemein,  Feuilleton

    „J’irai revoir ma Normandie“

    von Thorsten Braunaus MP #14, Oktober 1999 „Ich werde meine Normandie wiederzusehen“ Mit diesem alten Chanson auf den Lippen stürmten am 6.6.1944 die frankokanadischen Soldaten den Strandabschnitt Juno-Beach. 5000 verreckten und liegen jetzt in ihrer alten Heimat begraben. Während der Fahrt durch die Picardie durchquert man die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs. Hinter jeder Straßenecke liegt ein Soldatenfriedhof, sogar für Australier und Neuseeländer gibt es welche. Man kann einer Touristenstraße folgen, ahnlich der deutschen Weinstraße. Ein blutroter Fleck mit den Umrissen des Departments Somme weist den Weg. Manchmal stehen Schilder am Straßenrand: Frontverlauf am 1.8.1916 (oder an einem anderen Tag). Die Sonne brennt, man fährt durch die Felder (‚Hier wachsen lhre…

  • Historisches & Biographien

    Anarchy in East Germany – Stories von meiner Zeit als Punk in der DDR

    von Blank Frankaus MOLOKO PLUS #14, 10.1999 Eigentlich wollte ich ja nichts mehr über die alten Zeiten als Punk in der DDR schreiben, da ich der Meinung bin, daß darüber in den Jahren nach dem Niedergang des „Arbeiter- und Bauernstaates“ schon genug (und oftmals unsinniges) geschrieben worden ist. Nun habe ich den Fehler begangen und einige Anekdoten aus dieser Zeit in meiner Januarkolumne im 3 GENERATION NATION zum Besten gegeben. Diese Stories haben nicht nur den Leuten vom MOLOKO PLUS sehr gut gefallen, sondern auch einigen anderen und allesamt haben sie mich gebeten, doch mal etwas ausführlicher über meine Zeit als Punk in der DDR zu schreiben. Es scheint also…

  • Historisches & Biographien,  Interviews

    Bunt & Kahl in Wuppertal, 1982 – über Sturmtrupp, das erste Skinhead-Fanzine und die erste Skinhead-Generation in Deutschland

    von Sir Paulchen & Pökel aus MP #41, 03.2010 Wuppertal, die zweite. Kein langweilig-blutleerer Nachklapp, denn mit Ralf P. alias Pökel haben wir einen Zeitzeugen und Szene-Protagonisten vor das Mikrophon gezerrt, der authentisch und mit erstaunlichem Erinnerungsvermögen nun den ganz frühen Tagen der damals im Entstehen begriffenen westdeutschen Skinheadszene berichten kann. Und der mit großer Wahrscheinlichkeit das allererste deutsche Skinheadfanzine namens „Boots“ als Xerokopien unter das Volk gebracht hat. Wir reden hier über die Jahre 1982/83, liebe Leute, da war Subkultur noch wild und gefährlich. Münzfernsprecher statt Handy, Wicküler Bier statt Alkopops und alle halbe Jahre mal ein Konzert, statt Komplett-Übersättigung durch Tourneen und Festivals. Nur Dummschwätzer und Besserwisser, die…

  • Historisches & Biographien

    The Adverts – TV Smith’s wilde 70er

    von TV SMITH, aus MP #12, 12.98 Auf der Bühne des Roxy Clubs. London, Januar 1977. Der erste Gig der ADVERTS. Drei Wochen vorher wußten wir noch gar nicht, wie wir diese Band nennen würden. Einen Monat davor hatten wir weder einen Gitarristen noch Drummer. Lediglich Gaye und ich übten auf Bass und Akkustikgitarre in unserem Wohn-/Schlafzimmer, denn ich hatte einige Songs geschrieben und Gaye, ein großer Iggy-Fan, gefiel die Idee, in einer Band zu spielen. Schauen wir noch ein paar Monate zurück. Wir beide lebten noch in Devon, außerhalb des Landes im Südwesten von England, und ein Gefühl sagte uns, daß wir nach London gehen sollte. Es gab Zeichen,…

  • Historisches & Biographien

    Force Of Hate Fanzinestory 1/3

    von Paulchen, aus MP #12, 12.1998 Teil 1/3 Anmerkung: Diese History entstand vor über 20 Jahren, die beschriebenen Protagonisten agierten vor über 35 Jahren. Daher wird für Außenstehende manche Passage schwer nachvollziehbar bis widersinnig erscheinen. Es ist an der Zeit, die lockere Serie der im Moloko Plus vorgestellten Kult-Glatzenfanzines von gestern und vorgestern, fortzuführen. Diesmal geht es um ein Heft, das zweifellos neben Uhl’s „Clockwork Orange“ eines der wichtigsten Szenepamphlete Mitte bzw. Ende der Achziger Jahre war, nicht nur aufgrund der recht regelmäßigen Erscheinungsweise und der für damalige Verhältnisse exzellenten Aufmachung, sondern vor allem durch die konsequente Haltung, die hinter dem Heft stand. Doch dazu später. Gemeint ist das Dortmunder,…

  • Punkrock-Pranger

    OLDE YORK: same [7.1]

    B7-Markus [10]: Olschool Hardcore Granate, ohne Umschweife und direkt auf die Zwölf. Auch wenn wir die Kirche im Dorf lassen wollen, ist das für mich die volle Punktzahl im Sinne von jedem, der alte Schule HC sucht, braucht und hiermit findet! Dazu gibt es die ganze Nummer dann auch noch auf old school lim. Vinyl in gediegener Aufmachung mit Liebe zum Detail – yes! Rudy [7]: Traditioneller Oldschool-Hardcore aus New York City, authentisch, abwechslungsreich und energiegeladen, sowie zwei Coverversionen (Warzone/Kiling Time). Gute Scheibe, mit diesem HC kann sogar ich was anfangen. Kalkov [6.5]: 5 x NY-Harcore mit teilweise deutlichem Streetpunk-Einschlag. Zu den 3 eigenenSongs gesellen sich 1 Killing Time- und…

  • Punkrock-Pranger

    GENERATORS: last of the pariahs [7.25]

    Rudy [9]: The Generators sind eine der großartigsten Bands des Erdballs und können mich auch auf ihrem aktuellen Album überzeugen. Tolle Melodien, kraftvolle Songs und gute Texte machen ‚Last of the Pariahs‘ für mich zu einem der Top Ten Alben 2011. Paradise [9]: Erlesene Old School L.A. Punk-Einflüsse (ADOLESCENTS, SOCIAL D., BAD RELIGION) unter einen Hut gebracht und GENERATORS-like mit CLASH und U.S. Streetpunk verfeinert. Runde Sache, starkes Album. Bernieblitz [8]: Mit „You against You“ bietet die aktuelle Platte einen richtigen Hit, die restlichen Lieder bewegen sich auf gehobenem Niveau. Ich kann mich an keine wirklich schlechte Platte erinnern. Locke [8]: Das gute Stück ist schon eine Weile draußen, läuft…

  • Interviews

    Emma – Oi!Reka-Fanzine

    von Christian, Moloko Plus #45, 04.2012 Emma war zu keinem Interview in Sachen Skintonic/Skinup zu überreden, weil sie sich – so die Begründung – als eine von vielen Mitwirkenden nicht in den Vordergrund drängen wollte und das war ihr beim besten Willen auch nicht auszureden. Zumindest zum Oi!Reka durfte ich dann aber doch ein paar Fragen loswerden und so ganz lässt sich das ja eh nicht trennen. Hier wir gehen: Christian: Zwischen Deinem Ausstieg beim Skintonic und dem Zeitpunkt, als das Oi!Reka das Licht der Welt erblickte, lag ja nicht wirklich viel Zeit. Welchen Umständen verdanken wir die Existenz des Oi!Reka und wer hat da außer Dir noch mitgemischt? Emma:…

  • Allgemein

    Serious Drinking

    von Sir Paulchen, Moloko Plus #45, 04.2012 Serious Drinking waren im Prinzip die Erfinder des Ska-Punk. Oder Punk-Ska, ganz wie man will. Gut, genau genommen war auch 2Tone schon die Symbiose aus dem Melodie- und Rhythmusgefühl des Ska, vermischt mit der Härte und dem schroffen Element des Punk. Aber erst die Mannschaft aus Norwich fabrizierte etwas, was genau dazwischen lag. Und damit bilden sie, wenn auch nicht unbedingt musikalisch, so doch zumindest was ihre Trinkgewohnheiten und ihren galligen Blick auf den Alltag des kleinen Mannes anbelangte, das Bindeglied zwischen Madness (wir reden von deren guten Zeiten, sprich bis zur dritten LP „7″) und den Pogues. Erstaunlich eigentlich, dass sie trotzdem…

  • Historisches & Biographien

    Skintonic/Skinup Fanzinestory, Teil 2

    Teil 2 (1992 bis 1999) von Christian, Moloko Plus #45, 04.2012 Ein Tag im September 1991 und über Nacht kennt die halbe Welt den Namen einer Kleinstadt im Norden der sächsischen Oberlausitz: Hoyerswerda. Das zweitwichtigste Wort in der Medien-„Berichterstattung“ jener Tage ist dann aber auch schon „Skinhead“, dicht gefolgt von „Springerstiefel“. Der wiedervereinigte Vokuhila-Mob mischt bei dem Anschlag auf das Ausländerwohnheim zwar kräftig mit, aber das Fernsehen findet Skinheads einfach spannender, und so avanciert in diesen Tagen außer Ladendiebstahl und Konkursverschleppung praktisch alles zum Skinheadüberfall. Harte Zeiten für das Skintonic, das sich zu jener Zeit wie kein anderes Skinhead-Fanzine für SH.AR.P. ins Zeug legte – und Hoyerswerda war erst der…